Konzept Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Deutsche Sportjugend (dsj) und das Zentrum für Dopingprävention der Pädagogischen Hochschule Heidelberg haben sich 2003 zusammen geschlossen, um das Thema „Doping im Sport“ zu bearbeiten. Im Rahmen des Nationalen Dopingpräventionsplans wurde in den Jahren 2010 bis 2013 in der eben genannten Kooperation das dsj-Projekt „Sport ohne Doping“ durchgeführt. Gefördert wurde dieses durch das Bundesministerium des Inneren. Die Ziele des Projekts sind:
  • Platzierung des Themas Dopingprävention als eigenständiges Aufgabenfeld im Rahmen der Anti-Dopingaktivitäten der Mitgliedsorganisationen von DOSB/dsj
  • Informationen und Sensibilisierung der Akteure (Übungsleiter/-innen, Trainer/-innen, Funktionsträger/-innen) im organisierten (Kinder- und Jugend-) Sport für die Notwendigkeit, Maßnahmen im Bereich Dopingprävention kontinuierlich und systematisch durchzuführen
  • Fortführung der Qualifizierung der Akteure (über Ausbau und Weiterqualifizierung des Kernpools und die Pflege, Ausbau sowie  Weiterentwicklung des Systems der Juniorbotschafter/-innen Dopingprävention)
  • Nachhaltige Implementierung in den Strukturen und Programmen des Aus- und Fortbildungssystems des organisierten Sports
Ein Kern-Baustein des Projekts „Sport ohne Doping“ ist die Aus- und Weiterbildung von Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention. Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche Gleichaltrigen gegenüber aufgeschlossener sind und leichter etwas annehmen, als von wesentlich älteren Personen.  Dieser Peer-Education Ansatz wird genutzt, indem junge Sportler/-innen an ihre Peer Group herantreten, sich für eine Anti-Doping-Mentalität stark machen und als Vorbild agieren. Wesentliche Ziele der Maßnahme sind:
  • Reflexions-, Argumentations- und Entscheidungsfähigkeit zu fördern
  • Vermittlung von Informationen zum Thema Dopingprävention sowie
  • Stärkung der Kommunikationskompetenz und Nutzung des Multiplikatoreneffekts.
Ein mittelfristiges Ziel ist in jeder Mitgliedsorganisation der dsj mindestens zwei ausgebildete Juniorbotschafter/-innen zu haben, die dann auch bei Verbandsmaßnahmen auf Bundes-, Landes- und Vereinsebene eingesetzt werden können. Wünschenswert ist ein möglichst breites Spektrum von Sportarten abzudecken.

Hinführung/Historie

Anregung für die Maßnahme gaben die deutsch-französischen Jugendlager (2003-2008) und das europäische Jugendcamp zur Dopingprävention (2011/2012). Hieraus resultierte, dass die Ideen nachhaltig in die vorhandenen Strukturen der dsj eingearbeitet wurden. Seither spricht die dsj vermehrt junge Sportler/-innen an, um sie als „Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention“ zu gewinnen, zunächst mit einem ersten Seminar in Neu-Isenburg im November 2010. Im August 2011 erfolgte ein weiteres Jugendcamp am Edersee, bei dem „alte“ Teilnehmer/-innen des Camps von 2010 sich bereits in die Gestaltung des Wochenendseminars einschalteten (peer-to-peer-education).

Wer?

Die Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention sollen vorwiegend im Alter von 18 bis 25 Jahren und aufgeschlossen für das Thema sein, um
  • sich im sportlichen und schulischen Alltag im Kampf gegen Medikamentenmissbrauch und Doping eindeutig zu positionieren und damit Vorbildfunktion für andere Jugendliche haben,
  • Präventionsveranstaltungen in ihren Sportverbänden/Sportvereinen/Schulen anzuregen,
  • Vorschläge zur inhaltlichen und methodischen Gestaltung solcher Veranstaltungen zumachen,
  • sich selbst in die Durchführung einzubringen sowie
  • durch Fragen zur Thematik Funktionsträger/-innen in Sportvereinen und -verbänden zum Nachdenken zu bringen.
Wenn Juniorbotschafter/-innen mit entwickeltem Problembewusstsein ihre Peer-Group informieren und Vorbildwirkung entwickeln, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die durch sie beeinflussten Mitglieder der Gruppe wiederum in ihren jeweiligen Peer Gruppen dieses Wissen weitervermitteln; damit wird ein enormer Multiplikatoreneffekt erreicht, eine effektive Beeinflussung der Gesamtzielgruppe.
Die Juniorbotschafter/-innen sind für andere junge Sportler/-innen näher an der Lebenswirklichkeit und geben als Lernbegleiter eher Impulse, als Vorschriften zur Dopingmentalität.

