Bewertung des Koalitionsvertrages 2021 – 2025 „Mehr Fortschritt wagen - Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ 

zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN und den Freien Demokraten (FDP) durch die Deutsche Sportjugend
Die Bewertung greift einige ausgewählte, für die Arbeit der dsj besonders relevante Themen aus dem Koalitionsvertrag heraus und ordnet sie vor dem Hintergrund existierender Positionierungen der dsj ein.  
 

Freiwilligendienste stärken und nachfragegerecht ausbauen, aber Umsetzung muss auf Augenhöhe geschehen

Die Deutsche Sportjugend hat in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und anderen Jugendverbänden klare Wünsche für die zukünftige Ausgestaltung der (Jugend-)Freiwilligendienste formuliert. Im Mittelpunkt steht die Umsetzung des sog. „Jugendfreiwilligenjahres“, das einen Rechtsanspruch auf die Förderung von Freiwilligenplätzen, eine deutliche Erhöhung der Bundesförderung sowie mehr Taschengeld und eine verbesserte Anerkennung der Freiwilligen umfasst. Ansätze hierfür finden sich im Koalitionsvertrag. 

dsj begrüßt „nachfragegerechten“ Ausbau der Freiwilligendienste, zu klären bleibt konkrete Ausgestaltung
Die dsj begrüßt die Absicht der neuen Koalition, Freiwilligendienste zu stärken und „nachfragegerecht“ auszubauen. Der nachfragegerechte Ausbau könnte als Rechtsanspruch auf die Förderung abgeschlossener Vereinbarungen umgesetzt werden und damit einer zentralen Forderung der dsj entsprechen. Die angekündigte Erhöhung des Taschengeldes nimmt Forderungen der Freiwilligen aus dem Sport auf, wird sich flächendeckend aber nur mit einer entsprechenden finanziellen Bundesförderung umsetzen lassen. Da derzeit im Freiwilligen Sozialen Jahr keinerlei Taschengeldförderung durch den Bund erfolgt, bleibt es spannend, wie die konkrete Umsetzung angedacht ist. Hier würde eine Änderung föderaler Zuständigkeiten nötig. Um noch mehr jungen Menschen einen Platz anbieten zu können, benötigen die Einsatzstellen und Träger*innen im Sport dringend eine verbesserte finanzielle Unterstützung durch den Bund sowie modernisierte Rahmenbedingungen in den Freiwilligendiensten, damit sie u.a. ein angemessenes Taschengeld sowie die notwendige pädagogische Begleitung sicherstellen können.   

Widersprüchliche Aussagen zu Umsatzsteuerregelungen und Entbürokratisierung 
Der Koalitionsvertrag kündigt an, die Umsatzsteuerregelungen in Bezug auf gemeinnützige Organisationen nicht zu verändern. Damit würde auch die Umsatzsteuerpflicht für die Freiwilligendienste im Sport bestehen bleiben, deren Abschaffung seit Jahren gefordert wird. Dieser Passus des Koalitionsvertrages widerspricht anderen Passagen, die für eine Entbürokratisierung des Zuwendungsrechtes werben und die Abschaffung von bürokratischen Hemmnissen für das Ehrenamt ankündigen. Dies würde von der Deutschen Sportjugend und ihren Mitgliedsorganisationen ebenso begrüßt wie die zugesagte Digitalisierung im Bereich des Zuwendungsrechts. 

Bekenntnis zum Trägerprinzip und zur Gestaltung der politischen Bildung durch die dsj-Mitgliedsorganisationen auch im Bundesfreiwilligendienst fehlt 
Leider fehlt im Koalitionsvertrag ein konkretes Bekenntnis zum Trägerprinzip und zur Gestaltung der politischen Bildung durch die dsj-Mitgliedsorganisationen auch im Bundesfreiwilligendienst. Die Deutsche Sportjugend vermisst zudem die von den Freiwilligen geforderte freie Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr. Diese stärkt die gesellschaftliche Teilhabe der Freiwilligendienstleistenden und kann dazu beitragen, soziale Ungleichheiten zu reduzieren.  

