Bericht zur 16. Vorstandssitzung der Wahlperiode 2020 - 2022

Der Vorstand der Deutschen Sportjugend ist am 11. und 12. Februar 2022 zu seiner 16. Vorstandssitzung in der Wahlperiode 2020-2022 zusammengekommen. Aufgrund der andauernden Corona-Pandemie fand die erste Sitzung im Jahr 2022 wieder in digitaler Form statt.   


Konzept zum Projekt „Dialogprozess: Schutz vor Gewalt im Sport“ 

Der Vorstand hat beschlossen, gemeinsam mit dem DOSB, einen Dialogprozess im organisierten Sport zum Thema Schutz vor interpersonaler (physischer, psychischer und sexualisierter) Gewalt zu starten. Ziel ist es, mittels eines Dialogprozesses eine gemeinsame Haltung des organisierten Sports zu einer unabhängigen bundesweiten Einrichtung für sicheren und gewaltfreien Sport, unter Einbeziehung der dsj- und DOSB-Mitgliedsorganisationen und Athlet*innenvertretungen sowie unter punktueller Einbeziehung externer fachlicher Expertise, zu entwickeln. Die gemeinsame Haltung dient der Kommentierung der nächsten Schritte zur Umsetzung einer solchen Einrichtung auf Bundesebene, die im Koalitionsvertrag verankert ist. Daran anknüpfen soll ein Zukunftsplan, um auch innerhalb des organisierten Sports proaktiv und eigenständig den Schutz der Mitglieder und insbesondere von Kindern und Jugendlichen vor interpersonaler Gewalt bestmöglich zu gewährleisten. 


Freiwilligendienste im Sport – Stellungnahme zur aktuellen Haushaltssituation 

Aus dem politischen Raum wird von der besorgniserregenden Überlegung berichtet, den Etat der Freiwilligendienste ab 2024 um ca. 20 % zu kürzen, obwohl die aktuell eingestellten Gelder seit Jahren fest in den Strukturen der Einsatzstellen und Träger verankert sind. Man geht dabei vermutlich fälschlicherweise davon aus, dass das Geld dann kurzfristig über parlamentarische Entscheidungen wieder den Freiwilligendiensten zugeführt werden könnte, was aufgrund der langen Vorlaufszeiten aber nicht möglich ist. Der Vorstand hat deshalb in enger Abstimmung mit den betroffenen Mitgliedsorganisationen eine Stellungnahme verabschiedet und bittet das Bundesjugendministerium, die Gelder zu sichern. Ansonsten wäre jeder fünfte Platz in den Freiwilligendiensten im Sport massiv gefährdet. 


Schwerpunktthema der dsj für das Jahr 2022 

Vor dem Hintergrund der weiterhin andauernden Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen sowie der im Jahr 2022 laufenden Großprojekte der dsj (MOVE-Kampagne, Aufholen nach Corona), die darauf gerichtet sind, Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen, hat der Vorstand beschlossen, das Schwerpunktthema 2021 mit dem Titel „Grau is alle Pandemie — Entscheidend is auf`m Platz: Kinder und Jugendliche wieder in Bewegung bringen!“ auch für das Jahr 2022 beizubehalten. Allerdings soll der Fokus nicht nur auf den unmittelbaren Bewegungsaspekt von Kindern und Jugendliche gerichtet, sondern auch die Rahmenbedingungen stärker in den Blick genommen werden. Hiermit wird auch die Zielgruppe der jungen Engagierten, die den Kinder- und Jugendsport häufig erst ermöglichen, mitberücksichtigt. 


Appell zur Einberufung eines Bewegungsgipfels 

Der Vorstand hat beschlossen, das Thema Bewegung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, verstärkt als Querschnittsthema auf die bundespolitische Ebene zu bringen. Als zentrale Forderung soll die Einberufung eines Bewegungsgipfels platziert werden, mit dem verschiedene Ressorts an einen Tisch gebracht werden sollen, um sich mit dem Thema Bewegung und deren Bedeutung für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Perspektiven zu beschäftigen. Hierfür hat der Vorstand einen Appell verabschiedet, der sich zunächst an die Ressorts Jugend, Sport, Bildung, Gesundheit, Soziales, Verkehr sowie Stadtplanung und Bauwesen der Bundesregierung richtet. Darüber hinaus sollen weitere Netzwerkpartner*innen der dsj einbezogen und für eine möglichst breite Unterstützung geworben werden. Der Appell wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Über die Möglichkeit zur Mitzeichnung des Appells werden wir zeitnah informieren. 


