Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021

Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021 – Fragen und Antworten u.a. zum Thema Bewegungsförderung und Schutz vor Gewalt im Sport

Einige Bundesparteien haben kurz vor der Bundestagswahl auf Fragen aus dem Sport geantwortet und positionieren sich damit zu verschiedenen Themen für die nächste Legislatur 2021-2025. Nachfolgend geben wir die Antworten auf zwei Fragen, die die Tätigkeitsfelder der Deutschen Sportjugend im Besonderen betreffen, in voller Länge dar. Weitere Wahlprüfsteine und entsprechende Antworten sind auf der DOSB-Seite zu finden:  

www.dosb.de/ueber-uns/politische-forderungen 

 

FRAGE:  Bewegungs- und sportfreundliches Land fördern 

Die Corona-Pandemie hat den ohnehin zunehmenden Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen noch einmal befördert. Wie wollen Sie Deutschland zu einem bewegungs- und sportfreundlichen Land für Kinder, Jugendliche, Erwachsene & Ältere machen und welche Rolle sollen dabei die Sportvereine einnehmen? 

CDU/CSU

CDU und CSU wissen um die vielseitigen Vorteile von Sport und Bewegung. Sie stärken die Gesundheit, das soziale Miteinander, die Bildung, die Inklusion, die Integration und damit den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Pandemiebedingt haben viele Kinder und Erwachsene ihren Sport schmerzlich missen müssen, Sportvereine und Sportstättenbetreiber wurden stark gebeutelt. Diesem Bewegungsmangel werden wir uns entgegenstellen: Wir werden zum einen die Sportentwicklung in allen Bereichen unterstützen und vor allem die Gesundheitsprävention ausbauen. Außerdem werden wir die Sportvereine dabei unterstützen, wieder voll durchzustarten. Zum Beispiel mit einem Sofortprogramm, das die Vereine bei der Bindung und Neugewinnung von Mitgliedern unterstützt. 

SPD

Die SPD will, dass alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, körperlichen/geistigen Einschränkungen und sozialem Status – an Sport- und Bewegungsangeboten teilhaben können. Dazu bedarf es flächendeckender und niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote. Die Sportvereine nehmen darin eine zentrale Rolle ein. Die pandemiebedingten Einschränkungen haben insbesondere Kinder und Jugendliche hart getroffen. 

Wir wollen deshalb vor allem etwas gegen Bewegungsmangel und Einsamkeit von Kindern und Jugendlichen tun. In der vergangenen Wahlperiode haben wir daher – gefördert durch das BMFSFJ und in Zusammenarbeit mit der dsj – eine Bewegungskampagne initiiert, die möglichst viele Kinder und Jugendliche und deren Familien langfristig wieder in Bewegung bringen soll. Daran wollen wir in der nächsten Wahlperiode anknüpfen. 

FDP

Sport und Bewegung sind für eine Gesellschaft unverzichtbar: zur Prävention, Rehabilitation, Integration und Inklusion – gerade für Kinder und Jugendliche. Keimzelle bleibt der Sportverein, aber auch individuelle Aktivitäten und gewerbliche Angebote prägen die Sportbewegung. Wir wollen diese gesellschaftlichen Kräfte zur Entfaltung bringen und gestalterische Freiräume öffnen. Daher darf es auch im Sport nur so viel Bürokratie wie unbedingt nötig geben. Übertriebene staatliche Gängelung hemmt die Entwicklung der Sportlandschaft. 

Bereits während der Pandemie hat die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag, in den Ländern und Kommunen für eine rasche Öffnungsperspektive für den Sport plädiert, wo immer es unter Abwägung von Gesundheits- und Lebensschutz sowie der Freiheit, die uns ein besonders hohes Gut ist, möglich und vertretbar war. Dabei haben wir frühzeitig eigene Öffnungsmodelle in die Diskussion eingebracht.  Dies haben wir auch deshalb getan, weil wir bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erlebt haben, wie gewissenhaft in den Sportvereinen und -verbänden Hygienekonzepte geschrieben, mit Kommunen, Gesundheitsämtern, Verbänden und weiteren Akteuren abgestimmt und sehr verantwortungsbewusst umgesetzt wurden. Daher hatten wir sehr früh das Zutrauen, dass Öffnungen im Sport gerade dort gelingen können, wo wenig Infektionen wahrscheinlich sind – also primär draußen und mit Abständen. Unser besonderer Fokus lag dabei auf Kindern und Jugendlichen in den Schulen und Vereinen. 