Zivilgesellschaftliches Bildungsengagement und der Einbindung außerschulischer Akteure mehr im Fokus 
Positiv eingeschätzt wird das Bekenntnis zu zivilgesellschaftlichem Bildungsengagement und der Einbindung außerschulischer Akteure. Schon heute unterstützen hunderte von Freiwilligendienstleistenden sportliche Aktivitäten im Ganztag und leisten ihren Beitrag zur Kooperation von Schule und Verein. Auch bei der Umsetzung des angekündigten „Zukunftspakets für Bewegung, Kultur und Gesundheit“, das im Anschluss an das Corona-Aufholpaket Kinder und Jugendliche unterstützen soll, werden Freiwilligendienstleistende aus dem Sport gerne kompetent unterstützen. Konzepte hierzu müssen kooperativ und rechtzeitig gemeinsam mit den Verbänden entwickelt werden, um eine effektive und nachhaltige Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit im Sport zu gewährleisten. Auch die angekündigte Engagementstrategie muss gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt werden – unter Einbeziehung der Deutschen Sportjugend und ihrer Mitgliedsorganisationen. 

Mit Bundesprogrammen Demokratie fördern, gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit vorgehen und damit Stabsstelle Sport einrichten

Eine von möglichst vielen getragene, starke Demokratie ist Garant für den Zusammenhalt im Land. Mit seinen über 90.000 gemeinnützigen, organisierten lokalen und überregionalen Vereinen und Organisationen leistet der Sport seinen maßgeblichen Beitrag.  

Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport auflegen 

Sport wird aber auch antidemokratisch vereinnahmt oder ist Ort von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung. Aus diesem Grund begrüßt die Deutsche Sportjugend ausdrücklich das Vorhaben, ein gesondertes Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport aufzulegen, das eng an die Bedarfe von überwiegend ehrenamtlich getragenen Sportvereinen orientiert ist. Anerkannt werden sollte dabei die bereits geleistete Arbeit beispielsweise bei der aktiven Erinnerungsarbeit in Teilen des Sports und der sozialpädagogischen Fanprojekte oder bei der Entwicklung von Arbeitsmaterialien und Maßnahmen zu „Rechtsextremismus im Sport“. Die dsj bietet sich als kompetente Partnerin an, sowohl in der Weiterentwicklung wie auch bei der Umsetzung des Vorhabens. Das Netzwerk „Sport & Politik für Fairness, Respekt und Menschenwürde“ sollte hier ebenfalls eingebunden werden. 

Stabsstelle „Demokratiestärkung und Politische Bildung im Sport“ auf Bundesebene einrichten 

Um Sportvereine und -verbände stärker im Umgang mit antidemokratischen und menschenfeindlichen Problemstellungen zu unterstützen, braucht der gemeinnützige, organisierte Sport eine gesicherte und dauerhafte Absicherung dieser Aufgabe. Die dsj fordert deshalb die Finanzierung einer Stabsstelle „Demokratiestärkung und Politische Bildung im Sport“ auf Bundesebene im Sport. Eine solche Stelle kann Sportvereine und -verbände adäquat unterstützen, begleiten und ihnen Maßnahmen ermöglichen. Denn Sportvereine sind nicht nur Orte der Bewegung, sondern sind aktiver und starker Teil in den Sozialräumen und der Zivilgesellschaft. 1,7 Millionen ehrenamtliche Engagierte auf Vorstandsebene oder auf Ausführungsebene und 6,3 Millionen als freiwillige Helfer*innen prägen die Basis für Zusammenhalt, gemeinsamem Austausch und lebendige, demokratische Teilhabe auf Grundlage gemeinsamer Werte. Die Kinder- und Jugendarbeit im Sport setzt sich aktiv für eine vorurteilsarme Begegnung von jungen Menschen im Sport ein und tritt jeglicher Art von Hass, Gewalt, Hetze, Diskriminierung und Benachteiligung entgegen. Sportvereinen und -verbänden fehlen allerdings in Teilen bei ihrer demokratiestärkenden Arbeit die professionelle Unterstützung, Begleitung und Vernetzung – eng an den Bedarfen der Sportstrukturen vor Ort. Die „Stabsstelle Demokratiestärkung und Politische Bildung im Sport“ kann zudem die sportspezifischen, antidemokratischen Problemlagen identifizieren und Antwortmöglichkeiten entwickeln. Diesen Bedarf bestätigt der 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (2021). 

