Erfolgsmodell Präventionsprojekt Kindeswohl der Sportjugend Hessen

10.06.2021

Alle freien Vereinsplätze an dem bundesweit einmaligen Modellprojekt sind belegt

Mit dem Projekt „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen in Sportkreisen und Vereinen“ soll eine Kultur des Hinschauens entwickelt werden. Das sensible Thema der Kindeswohlgefährdung soll noch mehr ins Bewusstsein ihrer Mitglieder rücken. Die Sportjugend Hessen leistet hier Starthilfe und unterstützt dabei, individuelle Schutzkonzepte auf den Weg zu bringen. Schulungen und Seminare geben zusätzlichen Input. Das Modellprojekt startete Mitte 2019 und wird vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport gefördert. 
 
„Das Thema Kindeswohl soll eine gewisse Normalität bekommen“, wünscht sich Heiko Heger, einer der Projektberater und Kindeswohlexperte der Sportjugend Hessen seit vielen Jahren. „Der Sport ist nun mal keine Insel der Glückseligen“, so Heger, „auch nicht bei uns in Hessen. In vielen Vereinen gibt es zunächst ein ungutes Gefühl bei dem Thema sexualisierte Gewalt. Viele denken: Bei uns doch nicht! Dann braucht es im Verein eine Person, die das Thema angehen mag und zunächst den Vorstand überzeugt. Denn Kindeswohlgefährdung geht uns alle.“ 
 
Kindeswohl geht alle an – der Sport ist keine Insel der Glückseligen, auch nicht in Hessen 
Diese Aufgabe hat zum Beispiel Thomas Rosa in seinem Heimatverein TG Camberg im Landkreis Limburg-Weilburg übernommen. Hier gibt es sogar die Besonderheit, dass sich mit Maria Stillger eine zweite Ansprechpartnerin engagiert. Der Verein hat 2.000 Mitglieder, fast jedes dritte Mitglied ist unter 18 Jahren. „Ich fand es wichtig etwas Konkretes zu tun, denn das Thema schlummert in den Menschen, erst recht nach den Skandalen bei den Kirchen oder nach den Untersuchungen im Leistungssportbereich. Das Thema hat jetzt bei uns im Verein mehr Aufmerksamkeit.“ 
 
Die beiden Kindeswohlbeauftragten haben zwei Online-Schulungen für die Übungsleiter/-innen der TG Camberg organisiert, die sehr gut besucht waren. „Auch war es erfreulich, dass die Teilnehmenden sehr leicht für das Thema zu sensibilisieren waren“, so Stillger und Rosa. „Wir sehen uns als Vermittler, und es fühlt sich gut an, für den Fall, dass es zu unangenehmen Fragen oder gar Verdachtsmomenten kommt, die professionelle Begleitung seitens der Sportjugend Hessen im Rücken zu haben.“ Die Beiden versuchen, für das Kinderschutzthema auch Partner in ihrer Stadt zu gewinnen, und sobald es die Coronaauflagen zulassen, planen sie einen Elternabend in Präsenz zu veranstalten. 
 
Hinsehen, Handeln und nicht verharmlosen 
Bei dem Projekt geht es vor allem darum, genauer zu beobachten, Kindern zuzuhören, ihre Gefühle besser zu verstehen. Aber auch darum den Mut zu haben, zu handeln, wenn etwas verdächtig erscheint. „Doch es muss auch möglich sein, authentisch zu bleiben und nicht Angst vor jeder Berührung zu haben“, erklärt die bei der Sportjugend Hessen zuständige Referentin Ann-Kristin Pieper. „Z. B. wenn ein Kind Trost braucht. Man kann das Kind fragen, ob es in den Arm genommen werden möchte.“ Den Vereinen rät sie: „Stellt klare Verhaltensregeln und Leitlinien auf, die allen geläufig sind und zu denen sich alle bekennen müssen: Vorstand, Eltern, Sportler und Trainer. Das gibt Sicherheit und Vertrauen, und die Kinder werden selbstbewusster, wenn sie wissen, dass ihre Anliegen respektiert werden.“ 
 
Die Sportjugend Hessen unterstützt mit Handlungsleitfäden, Mustervorlagen für ein Kindeswohlkonzept und empfiehlt, die Ansprechpartner im Verein bekannt zu machen, ihre Kontaktdaten auszuhängen und sie auf der Vereins-Homepage vorzustellen. 
„Wir entwickeln das Thema Kindeswohl immer weiter “, erzählt Projektberater Heiko Heger, „denn es geht nicht nur um sexualisierte Gewalt. Auch Beleidigungen und Mobbing in der Gruppe können eine große seelische Belastung sein und in Zeiten von Smartphones schnell ausarten.“ Die Begleitung und Beratung für die Vereine und Sportkreise dauert durchschnittlich ein Jahr. „Es kommt immer darauf an, wie weit die Vereine schon sind. Wir geben quasi „Starthilfe“ und dann sollen die Vereine eine Basis haben, um alleine weitermachen.“ 
 
Am Modellprojekt „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen“ nehmen die Sportkreise Hochtaunus, Groß-Gerau, Lahn-Dill, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg teil sowie mehr als 20 Vereine über ganz Hessen verteilt. 
 
Mehr zum Thema und zu den beteiligten Projektvereinen: www.kindeswohl-im-sport.de.  



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