Bündnis 90/Die Grünen

Zur Umsetzung der Bewegungsempfehlungen der WHO schlagen wir GRÜNE vor: Für Kinder und Jugendliche wird ein Corona-Rettungsschirm aufgelegt. In Kindergärten und Schulen sollen Bewegungsangebote ausgebaut werden und Sportvereine mehr Förderung für Kooperationsprojekte erhalten. Sport ist wichtiger Teil der Bildung, daher soll es eine besondere Förderung für mehr Schulsport geben. 

Maßnahmen zur Digitalisierung wollen wir nach Absprache von Bund und Ländern unterstützen. Durch den EU-finanzierten Nach-Corona-Aufbauplan sollen Sportvereine und Verbände eine mehrjährige Förderung erhalten, um eine Kampagne gegen Bewegungsmangel zu starten und Mitglieder zurück zu gewinnen. 

Der Sport sollte die große E-Sport-Verbreitung in der jungen Generation nutzen. Körperliche Aktivität, zielgerichteter Sport sowie Computerspiele passen unter das gemeinsame Dach der Gemeinnützigkeit. E-Sport sollte in den Katalog der gemeinnützigen Zwecke des § 52 der Abgabenordnung aufgenommen werden. 

Die Linke

Die Probleme hinsichtlich des Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen sowie die Unzulänglichkeiten im organisierten Sport und der Sportpolitik traten mit der Corona-Pandemie noch deutlicher hervor. DIE LINKE  hat immer wieder den Umgang mit bzw. die Einschränkungen für den Sport in der Corona-Pandemie kritisiert und eigene Vorschläge auf den Tisch gelegt. Neben den aktuellen Hilfen von Bund und Ländern brauchen wir eine breite Debatte über die Rolle des Sports in der Gesellschaft, einen umfassenden Neustart und langfristige Programme zur Förderung eines inklusiven Breiten-, Schul- und Spitzensports. Moderne barrierefreie Sportstätten und Schwimmbäder sowie qualifizierte Trainer*innen und Übungsleiter*innen in ausreichender Zahl sind dafür eine Grundbedingung. Auch deshalb wollen wir ein Zukunftsinvestitionsprogramm von 120 Mrd. Euro auflegen. Reden müssen wir auch über nötige Veränderungen im organisierten Sport unter dem Dach des DOSB. DIE LINKE steht dafür gern zur Verfügung. 


FRAGE: Intervention und Prävention im Sport stärken und Sport bei Schutz vor Gewalt im Sport unterstützen

Sportvereine sollen sichere Orte sein und stark machen gegen jegliche Form von Gewalt und Diskriminierung. Wie wollen Sie Intervention und Prävention im Sport stärken und den Sport bei der Übernahme der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zum Schutz vor Gewalt im Sport unterstützen? 

CDU/CSU

Sport hat eine sehr starke verbindende Wirkung in unserer Gesellschaft. Gerade deswegen ist uns wichtig, dass im Alltag der Sportler und der Vereine die Werte unseres Grundgesetzes, von Freiheit, Menschenwürde und Demokratie gelebt werden. Deshalb werden CDU und CSU die Programme gegen Diskriminierung und Rassismus und für Integration und Inklusion fortsetzen und stärker fördern. Zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs im Kontext des Sports werden wir eine zentrale Stelle für „safe sports“ einrichten und bestehende Präventionsprogramme weiter stärken. 

SPD

Sportvereine sollen sichere Räume für alle Sporttreibenden, vor allem aber für Kinder und Jugendliche sein. Deshalb ist es für die SPD wichtig, alle Akteure im organisierten Sport – von Verbandsführung bis hin zu Übungsleiter*innen - für das Thema sexualisierte, physische und psychische Gewalt zu sensibilisieren und das Problembewusstsein zu schärfen. Wir halten daher die Verankerung von Ausbildungsinhalten und Weiterbildungen zur Bekämpfung von physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt im Rahmen des Anforderungsprofils für die Tätigkeit als Trainer*in für notwendig. Nicht zuletzt die jüngsten Vorfälle im Turnen, Schwimmen, Boxen u.s.w. haben gezeigt, dass Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse in den Verbänden/Vereinen eine neutrale Aufarbeitung erschweren. Die Verankerung von Richtlinien zur Intervention in den Vereins- und Verbandsstrukturen reicht daher nicht aus. Vielmehr bedarf es unabhängiger Institutionen, die Konzepte für Präventionsmaßnahmen entwickeln bzw. zertifizieren, für die Betroffenen als neutrale Anlaufstelle dienen und für 

Intervention und Aufarbeitung von Einzelfällen verantwortlich sind. Wir wollen daher ein Zentrum für "Safe Sport“ – wie es von Athleten Deutschland e.V. gefordert wird – als unabhängige Anlaufstelle einrichten. 