Bundesprogramm zur Demokratieförderung stärken 

Die dsj beteiligt sich seit über 10 Jahren am Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“. In elf Sportverbänden sind hierdurch starke Qualifizierungs- und Beratungsstrukturen für eine Demokratiestärkung im Sport gewachsen, die weiter und verstetigt gefördert werden sollen. Aus diesem Grund befürworten wir das geplante Demokratiefördergesetz und eine bessere finanzielle Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung. So kann eine strukturelle und nachhaltige Förderung der entsprechenden Projekte im Sport, die bereits oftmals lang und gut erprobt sind, abgesichert werden. 

Mit einem Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit an das Corona-Aufholpaket anschließen

Als Reaktion auf die starken Einschränkungen, unter denen junge Menschen in den vergangenen Monaten gelitten haben, hat der Bund das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ verabschiedet. Durch die Nutzung und Stärkung bereits vorhandener Strukturen sollten und sollen weiterhin im Jahr 2022 Begegnungs- und Bewegungsangebote (wieder) entstehen, die schnell bei den Kindern, Jugendlichen und Familien ankommen.  

Die dsj beteiligt sich mit einem eigenen Programm am Corona-Aufholpaket. 

Früh wurde aber deutlich, dass „Aufholen nach Corona“ nicht am 31.12.2022 erledigt sein wird. Deshalb hatte die dsj für eine Fortführung besonderer Unterstützung über das Jahr 2022 hinaus geworben und begrüßt nun die angekündigte Anschlussinitiative mit einem „Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit“.  

Die dsj wird die Ausgestaltung des Zukunftspaketes mit den fördernden Behörden in den nächsten Monaten diskutieren und eine Beteiligung prüfen, bei der sichergestellt ist, dass es weiterhin darum gehen wird, dass: 

- Kinder und Jugendliche für Vereinsangebote im Sport (wieder-)gewonnen werden, 
- Kinder und Jugendliche dabei begleitet werden, verlorengegangene Alltagsstrukturen und Erfahrungen zurückzugewinnen, 
- soziales und non-formales Lernen unterstützet wird, 
- Bewegung und gesundes Aufwachsen gefördert wird, 
- Kinder und Jugendlichen wieder einen Zugang zu internationalen Begegnungen im Sport ermöglicht wird. 

Zum aktuellen dsj-Aufholpaket 2021/2022:  
Mit dem dsj-Aufholpaket sollen die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit im Sport gestärkt werden, um niedrigschwellige Angebote für Bewegung, Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche in Deutschland sowie einen Neustart der Internationalen Jugendarbeit zu ermöglichen. Die Wiederaufnahme von Vereinsangeboten wird gezielt unterstützt und so ihre soziale und non-formale Bildungsleistung im Sport wieder angekurbelt.  

Kinder und Jugendliche mit erschwerten Zugangsbedingungen, die unter den Auswirkungen der Pandemie in ganz besonderem Maße leiden und gelitten haben, gilt es dabei besonders in den Blick zu nehmen. Die frühkindliche Bildung und insbesondere die Bewegungsförderung ist außerdem von herausragender Bedeutung für eine gesunde Entwicklung, zumal in dieser Altersklasse die höchsten Mitgliederrückgänge in den Vereinen gemeldet wurden. Zudem sind die internationalen Begegnungen praktisch vollständig zum Erliegen gekommen und es bedarf besonderer Anstrengungen, damit die internationale Austauschzusammenarbeit für Jugendliche wieder möglich wird. 

