Digitale Vollversammlung der Deutschen Sportjugend 2020

26.10.2020

Bericht des Vorstands der Deutschen Sportjugend

Jan Holze, der aufgrund seiner beruflichen Neuausrichtung nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden angetreten war,  dankte in seiner Rede zum Bericht des Vorstandes der Deutschen Sportjugend allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Wegbegleiter*innen seiner Amtszeit, die das Engagement für Kinder- und Jugendliche im Sport unterstützen. „70 Jahre ist die Deutsche Sportjugend dieses Jahr alt. Sie tritt ein für einen kinder- und jugendorientierten und gesunden Sport sowie den verantwortungsbewussten Umgang miteinander, national und international." 


In seinem mündlichen Bericht, in dem es um die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr ging, kam er vor allem auf Corona und die massiven Auswirkungen und Einschränkungen auf den Sport, insbesondere im Bereich der Kinder und Jugendlichen, zu sprechen. Gleichzeitig rief er zum Durchhalten auf und hob dabei den Impuls für die Digitalisierung positiv hervor. 
„Wir gehen in diesem Feld mit gutem Beispiel voran und schaffen Möglichkeiten, um neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren und zu etablieren. Das soll und wird Präsenzveranstaltungen, Treffen oder den persönlichen Austausch nicht ersetzen, doch es kann ihn positiv unterstützen.“ Außerdem lobte er in diesem Zusammenhang den in der vergangenen Woche stattgefundenen dsj-campus., der als digitale Konferenzwoche durchgeführt wurde. In insgesamt 15 digitalen Workshops bot die dsj eine Vielfalt an Themen und Formaten für die Mitgliedsorganisationen, alle jungen Engagierten und Interessierten an.  Die Ergebnisse der Workshops wurden festgehalten und werden auch in die zukünftige Arbeit der dsj einfließen.


„Wir müssen weiterhin an einer Kultur des Hinsehens und der Aufmerksamkeit im Sport arbeiten!“

Weiterführend würdigte Jan Holze die im Themenfeld Prävention sexualisierter Gewalt geleistete Arbeit der vergangenen Jahre. Die Tatsache, dass die DOSB-Mitgliederversammlung im letzten Jahr den Beschluss gefasst habe, zu prüfen, inwieweit die Qualitätsstandards und Mindestanforderungen des dsj-Stufenmodells auch auf die DOSB-Mitgliedsorganisationen übertragen werden könne, zeige, welche wertvolle Vorarbeit die dsj hier geleistet habe. „Wir dürfen uns jedoch nicht ausruhen. Wir müssen weiterhin an einer Kultur des Hinsehens und der Aufmerksamkeit im Sport arbeiten.“ 
Dazu habe auch das Öffentliche Hearing der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs beigetragen, was dsj und DOSB von Anfang an unterstützt hatten, wie er hervorhob.

In Bezug, auf den für die dsj wichtigen Bereich der Freiwilligendienste betonte Holze, dass die Einführung eines allgemeinen Pflichtdienstes nicht mit der Einstellung der dsj vereinbar sei. Wie der Name schon sage, handele es sich um einen Freiwilligendienst. Statt die Idee zu verfolgen, dass junge Menschen nach Ende ihrer Schulzeit einen verpflichtenden Dienst für die Gesellschaft leisten sollen, müssten die Freiwilligendienste gestärkt werden. „Unsere zentrale Aufgabe bleibt es, die Zukunft der Freiwilligendienste im Sport durch angemessene finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen zu sichern und einen bedarfsgerechten Ausbau zu ermöglichen.“

Schließlich wies er auf die besonderen Herausforderungen im Bereich der internationalen Jugendarbeit während der Corona-Pandemie hin. Viele Maßnahmen, wie auch das Olympische Jugendlager der dsj, hätten in diesem Jahr nicht stattfinden können. Er appellierte an alle Mitgliedsorganisationen und ihre Untergliederungen, sich dafür einzusetzen, bestehende internationale Partnerschaften auch weiterhin am Leben zu halten. Dabei unterstütze die Deutsche Sportjugend gerne, auch bei der Entwicklung geeigneter digitaler Formate für diesen Bereich.

„Die Jugend ist verantwortlich für das, was in der Zukunft in Deutschland sein wird.“ 

Der 2. Vorsitzende der dsj, Benny Folkmann, ergänzte den Bericht des Vorstands und legte seinen Schwerpunkt auf die angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung zunehmende Bedeutung einer klaren Haltung des Sports gegen Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und antidemokratische Bewegungen. In diesem Zusammenhang hob er die gemeinsame Positionierung von dsj und DOSB für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft hervor, in der sich beide Organisationen gemeinsam gegen antidemokratische und menschenverachtende Haltungen und Handlungen stellen. Die Positionierung war im August veröffentlicht worden. „Die Botschaft ist sehr deutlich: der gemeinnützige, organisierte Sport lässt sich nicht spalten, sondern wird seine Werte gemeinsam und mit ganzer Kraft verteidigen.“ Folkmann berichtete über durchweg positive und die Position unterstützende Rückmeldungen aus den Strukturen des Sports. Die teils aber auch heftige Kritik an der Positionierung zeige, dass man offenbar einen Nerv getroffen habe. Im Rahmen des dsj-campus habe es mehrere Angebote zu diesem Thema gegeben, deren Ergebnisse in das zur Positionierung gehörende Maßnahmenpaket einfließen werden, mit dem konkrete Unterstützungsangebote für die Strukturen des Sports geschaffen werden.  Er endete mit einem eindringlichen Zitat des Holocaust-Überlebenden Zvi Cohen (Jahrgang 1931), der als Zeitzeuge beim dsj-campus mitgewirkt hatte: „Ich sehe in meiner Erzählung die Kraft und die Möglichkeit, zu verhindern. Ich habe zwei Zielpunkte, wenn ich meine Geschichte erzähle: Kopf und Herz. Wenn es diese beide Punkte bei den Zuhörern trifft, dann wird es nicht wieder in Deutschland geschehen. Die Jugend ist verantwortlich für das, was in der Zukunft in Deutschland sein wird. Nur die Jugend ist im Stande, es zu verhindern, dass so etwas wieder passiert.“ 
 



Zur News-Übersicht