Deutsche Sportjugend schult Juniorbotschafter für Dopingprävention

24.05.2016

Seminar in Mannheim

Möglicherweise Staatsdoping in Russland, dopingkontaminierte Läuferszenen in Kenia und Äthiopien, positive Ergebnisse bei Nachuntersuchungen von Dopingproben der Olympischen Spiele 2008 und 2012, unendliche Geschichte der Dopingaufklärung in Freiburg: Seit vielen Jahren arbeitet die Deutsche Sportjugend (dsj) daran, mit ihren Möglichkeiten solchen Trends entgegenzusteuern.
Dazu gehören beispielsweise die Produktion von Dopingpräventions-Arbeitsmaterialien (Broschüren, Flyer) wie auch die Durchführung großer europäischer Projekte wie 2011/2012 mit Teilnehmern/innen aus zehn Ländern. „Aber schon die für Dopingprävention in Deutschland bereitgestellten finanziellen Mittel sind im Vergleich mit anderen Ländern wie Frankreich oder im Verhältnis zu den für den Spitzensport aufgewendeten Mitteln sehr gering“, heißt es in einer Mitteilung der dsj.
Fester Bestandteil der dsj-Strategie sind die seit 2010 durchgeführten Dopingpräventions-Seminare, in denen junge Sportlerinnen und Sportler im Sinne eines Peer-Education-Ansatzes zu Juniorbotschaftern/innen der dsj für Dopingprävention qualifiziert werden. Bei diesen Seminaren gehe es primär um die Entwicklung von Problembewusstsein sowie die Vermittlung von Kompetenzen zu Fragen der Dopingprävention, erklärt die dsj. Darüber hinaus würden die Juniorbotschafter/innen motiviert, „eigene Veranstaltungen zu initiieren sowie Gleichaltrige und Jüngere für das Thema Dopingprävention zu begeistern“.
Mit dieser Zielrichtung trafen sich am Pfingstwochenende 27 engagierte junge Menschen aus ganz Deutschland und aus verschiedensten Sportverbänden zu einer dreitägigen Veranstaltung in Mannheim. Wie schon bei vergangenen Seminaren waren z.B. die Sportarten Judo und Basketball stark vertreten. Des Weiteren vertraten die Teilnehmenden die Sportarten Fechten, Handball, Rudern, Tanzsport, Tischtennis, die Deutsche Behindertensportjugend und einige Landessportjugenden.
Veranstaltungsteile wie „Soll man aus dem Wunsch nach nationalen Erfolgen alles machen, was (noch) nicht verboten ist oder was noch nicht nachgewiesen werden kann?“ oder Diskussionen zur Frage der Freigabe von Doping wurden ergänzt durch eine Einführung in einen Ansatz zur Förderung mentaler Stärke: Dabei gehe es darum, Sporttreibende so stark zu machen, dass sie ihre eigenen Stärken erkennen und in Situationen der Versuchung Nein sagen können, heißt es. Beispielsweise, wenn die Frage aufkomme: „Soll ich vor und während eines Marathonlaufs Schmerztabletten verwenden, um wettkampfbedingten Schmerzen aus dem Weg zu gehen?“ Oder: „Soll ich mich dopen, um Medaillen zu gewinnen und vor der Öffentlichkeit glänzend da-zustehen?“
Zudem wurde die neue Internetseite des Projektes www.dsj.de/juniorbotschafter präsentiert. Hier stellen die Juniorbotschafter/innen für Dopingprävention u.a. sich und ihre Projekte vor. Herz-stück ist eine interne Plattform, über die die Juniorbotschafter sich auch außerhalb der Seminare austauschen und z.B. Konzepte vorstellen und diskutieren können.
Von der Seminarsituation in die Praxis: Hierfür bot sich wie schon im Vorjahr in Mannheim eine ideale Situation, denn am gleichen Wochenende fand der Mannheim-Marathon statt. Dort führen seit drei Jahren die Juniorbotschafterinnen Helen Diederich und Lea Saur eine Aktion durch, mit der sie Angehörigen der Universität und des Klinikums Mannheim zur problembewussten Wettkampfvorbereitung (inklusive Themen wie Doping und Medikamentenmissbrauch, gesunde Ernährung usw.) und Wettkampfteilnahme motivieren. Dafür konnten sie wieder rund 400 Teilnehmer/innen begeistern. Die Seminarteilnehmer/innen wurden mit selbstgebastelten großen Medikamentenschachteln mit der Aufschrift „Wir laufen ohne – und ihr?“ ausgestattet, sie verteilten an der Strecke Flyer zum Thema „Doping und Medikamentenmissbrauch“ und suchten die Diskussion mit Zuschauern sowie Läufern/innen vor und nach dem Wettkampf.
„Insgesamt war es ein höchst spannendes Wochenende mit vielen neuen Erfahrungen und neu geschlossenen Freundschaften im Sinne der Netzwerkbildung“, heißt es in der dsj-Mitteilung. Damit verbunden sei die Hoffnung, dass sich als Ergebnis wie bei den vergangenen Seminaren (seit 2010) daraus vielfältige Aktivitäten entwickelten, mit denen von der Basis her Impulse für einen sauberen Sport gegeben würden.
Angesichts der aktuellen Herausforderungen in diesem Themenfeld bleibe die Hoffnung, dass sich aus dem Engagement der Juniorbotschafter/innen mehr entwickeln könne, sagte der dsj-Vorsitzende Ingo Weiss. „Immerhin wachsen die jungen Leute in ehrenamtliche Aktivitäten in ihren Vereinen und Verbänden hinein und können dort für wachsendes Problembewusstsein sorgen.“ Beispiele von Aktivitäten von Juniorbotschaftern/innen der Jahre 2010 bis 2015 zeigten, dass diese Hoffnung nicht unbegründet und der eingeschlagene Weg der dsj im Bereich Dopingprävention ein vielversprechender Weg sei.

Weitere Informationen finden sich online unter www.dsj.de/juniorbotschafter.


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