Mit der Unterstützung der Wiederaufnahme von Vereinsangeboten im Sport und zusätzlichen aktivierenden Maßnahmen wird nicht nur der körperlichen und der internationalen Bewegungslosigkeit ein Ende gesetzt, sondern es werden auch der Umgang miteinander sowie die Gemeinschaft gefördert. Jungen Menschen wird eine ganzheitliche Perspektive geboten, von Bewegung über Beteiligung bis hin zur Bewältigung von Herausforderungen. 

Weitere Information gibt es hier: www.dsj.de/aufholpaket  

Den Kinder- und Jugendplan des Bundes bedarfsgerecht ausstatten

Zentrale Forderung der dsj im Wahljahr 2021 war es, die Jugendsport(strukturen) handlungsfähiger zu machen und dafür eine bedarfsgerechte Stellenfinanzierung der Jugendsportstrukturen und deren Maßnahmen durch den Bund zu gewähren.  

Dass diese Stärkung über die Aussage im Koalitionsvertrag, den Kinder- und Jugendplan bedarfsgerecht auszustatten, nun angekündigt wird, begrüßt die dsj in besonderem Maße.   

Denn es warten viele Aufgaben und die Jugendarbeit der Sportverbände ist seit Jahren unterfinanziert und kann ihr Potential daher nicht ausschöpfen. In den Sportvereinen geht es nicht nur um Bewegungsförderung, sondern auch um die Stärkung von Partizipation und Engagement von jungen Menschen, um politische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Der gemeinnützig organisierte Sport ist wie kaum ein anderer gesellschaftlicher Akteur durch seine Attraktivität, seine soziale und geografisch flächendeckende Reichweite in der Lage, junge Menschen unabhängig von persönlichen, sozialen, finanziellen und kulturellen Ressourcen zu erreichen. Um die Ehrenamtlichen in den Vereinen zu stärken und sie für ihre wichtige Arbeit zu qualifizieren, bedarf es einer handlungsfähigeren Verbandsstruktur. 

Zur Unterstützung der Fankultur die Koordinationsstelle Fanprojekte stärken

Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend (dsj) koordiniert und begleitet die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte ligenübergreifend. Derzeit existieren in Deutschland 71 Fanprojekte. 

Die Arbeit der KOS wird durch finanzielle Mittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und des deutschen Fußballs (DFL und DFB) ermöglicht. Mit vielfältiger Expertise ausgestattet fungiert die KOS als anerkannte Schnittstelle für alle Fragen im Kontext von (Fußball)Fankulturen und ist auch in beratender Funktion für Politik, Verbände, Medien und Sicherheitsorgane tätig.  

Der konzeptionelle Ansatz der Fanprojekte besteht darin, die Potenziale der einzelnen und Jugendlichen und die der Fankultur zu nutzen, um demokratische Werte zu stärken, jeglichen Formen der Diskriminierung entgegenzutreten und gewaltfreie Konfliktlösungen zu fördern. Diese Arbeit hat sich in den vergangen knapp 30 Jahren bewährt und genießt eine hohe Wertschätzung im gesamten Netzwerk. So hat die Arbeit der Fanprojekte dazu beigetragen, dass heute in Deutschland eine gut organisierte und vielfältige Fankultur existiert, die ihre Interessen an einer Verbesserung des Fußballs artikulieren und bundesweit einbringen.  

Vor diesem Hintergrund ist nicht nur das klare Bekenntnis im Koalitionsvertrag zur Arbeit der Fanprojekte und zur Stärkung der Koordinationsstelle sehr zu begrüßen. Besonders hervorzuheben ist, dass damit die Fankultur in ihrer Vielfalt unterstützt werden soll. 

Junge Menschen für das Ehrenamt begeistern und an nationaler Engagementstrategie beteiligen

Die dsj und ihre Mitgliedsorganisationen setzen sich seit Jahren dafür ein, dass sich junge Menschen im Sport freiwillig und ehrenamtlich engagieren können. Ihr Engagement ist dabei so vielfältig, wie die jungen Menschen mit ihren Interessen und Bedürfnissen selbst. Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und demokratische Partizipation sind daher grundlegende Prinzipien in den Maßnahmen.  

