„Sportvereine sind Orte der Demokratie!“

07.06.2018

Fachkonferenz „Radikalisierungsprävention im Sport“

Was ist eigentlich Radikalisierung? Und was bedeutet Prävention? Dies waren die ersten Fragestellungen, mit denen sich die rund 70 Teilnehmenden in einer  Fachkonferenz auf Einladung der dsj auseinandergesetzt haben. Moderiert vom ARGO-Team haben sich Expert/innen und Praktiker/innen aus Sportvereinen und –verbänden, wissenschaftlichen Einrichtungen, aber auch aus der Politikdidaktik und aus Einrichtungen zur Demokratiestärkung mit der Idee einer Fachstelle zur „Radikalisierungsprävention im Sport“ beschäftigt. . Es ging um die Frage, wie dieser  viel diskutierte Handlungsansatz  im Kontext von Sportvereinen, Sportszenen  und dem Sport als Medium umgesetzt werden kann. Vor dem Hintergrund der Rolle der Sportvereine für den sozialen Zusammenhalt wurden über mögliche Unterstützungssysteme im organisierten Sport diskutiert  und schließlich Empfehlungen für den Aufbau einer möglichen neuen Fachstelle dazu abgegeben. Die Diskussion hat das zugrundeliegende Anliegen bestätigt und gleichzeitig aber auch wichtige Hinweise für die Überarbeitung, Weiterentwicklung und Neufokussierung des Vorhabens gegeben.

Die Diskussionen wurden von den Teilnehmenden der Fachkonferenz immer wieder in Statements gebündelt,  unter anderem:
  • „Prävention ≠ Jugendarbeit“
  • „Sport bietet eine Erfahrungswelt“
  • „Radikalisierung ist ein Prozess“
  • „‘Radikalisierungsprävention‘ ist als Begriff nicht hilfreich“
  •  „Wir haben damals mit radikalen Gedanken die Republik verändert“
  • „Sportvereine sind im Grunde sehr demokratische Organisationen“
  • „Jugendliche finden Gestaltungsmöglichkeiten vor“
  • „Leistungskultur vs. Anerkennungskultur“
  • „Missverständnis: parteipolitische Neutralität vs. politische Positionierung“
  • „Trainer/in als Bezugsperson und Chance“.

Im Ergebnis wurde von den Teilnehmenden  eine Vielzahl an Überlegungen, Anregungen Feststellungen und Perspektiven zusammen getragen.  In den Diskussionen wurde auch Wert darauf gelegt, dass eine systematische  Unterstützung und Förderung des demokratischen Zusammenlebens  an den Interessen der Sportvereine ansetzen muss, um Wirkung zu entfalten und die Sportvereine dafür zu gewinnen, antidemokratischen und extremistischen Entwicklungen etwas entgegen zu setzen. Sie wiesen darauf hin, dass dafür eine Fachstelle hilfreich sein kann, sie aber nicht ohne abgestimmte Aktionen und Initiativen auskommen wird, die aus dem unmittelbaren Interesse der Sportvereine heraus entwickelt werden müssen.

Benny Folkmann, 2. Vorsitzender der dsj, dankte den Teilnehmenden für ihr Engagement und ihre Bereitschaft, ihr Wissen und ihre Kompetenzen mit der dsj zu teilen. "Sie tragen erheblich dazu bei", würdigte er den intensiven Austausch, „die fachlichen Grundlagen unserer Arbeit fundiert zu verbessern. Wir nehmen das als Auftrag und werden uns intensiv bemühen, die demokratischen Potenziale des Sports zu stärken und damit auch wichtige Impulse für den gesellschaftlichen Zusammenhalt über den gemeinnützigen Sport hinaus zu setzen." Die Empfehlungen und Hinweise zum Vorhaben, eine Fachstelle im Handlungsfeld für den Sport aufzubauen, werden nun ausgewertet und die Konzeption einfließen.


Intensive Diskussionen bei der Fachkonferenz "Radikalisierungsprävention im Sport" / Foto: dsj

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