2 Mrd. zum Aufholen nach Corona für Kinder- und Jugendliche – was bekommt der Sport?

Grafik: BMFSFJ

Die Bundesregierung hat auf die Kritik reagiert und die von Bildungsministerin Anja Karliczek geplante Nachhilfemilliarde um eine weitere Milliarde aufgestockt, um so auch die entstandenen Lücken in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu schließen.  Um diesen Herausforderungen und Bedürfnissen gerecht zu werden, hat der Bund das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ in Höhe von 2 Mrd. Euro für dieses und nächstes Jahr beschlossen. Dazu werden zum Abbau von Lernrückständen (1 Mrd. Euro) und zur Förderung frühkindlicher Bildung, für Freizeit-, Ferien- und Sportaktivitäten sowie für die Begleitung von Kindern und Jugendlichen im Alltag und in der Schule (1 Mrd. Euro) zur Verfügung gestellt. 

Das Aktionsprogramm basiert auf vier Säulen 

  1. Abbau von Lernrückständen 
  2. Maßnahmen zur Förderung der frühkindlichen Bildung 
  3. Unterstützung für Ferienfreizeiten und außerschulische Angebote 
  4. Kinder und Jugendliche im Alltag und in der Schule begleiten und unterstützen 

Das in den letzten Wochen und Monaten von Jugendlichen an die Deutsche Sportjugend gespiegelte Feedback war deutlich: Sie wollen sich nicht auf ihre Rolle als Schüler*innen reduziert sehen. Dieser Tatsache hat sich die dsj angenommen und sich für die Ausweitung der Nachhilfemilliarde stark gemacht. Der Bedarf geht  über die Schule hinaus und fängt bei Partizipation und Mitbestimmung an. Der Fokus des Engagements im Sport geht weit über das sportliche Angebot, welches bei den alarmierenden Zahlen zu Bewegungsmangel und Fettleibigkeit dringend – und unabhängig vom Aufholpaket – wieder in den Fokus rücken muss, hinaus. Im und mit dem Sportverein können beispielweise Persönlichkeitsentwicklung, Teamspirit und Demokratieverständnis gefördert werden.  

Für die Sportverbände ist besonders die Tatsache vielversprechend, dass 50 Mio. Euro für die Aufstockung des Kinder- und Jugendplans 2021/2022 vorgesehen sind. Dank dieser Mittel können die Angebote der Jugendarbeit im Sport, der kulturellen und politischen Jugendbildung und die internationale Jugendarbeit insbesondere der Jugendverbände weiter ausgestaltet werden. Darüber hinaus wurden 100 Mio Euro für zusätzliches Engagement von Freiwilligendienstleistenden in Aussicht gestellt. 

Franziska Giffey machte in der Pressekonferenz das Ziel des Aktionsprogramms deutlich: „Wir wollen erreichen, dass die Kinder und Jugendlichen durch die Pandemie keine Narben davontragen. Narben einerseits durch Lernrückstände und Unterrichtsausfall, aber auch, weil sie ihre Freunde über lange Zeit nicht treffen konnten, Sport nicht möglich war.“ Dafür sollen verstärkt vergünstigte Ferienfreizeit-, Begegnungs- und Bewegungsangeboten geschaffen werden, um Kinder und Jugendliche nach der Pandemie auf dem Weg zurück in ein unbeschwertes Aufwachsen zu begleiten.  

Insgesamt ist das Aufholpaket ein Signal, dass der Hilferuf der Kinder- und Jugendlichen, und auch ihrer Vertreter*innen in den verschiedenen Organisationen und Verbänden gehört wird.  Es hat sich gezeigt, dass der erste Reflex nach Nachhilfe für Mathe, Deutsch und Englisch bei weitem nicht ausreicht und dies von der Bundesregierung erkannt wurde. Die Aufarbeitung der Pandemiezeit für Kinder und Jugendhilfe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur in partnerschaftlicher Zusammenarbeit aller Akteur*innen, der Schule, der Kinder- und Jugendhilfe, d.h. den Jugendämtern und vor allem den Träger*innen in Kultur, Sport, Offener Kinder- und Jugendarbeit, den Jugendverbänden geleistet werden kann - und nun hoffentlich auch wird. 

Die Deutschen Sportjugend setzt sich dafür ein, dass Mittel für niedrigschwellige Bewegungsangebote ankommen, wo sie benötigt werden und auch diejenigen Kinder und Jugendlichen erreichen, die es in den letzten Monaten besonders schwer hatten. Zusätzliche Freiwilligendienste im Sport sind dabei außerdem wichtig. Sie bieten jungen Menschen ein besonderes Bildungs- und Orientierungsjahr und können außerdem Kinder und Jugendliche gezielt in Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe unterstützen – auch im Sport. 

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