dsj zum Koalitionsvertrag: Freiwilligendienste

02.12.2021

Freiwilligendienste stärken und nachfragegerecht ausbauen, aber Umsetzung muss auf Augenhöhe geschehen

Die Deutsche Sportjugend hat in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und anderen Jugendverbänden klare Wünsche für die zukünftige Ausgestaltung der (Jugend-)Freiwilligendienste formuliert. Im Mittelpunkt steht die Umsetzung des sog. „Jugendfreiwilligenjahres“, das einen Rechtsanspruch auf die Förderung von Freiwilligenplätzen, eine deutliche Erhöhung der Bundesförderung sowie mehr Taschengeld und eine verbesserte Anerkennung der Freiwilligen umfasst. Ansätze hierfür finden sich im Koalitionsvertrag. 

dsj begrüßt „nachfragegerechten“ Ausbau der Freiwilligendienste, zu klären bleibt konkrete Ausgestaltung
Die dsj begrüßt die Absicht der neuen Koalition, Freiwilligendienste zu stärken und „nachfragegerecht“ auszubauen. Der nachfragegerechte Ausbau könnte als Rechtsanspruch auf die Förderung abgeschlossener Vereinbarungen umgesetzt werden und damit einer zentralen Forderung der dsj entsprechen. Die angekündigte Erhöhung des Taschengeldes nimmt Forderungen der Freiwilligen aus dem Sport auf, wird sich flächendeckend aber nur mit einer entsprechenden finanziellen Bundesförderung umsetzen lassen. Da derzeit im Freiwilligen Sozialen Jahr keinerlei Taschengeldförderung durch den Bund erfolgt, bleibt es spannend, wie die konkrete Umsetzung angedacht ist. Hier würde eine Änderung föderaler Zuständigkeiten nötig. Um noch mehr jungen Menschen einen Platz anbieten zu können, benötigen die Einsatzstellen und Träger*innen im Sport dringend eine verbesserte finanzielle Unterstützung durch den Bund sowie modernisierte Rahmenbedingungen in den Freiwilligendiensten, damit sie u.a. ein angemessenes Taschengeld sowie die notwendige pädagogische Begleitung sicherstellen können.   

Widersprüchliche Aussagen zu Umsatzsteuerregelungen und Entbürokratisierung 
Der Koalitionsvertrag kündigt an, die Umsatzsteuerregelungen in Bezug auf gemeinnützige Organisationen nicht zu verändern. Damit würde auch die Umsatzsteuerpflicht für die Freiwilligendienste im Sport bestehen bleiben, deren Abschaffung seit Jahren gefordert wird. Dieser Passus des Koalitionsvertrages widerspricht anderen Passagen, die für eine Entbürokratisierung des Zuwendungsrechtes werben und die Abschaffung von bürokratischen Hemmnissen für das Ehrenamt ankündigen. Dies würde von der Deutschen Sportjugend und ihren Mitgliedsorganisationen ebenso begrüßt wie die zugesagte Digitalisierung im Bereich des Zuwendungsrechts. 

Bekenntnis zum Trägerprinzip und zur Gestaltung der politischen Bildung durch die dsj-Mitgliedsorganisationen auch im Bundesfreiwilligendienst fehlt 
Leider fehlt im Koalitionsvertrag ein konkretes Bekenntnis zum Trägerprinzip und zur Gestaltung der politischen Bildung durch die dsj-Mitgliedsorganisationen auch im Bundesfreiwilligendienst. Die Deutsche Sportjugend vermisst zudem die von den Freiwilligen geforderte freie Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr. Diese stärkt die gesellschaftliche Teilhabe der Freiwilligendienstleistenden und kann dazu beitragen, soziale Ungleichheiten zu reduzieren.  

Zivilgesellschaftliches Bildungsengagement und der Einbindung außerschulischer Akteure mehr im Fokus 
Positiv eingeschätzt wird das Bekenntnis zu zivilgesellschaftlichem Bildungsengagement und der Einbindung außerschulischer Akteure. Schon heute unterstützen hunderte von Freiwilligendienstleistenden sportliche Aktivitäten im Ganztag und leisten ihren Beitrag zur Kooperation von Schule und Verein. Auch bei der Umsetzung des angekündigten „Zukunftspakets für Bewegung, Kultur und Gesundheit“, das im Anschluss an das Corona-Aufholpaket Kinder und Jugendliche unterstützen soll, werden Freiwilligendienstleistende aus dem Sport gerne kompetent unterstützen. Konzepte hierzu müssen kooperativ und rechtzeitig gemeinsam mit den Verbänden entwickelt werden, um eine effektive und nachhaltige Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit im Sport zu gewährleisten. Auch die angekündigte Engagementstrategie muss gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt werden – unter Einbeziehung der Deutschen Sportjugend und ihrer Mitgliedsorganisationen. 

Die gesamte Bewertung der dsj zum Koalitionsvertrag ist auf der dsj-Website zu finden.



Foto: LSB NRW/Andrea Bowinkelmann

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