Dritter Sportethischer Fachtag der EKD „Sport und Gewalt“

17.03.2021

Expert*innen zeigen auf, wie vielfältig die Dimensionen von Gewalt sind

Der dritte sportethische Fachtag der Evangelischen Akademie widmete sich am 10. März 2021 dem Themenkomplex „Sport und Gewalt“ und zeigte durch die Redebeiträge der vortragenden Expert*innen exemplarisch auf, wie vielfältig die Dimensionen von Gewalt sind. Es gibt weder die eine Form noch nur eine bestimmte Betroffenengruppe von Gewalt. Gewalt kann individuell oder kollektiv sein, kann sowohl körperlicher als auch sexualisierter oder psychischer Natur sein. 
Den Teilnehmenden wurden fünf Workshops angeboten, die jeweils ein spezifisches Gewaltthema näher beleuchtet haben. Jedem Workshop wohnte ein*e Expert*in aus dem jeweiligen Handlungsfeld als Diskussionspartner*in bei:

  •  Christoph Schröder, Journalist und Schiedsrichter, berichtete von Gewalt gegenüber Schiedsrichter*innen im Fußball und legte dar, wie diese in den letzten Jahren zugenommen habe. 
  • Dr. Alexander Leistner, Universität Leipzig, referierte über die von Zuschauenden ausgehende Gewalt, bei der sich eine immer stärkere Professionalisierung von Gewalt abzeichne.
  • Gerhard Bereswill, Polizeipräsident Frankfurt am Main, gewährte einen Einblick in Konzeption und Durchführung von Sicherheitsmaßnahmen, die im Hintergrund erfolgen und welcher Feinabstimmung es je nach Spielgröße bedarf.
  • Michaela Röhrbein, Generalsekretärin des Deutschen Turnerbundes (DTB), nahm Bezug auf die Vorfälle psychischer Gewalt am Olympiastützpunkt Chemnitz, legte die Positionierung des DTB dar und machte deutlich, dass dieser hinter den betroffenen Athletinnen stehe. Der DTB strebe einen Kultur- und Strukturwandel an und befürworte darüber hinaus die Forderung nach einem unabhängigen SafeSport-Zentrum, die aus  dem Positionspapier von Athleten Deutschland e.V. hervorgeht.
  • Prof. Dr. Bettina Rulofs, Sportsoziologin an der Bergischen Universität Wuppertal, skizzierte in vier Merkmalen die sozialen Strukturen des Sports, die Risiken für Machtmissbrauch und Gewalt bergen: Nähe und Vertrauen, ungleiche Geschlechterverhältnisse, Selektionsprozesse und Hyperinklusion, Disziplinierung und Kontrolle. Prof. Dr. Rulofs forderte Aufarbeitung ein und nahm die Sportverbände in die Pflicht, zuzuhören und aus den Geschichten der Betroffenen zu lernen.

Der Fachtag hat eindrücklich und nachhaltig veranschaulicht, dass alle Ebenen des Sports zum Handeln aufgefordert sind, wenn es darum geht, Sport zu einem gewaltfreien Raum zu machen. Kampagnen reichen nicht, es bedarf der direkten Bezugnahme zu den Zielgruppen. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass Sport nie entkoppelt von seiner Umwelt gedacht werden kann und daher stets in den spezifischen gesellschaftlichen Kontext gesetzt werden muss.
 



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