Mit jungen Menschen kann das Ehrenamt nachwachsen. Wenn junge Menschen ihren Verein oder Verband mitgestalten, werden Veränderungen angestoßen, wird Neues gewagt und werden nachhaltige Entwicklungen angeregt. Damit das gelingt, müssen Engagementformate jugendgerecht und flexibel sein. Sie sollten sich mit den verändernden, gesellschaftlichen Bedingungen weiterentwickeln und an den Bedürfnissen aller jungen Menschen orientieren. 2018 konnten finanzielle Mittel über den Kinder- und Jugendplan des Bundes zur gezielten Förderung von jungem Engagement erfolgreich verstetigt werden. Seitdem setzen die dsj und ihre Mitgliedsorganisationen für und gemeinsam mit jungen Menschen bundeszentrale Impulsprojekte um, mit denen sie auf gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen reagieren, und damit die Rahmenbedingungen für junges Engagement optimieren und stärken.  

Deshalb begrüßt die dsj im Besonderen, dass der Koalitionsvertrag auch gezielt junge Menschen für das Ehrenamt begeistern will und gemeinsam mit der Zivilgesellschaft eine neue nationale Engagementstrategie erarbeiten möchte. Wir fordern in diesem Prozess die Partizipation von jungen Menschen, damit sie ihre Ideen, Interessen und Bedürfnisse einbringen können. Es geht nicht allein um Entbürokratisierung, sondern auch um die Vereinbarkeit mit Schule, Ausbildung oder Beruf und Wertschätzung, auch durch angemessene monetäre Kompensationen. Nur so können langfristig engagementfreundliche Strukturen und Kulturen für alle jungen Menschen geschaffen werden. 

Im Kontext der Ganztagsschule u.a. Sport- und Bewegungsangebote unterstützen, fördern und stärken

„Bildung braucht Bewegung! Kein Verzicht auf Bewegung und Sport in der Schule. Gesundes Aufwachsen ist ohne Bewegungsfreude nicht denkbar.“ Dies gilt nicht nur während einer Pandemie. 

Dass nun der Koalitionsvertrag ausdrücklich die Bedeutung von Sport- und Bewegungsangeboten im schulischen Kontext hervorhebt, begrüßt die dsj. Sie appelliert dringend an Bund und Länder sowie an alle in Schulen Verantwortlichen einen echten Wandel hin zu einem bewegten Schulalltag mit der notwendigen und unverzichtbaren Bewegungsförderung aller Kinder und Jugendlichen zu unterstützen. 

Die zukünftige Bundesregierung will – so steht es im Koalitionsvertrag – für die Qualität in schulischen Ganztagsangeboten, Programme wie „Kultur macht stark“, den MINT-Aktionsplan – insb. für Mädchen –, Sprachförderung und herkunftssprachliche Angebote, „Haus der Kleinen Forscher“, Mentoring und Patenschaften, Begabtenförderung sowie Sport- und Bewegungsangebote unterstützen, fördern oder stärken. Explizit formuliert wird auch der Anspruch, dass zivilgesellschaftliches Bildungsengagement und die Einbindung außerschulischer Akteure an Schule unterstützt werden soll. Das ist für in Schulen engagierte Sportvereine eine wichtige Aussage und Grundlage. 

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, nach gangbaren Wegen zu suchen, um einen bewegten Schulalltag unter Einbeziehung des Unterrichtsfachs Sport und des Schulsports zu ermöglichen. Hierfür bieten sie ausdrücklich ihre Kooperation an. 

Die Angebote der Jugendhilfe bei der Digitalisierung unterstützen

Für die Deutsche Sportjugend und ihre Mitgliedsorganisationen ist Digitalisierung ein wertvolles Instrument, um den Kinder- und Jugendsport und die Kinder- und Jugendarbeit im Sport nachhaltig, attraktiv und kreativ weiterzuentwickeln. Für die Jugendorganisationen im Sport stehen die analoge und die digitale Welt nicht in einer Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich, wenn sie sinnvoll und zielgerichtet gestaltet werden. Damit unterstützen digitale Angebote und Formate idealerweise das große Ziel, alle Kinder und Jugendliche verstärkt in Bewegung zu bringen, Teilhabe zu fördern und damit zu einem gesunden Aufwachsen und der Persönlichkeitsentwicklung beizutragen. 

