Der Beitrag des Sports zur Bildungsgerechtigkeit

12.12.2019

„Tag der Bildung“ am 8. Dezember: Mehr Aufmerksamkeit für Bildungsprozesse außerhalb der Schule und die wichtige Rolle des Sports

Den 8. Dezember haben der Stifterverband, die SOS-Kinderdörfer weltweit und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung als Tag der Bildung ausgerufen. Ein Anlass, um gemeinsam mit (Zivil-) Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft darüber zu diskutieren, wie und wo Zugänge und gleiche Chancen für Kinder und Jugendliche zu Bildung und Lernen eröffnet werden können. Kinder mit Eltern mit akademischem Hintergrund, aus stabilen finanziellen und familiären Verhältnissen sowie positiven Peergroups haben nach wie vor einen leichteren Zugang zu Bildung. Die soziale Herkunft spielt nach wie vor eine essenzielle Rolle, unabhängig von Talenten und Potenzialen. Solange wir aber nur die Schule in die Verantwortung und Pflicht nehmen, alle Ungerechtigkeiten auszuhebeln und Lösungen zu finden, werden wir wenig Erfolg haben, Kindern und Jugendlichen die gleichen Teilhabechancen zu eröffnen. Häufig wird vergessen, wo darüber hinaus gelernt wird und in welchem Umfang informelle Lerngelegenheiten unsere Biografie prägen können. Es ist nicht nur die Schule, die uns fördert und bildet. Es sind Eltern, Verwandte und Familienangehörige, Freund*innen, Nachbar*innen, Lehrer*innen genauso wie Gruppenleiter*innen in Kursen der VHS, des Pfadfinder*innenvereins oder vor allem auch die Trainer*innen und Übungsleiter*innen im Sportverein.  

Dort bewegen sich Kinder und Jugendliche voller Freude, Motivation und Leidenschaft und erwerben Kompetenzen und Fähigkeiten auf freiwilliger Basis, was im schulischen Lernen eher bedingt passiert. Über motorische Fähigkeiten wie springen, schwimmen oder werfen hinaus, lernen Kinder in Sportvereinen noch viel mehr. Sehen Eltern die Potenziale von Bewegung und Sportvereinen, begleiten sie ihre Kinder sehr früh in ein Eltern-Kind-Turnen oder einen Baby-Schwimmkurs. Tun sie das nicht, sehen Eltern den positiven Einfluss des Sports auf die Entwicklung ihres Kindes nicht, wodurch vielen Kindern dieser Zugang verwehrt bleibt. Ebenso verhält es sich, wenn Eltern die Gebühren für die Vereinsmitgliedschaft nicht zahlen können, selbst nicht sportlich aktiv sind oder aus anderen Gründen keinen Bezug zum Vereinssport finden. 

Dabei verfügt ein Sportverein über sehr viele Bildungspotenziale. Im Vordergrund stehen Bewegung, Spiel und Spaß sowie die Entwicklung motorischer Kompetenzen. Doch was lernen Kinder noch? Sie lernen, gemeinsam mit anderen Sport zu treiben und sie erfahren, dass dafür ein hohes Maß an Selbstorganisation erforderlich ist. Sie lernen Disziplin und die Geduld, als Team zu agieren. Sie bekommen Regeln und Werte vermittelt, die im Verein durch die Trainer*innen und Übungsleiter*innen vorgelebt werden. Sie erfahren, besser zu werden, Erfolge zu haben, Leistung zu erbringen, aber auch Schwächen und Grenzen sowie Niederlagen zu akzeptieren. Sie lernen einen respektvollen Umgang mit sich, mit Trainer*innen, Mitspieler*innen und Gegner*innen. Bildung im Sport ist ganzheitlich. Körper und Geist werden gleichermaßen gefordert. Über die Bildung im Sport lernen Kinder und Jugendliche gesund zu leben und sich gesund zu ernähren. 

Aus diesen Erkenntnissen leitet die Deutsche Sportjugend (dsj) klare Forderungen ab. Bildungspolitisch ist der Vereinssport noch viel stärker in den Fokus zu rücken, „die Bildungsschätze im Sport sollten

gehoben und genutzt werden“, sagt dsj-Vorstandsmitglied Tobias Dollase. Allen Kindern und Jugendlichen muss der Zugang zu Bewegung, Spiel und Sport im Sportverein ermöglicht werden. Genau hier erhöhen sich ihre Chancen, Teilhabe zu erleben, sich freiwillig und ehrenamtlich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und über und durch den Sport zu lernen. Wir sollten also nicht mehr diskutieren, ob Bildung im Sport stattfindet, sondern wie wir allen Kindern und Jugendlichen diese Erfahrungen ermöglichen können. Dies wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit. 



Zur News-Übersicht