Bildungspotenziale im Sport nutzen -
ein Zwischenbericht zum dsj-Jahr der Bildung

Die Deutsche Sportjugend (dsj) sieht es als wichtige Aufgabe an, in der aktuellen Debatte um Veränderungen im Bereich der Bildung für Kinder und Jugendliche die Bildungspotenziale im Sport zu verdeutlichen und zu nutzen. So bewegen sich junge Menschen in einer Welt, deren Gegenwart und Zukunft Herausforderungen birgt, zu deren Bewältigung die Kinder- und Jugendarbeit im Sport beitragen kann. Vor diesem Hintergrund bündelt die dsj im Jahr der Bildung vorliegende Erkenntnisse aus der Praxis und Forschung und stellt Weichen für die Weiterentwicklung.

Im Jahr der Bildung wurden zentrale Bausteine hierfür entwickelt:

Expert/-innenpool und Steuerungsgruppe Bildung

Die Berufung des Expert/-innenpools und der Steuerungsgruppe Bildung mit Mitgliedern aus den Jugendorganisationen im Sport und der Wissenschaft ermöglicht die systematische Weiterführung des kontinuierlich geführten Dialogs in der dsj und ihren Mitgliedsorganisationen zum Thema Bildung. Dadurch wird die vorhandene Expertise genutzt und die Rückkopplung der Diskussionen in die Praxis verbessert.

Forschungsverbund „Bildungspotenziale der Kinder- und Jugendarbeit im Sport“

Durch die Einrichtung eines Forschungsverbundsystems will die dsj den disziplinenübergreifenden fachlichen Austausch systematisch fördern und sich auch im wissenschaftlichen Diskurs positionieren. Im Dialog können Jugendorganisationen im Sport und Wissenschaftler/-innen voneinander profitieren sowie die Diskussion weiter entwickeln.

Orientierungsrahmen Bildungspotenziale in der Kinder- und Jugendarbeit im Sport

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen wird auf der Basis eines Bildungsbegriffs, der auf die erfahrungsorientierte Selbstgestaltungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen abzielt, ein Orientierungsrahmen entwickelt. Dieser fordert dazu auf, die Bildungspotenziale im Kinder- und Jugendsport weiter herauszuarbeiten und zu nutzen sowie die Rahmenbedingungen hierfür aktiv zu gestalten.
In der nächsten Zeit gilt es,mithilfe dieser Bausteine die Bildungspotenziale im Kinder- und Jugendsport weiter herauszustellen. So sollen vor dem Hintergrund sich ändernder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen tragende Ansatzpunkte für eine „Bildung der Zukunft“ herausgearbeitet und praxiswirksam gemacht werden. Auf diese Weise ist das Jahr der Bildung die Aufforderung, auf der Basis der bisherigen Diskussionen in der dsj und ihren Mitgliedsorganisationen in eine neue Phase der Weiterentwicklung des Bildungsverständnisses im organisierten Kinder- und Jugendsport einzutreten.


Jahresthema Bildung

Bewegung, Spiel und Sport haben Bildungspotenziale, die weit über die Förderung der Motorik hinaus gehen. Durch Sport werden Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstorganisation und Verantwortungsfähigkeit gefördert. So bescheinigt auch der Zwölfte Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung dem Sport eine „maßgebliche Bildungswirksamkeit (…), die zunächst die unmittelbar körperbezogenen Kompetenzen (Körpererfahrung, -ästhetik, -ausdruck), aber auch nicht unmittelbar sportbezogene Kompetenzen im sozialen, politischen und kognitiven Bereich einschließt“ (BMFSFJ 2005, S. 376).

Ein besonderes Potenzial in diesem Bildungsprozess hat das informelle Lernen, das zum Beispiel im Sportverein, in der ehrenamtlichen Arbeit oder in Ferienfreizeiten stattfindet und „vielfältig und bunt, häufig aber auch unstrukturiert, unsystematisch, zufällig und unübersichtlich“ abläuft (Düx 2006, S. 237). Dieser eigensinnige Prozess vermittelt Kompetenzen, die junge Menschen benötigen, um sich in der modernen Gesellschaft zurecht zu finden, eine eigene Identität aufzubauen und die Herausforderungen in ihrem Leben zu meistern.

Die dsj will in diesem Jahr die Bildungspotenziale von Bewegung, Spiel und Sport nachdrücklich nach außen tragen und intensiv ihre Position weiterentwickeln. Dazu hat der dsj-Vorstand einen Expert/-innenpool Bildung unter Leitung der 2. Vorsitzenden der dsj, Monica Wüllner, berufen. Dieser wird unter anderem ein bildungspolitisches Positionspapier entwickeln, das Impulse für die Strukturen des organisierten Kinder- und Jugendsports gibt und zugleich als politisches Signal im öffentlichen Bildungsdiskurs wirkt. Das Papier soll Entscheidungsträger/-innen in Politik und Wirtschaft sowie Jugendpolitiker/-innen vom Bildungspotenzial des Mediums Sport zu überzeugen, Kultuspolitiker/-innen die einzigartigen Bildungspotenziale des Sports im Vergleich zu anderen Fächern aufzeigen sowie Wissenschaftler/-innen dazu anregen, sich in ihren Arbeiten mit dem Medium Sport als Bildungsthema auseinander zu setzen.

Den Auftakt zum Jahresthema Bildung bildet das Expert/-innenhearing „Informelle Bildung im Sport“ am 19./20. März 2009 in Münster in Kooperation mit der Sportjugend Nordrhein-Westfalen und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ein weiterer Baustein ist die Arbeitstagung Jugendbildung des ExpertInnenpools im Juni 2009, bei der die Position der dsj weiter ausgelotet und das Bildungspolitische Positionspapier weiterentwickelt werden. Erkenntnisse aus dem Projekt "Kinder- und Jugendarbeit im Sportverein und ihre Bildungschancen“ der Deutschen Sportjugend, der Sportjugend Nordrhein-Westfalen und der der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster werden mit in die Formulierung des Positionspapiers einfließen. Auch weitere dsj-Veranstaltungen wie die Tagung der Jugendbildungsreferent/-innen oder die Jahrestagung FSJ richten sich explizit am Thema Bildung aus. Am 19. Sportwissenschaftlichen Hochschultag vom 16. – 18. September 2009 beteiligt sich die dsj durch die Gestaltung eines Workshops. Schließlich soll beim Jugendhauptausschuss vom 23. – 24. Oktober 2009 das Bildungspolitische Positionspapier vorgestellt werden.

Literatur:
Düx, W. 2006: „Aber so richtig für das Leben lernt man eher bei der freiwilligen Arbeit“. In: T. Rauschenbach u.a. (Hg.): Informelles Lernen im Jugendalter. Weinheim, München.

BMFSFJ 2005: Zwölfter Kinder- und Jugendbericht. Berlin.