Die dsj begrüßt daher die Pläne der zukünftigen Bundesregierung neben einem Digitalpaket Schule auch die Unterstützung des Bereiches Kinder- und Jugendhilfe anzugehen. Denn Informations- und Kommunikationstechnologien haben längst kindliche – jugendliche ohnehin – Lebensbereiche durchdrungen. Deshalb ist es erforderlich, auch die fachliche Qualität der Kinder- und Jugendhilfe unter den Bedingungen einer digitalen Transformation des Alltags von Kindern, Jugendlichen und Familien zu sichern und auszubauen, das erklärte auch das  Bundesjugendkuratorium mit seiner Forderung nach einem Digitalpakt Kinder- und Jugendhilfe. Auch die dsj formulierte zusammen mit dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB),  der Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit (BAG OKJE), der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR), der IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. (IJAB) und dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit Forderung für die Entwicklung und Umsetzung eines Digitalpaktes Kinder- und Jugendarbeit

Safe Sport: zum Schutz vor jeglicher Gewalt unabhängige Stellen und Verbandsarbeit parallel stärken

Nach vielen Jahren intensiven Engagements im Themenfeld Schutz vor (sexualisierter) Gewalt, durch die Deutsche Sportjugend (dsj), aber auch durch viele Mitgliedsorganisationen, ist die Debatte um die besten Wege zu einem sicheren und gewaltfreien Sport auf allen politischen Ebenen und vielen Fachressorts angekommen. Die dsj hat sich jahrelang für eine echte Unterstützung durch die Politik stark gemacht und dies in zahlreichen Positionierungen und Stellungnahmen hinterlegt.   

Die dsj begrüßt es daher sehr, dass der Koalitionsvertrag nun explizit die Stärkung von Prävention, Kinderschutz, und Schutz vor Gewalt im Sport sowie der aktiven Förderung der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an vielen verschiedenen Stellen vorsieht. Hieran können und müssen sich die Regierungsparteien nun messen lassen. 

Der im Vertrag formulierte Aufbau eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport kann wichtige Impulse geben. Zum Beispiel wäre eine unabhängige Ansprechstelle für Betroffene aus dem Sport eine wichtige Ergänzung zu den bereits existierenden Strukturen von Anlaufstellen in unseren Mitgliedsorganisationen. Die dsj unterstützt, dass dazu bereits im Sommer 2021 eine Machbarkeitsstudie „Einrichtung für sicheren und gewaltfreien Sport“ vom BMI in Auftrag gegeben wurde. Ergebnisse werden für Mitte Dezember 2021 erwartet. Aufbauend auf den Ergebnissen braucht es einen breit angelegten Dialog mit und zwischen den Mitgliedsorganisationen, Athleten Deutschland e.V. sowie weiteren Stakeholdern. Die dsj kann sich die Initiierung eines solchen Dialogs vorstellen.  

Auf dem Weg zur besten Lösung für den Schutz von Sportler*innen vor jeglicher Gewalt werden sich dsj und DOSB auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse mit gebotener Offenheit weiterhin einsetzen. Daher stehen sie selbstverständlich für den Dialog mit der neuen Bundesregierung bereit, um aus Sicht der Praxis des gemeinnützigen, organisierten Sports zu einem besseren Schutz vor interpersonaler Gewalt beizutragen. Denn klar ist, wir brauchen auch direkt für die Sportverbände und -vereine eine Stärkung und Ermächtigung, damit sie ihre bestehenden Aktivitäten im Schutz vor Gewalt weiterführen und ausbauen können.  

Aktuell arbeitet die dsj im gemeinsamen Projekt „Aufarbeitung von sexualisierter Belästigung und Gewalt in Sportverbänden und -vereinen“ in einem Dialogprozess zusammen mit wichtigen Stakeholdern an Leitlinien zur Aufarbeitung für Sportverbände- und -vereine, die 2022 veröffentlicht werden sollen.  