Konzept

Zwei Mal im Jahr erfolgen für ein Wochenende Schulungsmaßnahmen der dsj für „Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention“:
  • Im Frühjahr ein Weiterbildungsseminar für bereits ernannte und
  • Im Herbst ein Ausbildungsseminar für zukünftige Juniorbotschafter/-innen.
Bisher haben an den Seminaren zwischen 2010 und 2014 rund 140 junge Sportler/-innen teilgenommen, die an der Prävention von Medikamentenmissbrauch und Doping interessiert sind. In die Ausbildungsseminare werden von der dsj ernannten Juniorbotschafter/-innen in die Durchführung solcher Seminare eingebunden und haben selbstständig eigene Maßnahmen durchgeführt. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind dabei:
  • Die Weiterentwicklung des Problembewusstseins,
  • Der Umgang mit Nahrungsergänzungs- und Schmerzmittel,
  • Die Entstehung von Dopingmentalität sowie
  • Handlungsmöglichkeiten in Druck- und Versuchungssituationen.
Motivation und Engagement sich für einen sauberen Sport auszusprechen wird gefördert, indem die Themen möglichst interaktiv vermittelt werden und vor allem die Kombination „Kopf und Bauch“ berücksichtigt wird. Die jungen Sportler/-innen sollen aus eigenem Interesse heraus ihr Verhalten reflektieren und zu einem reflexionsfähigen Subjekt wachsen.
Eine breite Vernetzung der Anti-Doping-Prävention und deren Botschafter/-innen erfolgte im Rahmen einer Europäischen Anti-Doping Initiative (2011/2012). Hier trafen sich Juniorbotschafter/-innen aus verschiedenen Ländern, um sich über eine langfristige und nachhaltige Dopingprävention im „peer to peer Netzwerk“ auszutauschen. Das Projekt stützt sich auf Erfahrungen aus der deutsch-französischen Zusammenarbeit in diesem Bereich. Partner im Projekt waren: 
- Comité National Olympique et Sportif Français (CNOSF)
- Olympic Committee of Slovenia (OCS)
- Federazione Italiana Aerobica e Fitness (FIAF)
- Austrian Athletics Federation (ÖLV)
- Fédération Internationale Catholique Education Physique et sportive (FICEP)
- European University Sport Association (EUSA)
- European Non Governmental Sport Organization Youth (ENGSO Youth)
- Zentrum für Dopingprävention, Pädagogische Hochschule Heidelberg (ZDP)

Ausblick

Für das Bremsen der Dopingentwicklung steckt in der Dopingprävention ein enormes Potenzial. Mit vergleichsweise geringem finanziellem und personellem Aufwand wurde die Maßnahme „Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention“ entwickelt und für großes Interesse gesorgt. Angesichts der relativ ungebrochenen Weiterentwicklung der Dopingproblematik, über die die offiziellen Zahlen über Positivkontrollen hinwegtäuschen (die Untersuchungen von Pitsch/Emrich/Klein 2005, 2007; Pitsch/Maats/Emrich 2009; sowie von Striegel/Ulrich/Simon 2010 ergaben weit höhere Zahlen von Dopern in Deutschland ), ist es dringend notwendig, diese Art der Maßnahmen intensiv zu fördern und weiterzuentwickeln. 
Dopingmentalität entwickelt sich oft ab dem frühesten Kindesalter, wenn Kinder von Eltern mit nicht ausreichendem Problembewusstsein an die Einnahme von Pillen (z.B. Nahrungsergänzungsmittel, Schmerzmittel) gewöhnt werden. DOSB und dsj sind bestrebt, in solche Entwicklungen frühzeitig und karrierebegleitend einzugreifen. Da die Maßnahme der „Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention“ aktuell nicht mehr vom Bundesministerium des Innern gefördert wird, ist die dsj aktiv auf der Suche nach neuen Fördermitteln. 
Eine erste Aufgabe des Projektes ist der Aufbau von Juniorbotschafter/-innenteams in möglichst vielen Mitgliedsorganisationen der dsj. Die DLV Jugend lebt dies mit ihren Jugendbotschafter/-innen Prävention vor. 
Für die Juniorbotschafter/-innen, die aus der Altersspanne 18 bis 25 Jahren herausfallen, aber weiterhin motiviert sind und über gewisse Kompetenzen in dem Bereich verfügen, bietet sich die Möglichkeit an, in den "dsj-Referent/-innen-Pool Dopingprävention" aufgenommen zu werden. 
Eine weitere Möglichkeit wäre, über die Europäische Anti-Doping Initiative das Netzwerk auszubauen, best practice Beispiele zu sammeln, sich auszutauschen und somit das Thema europaweit zu platzieren.


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