Nachhaltigkeit im Kinder- und Jugendsport – Umsetzung der dsj-Nachhaltigkeitsstrategie 

Für die Umsetzung der ab 2022 geltenden dsj-Nachhaltigkeitsstrategie hat der Vorstand einem Projektantrag bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zugestimmt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat bereits in der Vergangenheit Projekte der dsj erfolgreich gefördert, u. a.  „Jugend, Umwelt und Sport“ (2004-2008). Diese gute Zusammenarbeit will die dsj erneut aufnehmen. In dem aktuellen Projektantrag wird es vorwiegend um die Qualifizierung und Vernetzung der dsj-Mitgliedsorganisationen sowie die Entwicklung von Arbeitsmaterialien und -hilfen für die Umsetzung von BNE/Nachhaltigkeit im Kinder- und Jugendsport gehen.  


Deutsches Olympisches Jugendlager Peking 2022 

Das Deutsche Olympische Jugendlager (DOJL) Peking 2022 hat vom 3. bis 9. Februar 2022 im Sportcamp Nordbayern in Bischofsgrün stattgefunden. Trotz des bestehenden Sicherheits- und Hygienekonzepts als 2G+ Veranstaltung wurde das Jugendlager, nachdem einige Corona-Infektionen aufgetreten waren, für die anschließende Zeit in den digitalen Raum verlegt. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnte das Jugendlager in diesem Jahr somit erfolgreich durchgeführt und den Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm geboten werden.  Dieses reichte von Nachhaltigkeitskonzepten für Großsportveranstaltungen in Deutschland über einen Thementag „China“ bis hin zu aktuellen Themen und Herausforderungen der Olympischen Spiele Peking 2022. Daneben nahmen gemeinsame Wintersportaktivitäten, wie Skilanglauf, Biathlon oder Eislaufen, einen wichtigen Teil des Jugendlagers ein. Nach einem digitalen Austausch mit der Deutschen Botschaftsschule Peking, folgten am 10. Februar noch letzte inhaltliche Workshops und ein gemeinsamer digitaler Abschluss von zu Hause. 


Die nächste Vorstandssitzung in Präsenz wird am 21. Mai 2022 in Hamburg stattfinden. 


Weitere Meldungen

Aktueller Stand der dsj-Bewegungskampagne MOVE 

Um auch weiterhin mit der MOVE-Kampagne möglichst viele Kinder und Jugendliche wieder zu bewegen und für den Vereinssport zu gewinnen sowie auf die Angebote des organisierten Sports vor Ort aufmerksam zu machen, werden auch in diesem Jahr in den Monaten Mai und September Aktionstage stattfinden. Sportvereine in ganz Deutschland sind dazu aufgerufen, ab nächster Woche wieder die Förderung eines Aktionstages auf der MOVE-Kampagnenwebsite über ein neues Antragssystem zu beantragen. Damit soll es einerseits für die interessierten Sportvereine zu einem vereinfachten Antragsverfahren und andererseits auch zu einer optimierten Bearbeitung und Abrechnung der Aktionstage kommen. 
Ab der kommenden Woche wird außerdem die überarbeitete Kampagnenwebsite unter www.move-sport.de freigeschaltet, auf der zukünftig alle Informationen zur MOVE-Kampagne gebündelt werden. Wir hoffen auch weiterhin auf eine breite Unterstützung bei der gemeinsamen Kommunikation der Kampagne.  


Positionierung der dsj und des DOSB zu aktuellen antidemokratischen und gewaltvollen Haltungen und Handlungen im Kontext der Corona-Pandemie 

Mit Sorge haben die dsj und der DOSB die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate rund um die Proteste gegen die geltenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung beobachtet. Der organisierte Sport gründet sich auf dem Gemeinwohl und hat ein hohes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Beides sieht sich in der Coronapandemie harten Zeiten ausgesetzt und die Auswirkungen werden in den Strukturen des Sports, besonders bei den vielen ehrenamtlich tätigen Vertreter*innen, noch lange spürbar sein und einen hohen Zusammenhalt erfordern.   
Mit der Positionierung „Für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie – auch und gerade in der Pandemie“ zeigen dsj und DOSB klare Haltung und stärken insbesondere den vielen Akteur*innen des organisierten Sports den Rücken, die sich solidarisch an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Bewältigung der Pandemie beteiligen.   