Inwiefern „Aufarbeitung“ in einer bundeszentralen Einrichtung stattfinden kann, welche Strukturen dafür aufgebaut werden müssen, wird hoffentlich die o.g. Machbarkeitsstudie aufzeigen. 

Dass Aufarbeitung sexualisierter Belästigung und Gewalt – insbesondere gegen Kinder und Jugendliche – ein gesamtgesellschaftliches Thema ist, darf hierbei nicht aus den Augen verloren werden. So ist es auch im Koalitionsvertrag hinterlegt. 

Europäische und internationale Jugendarbeit stärken.

Internationale Jugendarbeit im Sport ist ein wichtiges Handlungsfeld der dsj. Bei der internationalen Jugendarbeit profitieren die Akteure besonders von zwei Aspekten: der Universalität von Spaß an Spiel und Bewegung und der Niedrigschwelligkeit des Sports. Erste Kontakte zwischen Kindern und Jugendlichen in internationalen Begegnungen sind auch ohne den Einsatz von Sprache schnell hergestellt. Für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe im Sport bietet der internationale Austausch die Möglichkeit, sich mit Expert*innen anderer Länder auszutauschen und zu vernetzen, deren Arbeitsansätze kennenzulernen und dabei auch die eigene Arbeit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die Deutsche Sportjugend ist im Feld der Internationalen Jugendarbeit auf verschiedenen Ebenen für ihre Mitgliedsorganisationen aktiv. Neben den Bereichen Beratung und Qualifizierung unterhält sie direkte Kooperationen mit Partnerorganisationen verschiedenster Länder. Sie fungiert außerdem als sog. Zentralstelle für die Weiterleitung von Fördermitteln des Bundes an Vereine und Verbände.  

Daher begrüßt die dsj jede Stärkung des Arbeitsfeldes und damit das im Koalitionsvertrag angekündigt Vorhaben, die europäische und internationale Jugendarbeit stärken.   

dsj begrüßt Fortführung bestehender Jugendwerke und Gründung eines Deutsch-Israelischen, zusätzliche verkomplizieren aber Förderlandschaft   
Auch kündigt die zukünftige Bundesregierung an, die Arbeit, auch der im Aufbau befindlichen Jugendwerke, fortzusetzen. Die damit verbundene Stärkung bilateraler Beziehungen begrüßt die dsj. Gleichzeitig weist sie jedoch darauf hin, dass es neben bilateralen Jugendwerken auch andere Förderformate gibt, die die internationale Jugendarbeit stärken. Ob ein Jugendwerk die richtige Förderstruktur ist, muss im Einzelfall gründlich abgewogen werden. Hinzu kommt, dass durch jedes zusätzliche Jugendwerk die Förderlandschaft verkompliziert wird. Die dsj begrüßt allerdings, neben der Fortführung bereits bestehender Jugendwerke, die Absicht der Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks.   

Kinder- und Jugendplan des Bundes bedarfsgerecht ausstatten und zwar auch in der internationalen Jugendarbeit  
In der Zusammenarbeit mit anderen Ländern sieht sie hier jedoch keinen Bedarf zusätzlicher Strukturen. Wichtiger ist es, bestehende Formate zu stärken. Dazu gehört die Förderlinie zur Internationalen Jugendarbeit im Kinder- und Jugendplan des Bundes, der laut Koalitionsvertrag bedarfsgerecht ausgebaut werden soll. Bei diesem Ausbau gilt es, auch die Internationale Jugendarbeit entsprechend zu berücksichtigen, da das Fördervolumen in der internationalen Jugendarbeit in den Jahren vor Corona stets unzureichend war. Dies ist auch ohne die Schaffung zusätzlicher Strukturen, wie Jugendwerke möglich. Die Fördermittel kommen zudem direkt bei den durchführenden Organisationen an, anstatt in der Finanzierung zusätzlicher Verwaltungsstruktur.   


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