FDP

In den Sportvereinen findet nach wie vor eine ganz wichtige Vermittlung von Werten statt, etwa im sozialen Miteinander und dem gemeinsamen Lernen und Akzeptieren von Regeln. Zum Fairplay im Sport gehört die Achtung der Rechte und Würde der anderen Sporttreibenden – auch und insbesondere von Kontrahenten im sportlichen Wettbewerb. Dazu gehören der Verzicht und die Ächtung von Diskriminierung und Gewalt. Im Sport kommt es auf das Miteinander und auf Leistung an, nicht auf Herkunft, sozialen Status oder Geschlecht. Insofern ist der Sport ein idealer Gesellschaftsbereich, um Toleranz und Menschenwürde zu verstehen, zu achten und zu wertzuschätzen. 

Besonderen Schutz haben dabei Kinder, Jugendliche und Menschen mit Beeinträchtigungen verdient. Sie müssen sich bei ihrer sportlichen Betätigung in unseren Vereinen als Schutzbefohlene ohne Ängste in einem gewaltfreien Raum bewegen können. Um das zu gewährleisten, brauchen die Vereine Unterstützung in Form von Beratungsstellen und Handlungsleitfäden. Die Freien Demokraten fordern einen Aufwuchs der zur Verfügung stehenden Beratungsmittel. Es ist das Ziel, bei der Deutschen Sportjugend in jedem Bundesland mindestens eine Beraterin bzw. einen Berater anzubieten. Kinder und Jugendliche sowie ihre Eltern und andere Vertrauenspersonen benötigen zudem unabhängige Anlaufstellen im Sport, um sich bei Fällen von (sexualisierter) Gewalt gezielt Hilfe holen zu können. 

Bündnis 90/Die Grünen

Wir GRÜNE setzen uns für eine umfassende Strategie gegen psychische, physische und sexualisierte Gewalt und für Aufbau und Finanzierung eines unabhängigen Zentrums für „Safe Sport“ ein. Wir fordern eine von Bund und Sport finanzierte Studie zur Erforschung des Ausmaßes der sexualisierten Gewalt im Breitensport. 

Die Deutsche Sportjugend (dsj) hat ein gutes Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt vorgelegt. Wir fordern die schnelle Umsetzung dieses Stufenmodells im gesamten Sport. Wir wollen Spitzensportförderung stärker an glaubwürdige Maßnahmen und Aufarbeitung durch Verbände koppeln. 

Gegen Rechtsextremismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Sport wollen wir mit einem finanziell starken Bundesprogramm vorgehen, das von einer unabhängigen Stelle begleitet wird. Für sozialpädagogische Fanprojekte und Koordinationsstelle sichern wir bundesseitig verlässliche Rahmenbedingungen zu, um auch weiter an über 50 Fußballstandorten umfassende Gewaltprävention anzubieten. 

Die Linke

Sportvereine sind auch Orte erfolgreicher Integration und Teilhabe. Für DIE LINKE ist deshalb der Kampf gegen jegliche Form von Gewalt auch im Sport ein wichtiges Thema . Hier darf es keine Toleranz geben. Neben einer Kultur der Aufmerksamkeit und konsequenter strafrechtlicher Verfolgung brauchen wir eine flächendeckende Aufklärung, weitere wissenschaftliche Studien, ein ausreichendes sowie dauerhaft ausfinanziertes Netz von Beratungsstellen, engagierte Faninitiativen sowie bessere Aus- und Weiterbildungskonzepte, u.a. für Trainer*innen. Dabei müssen Bund und Länder die Akteure mit einer langfristigen Finanzierung von Projekten unterstützen. Statt Strafverschärfung brauchen wir einen wirksamen Opferschutz und kompetente Ansprechpartner*innen in allen Sportverbänden und -vereinen. Nötig ist eine bessere Aufarbeitung von zurückliegenden und gegenwärtigen Fällen sexualisierter Gewalt. Die Vorschläge von Athleten Deutschland e.V., zum Beispiel die Schaffung eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport, wollen wir ernsthaft prüfen. 


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