Bildungsangebote zu Antisemitismus und Diskriminierung im Fußball

16.12.2021

Gedenkstätte Bergen-Belsen führt gemeinsam mit Netzwerkpartner*innen Präventionsarbeit im Sport durch

Auf einem Netzwerktreffen zu Erinnerungsarbeit im Fußball kamen am 1. Dezember 2021 über 80 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet online zusammen, um sich über ihre Erfahrungen in dem Feld auszutauschen. Erinnerungsprojekte gehören für immer mehr Fan-Initiativen, Fanprojekte und Fußballvereine zur Präventionsarbeit gegen Antisemitismus dazu. Gleichzeitig gibt es noch viele Standorte, die noch nicht in dem Themenfeld aktiv sind oder mit der Bildungsarbeit erst am Anfang stehen. Das Ziel der Veranstaltung war daher neben dem Erfahrungsaustausch die Vernetzung der Aktiven und Interessierten sowie die Erhebung von Bedarfen im Feld. Zusätzlich wurden eine von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme erstellte Online-Übersicht der Erinnerungsprojekte bundesweit sowie die im November von den Arolsen Archives veröffentlichten Bildungsmaterialien „Fußballer im Fokus“ vorgestellt.

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen ist Teil des Organisationsteams des Online-Vernetzungstreffens, dem auch die Deutsche Sportjugend (dsj), die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS), die Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW (LAG), und einzelne Wissenschaftler*innen angehören. Den Wünschen der Teilnehmenden der Veranstaltung nach weiterer Vernetzung und thematischer Vertiefung soll im Jahr 2022 mit einem weiteren Treffen nachgekommen werden.

An dieses Engagement gegen Antisemitismus und Diskriminierung im Fußball knüpft die Gedenkstätte Bergen-Belsen mit ihrem Projekt „Wer gegen wen? Gewalt, Ausgrenzung und das Stereotyp ‚Jude‘ im Fußball“ seit Anfang des Jahres an. Nach der Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen zum Vorgehen gegen Antisemitismus im Fußball, wurden in der Projektphase im Jahr 2021 von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gedenkstätte Raimund Lazar in Zusammenarbeit mit Netzwerkpartner*innen im niedersächsischen Fußball historisch-politische Bildungsangebote zur Prävention von Antisemitismus für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt und durchgeführt. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ mit Mitteln des BMFSFJ durch das Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen (L-DZ) und aus Mitteln des Niedersächsischen Justizministeriums durch das Landesprogramm für Demokratie und Menschenrechte sowie der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten gefördert.

„In den Workshops und Studientagen werden sowohl historische als auch gegenwärtige Formen von Antisemitismus und Diskriminierung im Sport in den Blick genommen. Häufig auch mit der Frage verbunden, welche Rolle die Orte und Vereine gespielt haben bzw. spielen, mit denen sich die Teilnehmenden der Bildungsangebote identifizieren. Dadurch werden Bezüge zu den Interessen und Lebenswelten der Teilnehmenden hergestellt, welche für Bildungsprozesse wichtig sind“, so Elke Gryglewski, Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Zu den Kooperationspartner*innen in der Pilotphase 2021 gehörten der AK 96-Fans gegen Rassismus, das Fanprojekt Hannover, das Fußballmuseum Springe, Hannover 96, Inter Celle, der MTV Eintracht Celle, die Per Mertesacker Stiftung, der SV Arminia Hannover und der VfL Wolfsburg. Diese Zusammenarbeit soll in Zukunft weitergeführt und ausgebaut werden. Zusätzlich wird es darum gehen weitere Kooperationen mit Verbänden, Vereinen, Initiativen und Einrichtungen einzugehen, um Bildungsangebote weiterzuentwickeln und möglichst viele Zielgruppen zu erreichen.

„Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Antisemitismus und der Stärkung demokratischer Kräfte im Fußball. Wir sehen das Potenzial mit den Bildungsangeboten die Vielfalt der Menschen im Sport insgesamt und derjenigen, die sich für das Thema interessieren zu sensibilisieren und so das Engagement gegen Antisemitismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft zu fördern“, betont der Niedersächsische Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens Dr. Franz Rainer Enste.   

Die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus im Sport wird in Zukunft ein fester Bestandteil des Bildungsangebots der Gedenkstätte Bergen-Belsen sein. Die Gedenkstätte will mit diesem Bildungsangebot Engagierte weiter fördern und interessierten Gruppen einen Rahmen für ihr Engagement bieten. Das Netzwerk gegen Antisemitismus und Diskriminierung im Sport soll durch praxisnahe Bildungsformate, Fortbildungsangebote und weiterer Netzwerkarbeit in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt werden.

Quelle: Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten



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