Umsetzung der Internationalen Wochen gegen Rassismus 

Die diesjährigen IWgR werden vom 14.-27. März 2022 unter dem Motto “Haltung zeigen!” stattfinden. Erstmalig wird es einen Sport-Aktionstag geben, zu dem mehrere Organisationen gemeinsam aufrufen. Der Aktionstag unter dem Motto „Bewegt gegen Rassismus“ findet am 27. März 2022 statt. An diesem Datum sollen Aktivitäten von Vereinen, Organisationen, lokalen Initiativen oder Aktionsgruppen unter dem Hashtag #BewegtGegenRassismus durchgeführt und über die sozialen Medien dargestellt werden. Weitere Informationen hierzu können dem Flyer zum Sport-Aktionstag und der entsprechenden Aktionswebsite bei der Stiftung gg. Rassismus entnommen werden. Auch die dsj, die seit vielen Jahren die Aktivitäten der Stiftung unterstützt, hat die Mitgliedsorganisationen und weitere Netzwerkpartner*innen wieder zur Beteiligung aufgerufen (dsj-RS Nr. 05/22 und Meldung via Newsletter / Social Media). Zudem hat Benny Folkmann (2. Vorsitzender der dsj) in der aktuellen Folge des IWgR-Podcast „Haltung zeigen“ Rede und Antwort zu den Aktivitäten der dsj und den Möglichkeiten des organisierten Sports, demokratiestärkend zu wirken, gestanden: www.haltungzeigenpodcast.podbean.com. Zudem veröffentlichten einige Landesverbände (LSB, LSV, SJ) der elf Sportprojekte im BMI-Bundesprogramm “Zusammenhalt durch Teilhabe” am 17.Februar 2022 im Rahmen einer Social Media Aktion einen gemeinsamen Aufruf zur Beteiligung an den IWgR. 


dsj-Außenvertretung 

Mit Beschluss durch das DOSB Präsidium vom 8. Januar 2022 wurde Stefan Raid als Mitglied des Nationales Rates gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen berufen. Der Nationale Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist rund zehn Jahre nach Einrichtung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ (2010/11) durch die Bundesregierung das Forum für den langfristigen und interdisziplinären Dialog zwischen Verantwortungsträger*innen aus Politik und Gesellschaft. 


Politische Kommunikation – Umsetzung der Vorhaben des Koalitionsvertrags 

Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung beinhaltet einige positive Signale für die dsj, u.a. bei den Punkten bedarfsgerechte Ausgestaltung der KJP-Mittel, Stärkung der Freiwilligendienste, Einrichtung eines Bundesprogramms gegen Rechtsextremismus, Stärkung der Koordinationsstelle Fanprojekte, der europäischen und internationalen Jugendarbeit sowie des Kinderschutzes.  Um sich im Dialog der geeigneten Umsetzung der Vorhaben zu nähern, führt die dsj aktuell viele Gespräche mit Bundestagsabgeordneten, insbesondere der Regierungsparteien, sowie mit den relevanten Bundesministerien auf Arbeitsebene. Ein Gesprächstermin mit der neuen Ministerin für Jugend, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist in der Planung. 


Sonderprogramm IV  

Die dsj hat im Rahmen des dritten Teils des „Sonderprogramm Kinder- und Jugendbildung, Kinder und Jugendarbeit 2021“ im Dezember mehr als 1,3 Millionen Euro an 19 Einrichtungen mit Übernachtungsangeboten weitergeleitet. Dadurch konnte eine existenzgefährdende Wirtschaftslage im Kontext coronabedingter Einnahmeausfälle bei den gemeinnützigen Träger*innen erfolgreich abgemildert werden. 
Eine vierte Phase des „Sonderprogramm Kinder- und Jugendbildung, Kinder und Jugendarbeit“ könnte die existenzbedrohenden Auswirkungen der Pandemie in diesem Winter für Träger*innen von Einrichtungen mit Übernachtungsangeboten erneut abmildern. Eine Entscheidung hierzu hat das BMFSFJ kurzfristig in Aussicht gestellt. 


Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ (dsj-Aufholpaket) 

Auch wenn nicht alle geplanten Veranstaltungen im Jahr 2021 im Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ aufgrund von Corona umgesetzt werden konnten, dankt der Vorstand allen am Aufholpaket beteiligten Mitgliedsorganisationen für die Durchführung zahlreicher Veranstaltungen. Die Prüfung aller damit in Verbindung stehenden Verwendungsnachweise ist so gut wie abgeschlossen. 
Mit Blick auf 2022 gilt es, die gesammelten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zu nutzen, um das Aktionsprogramm noch besser umzusetzen. Wir sind deshalb froh, dass in der Zwischenzeit alle Aufbaumanager*innen an Bord sind und wollen den regelmäßigen Austausch fortführen. 


Herzliche Grüße, 

Stefan Raid, 1. Vorsitzender 
Christina Gassner, Geschäftsführerin 

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