Europa vor der Wahl

02.05.2019

Jugendaustausch ist ein Schlüssel gegen den steigenden Nationalismus

In Deutschland werden die Abgeordneten des Europaparlaments am 26. Mai gewählt. Die Deutsche Sportjugend ruft insbesondere alle jungen Menschen auf, zur Wahl zu gehen. Warum dies so wichtig ist und was das mit Sport zu tun hat, erläutern wir in den letzten Wochen vor der Wahl. Ebenso kommen hier junge Menschen mit ihrer Meinung zur Europawahl zu Wort.

In Sportvereinen ist uns Partizipation von jungen Menschen wichtig. In Europa soll gemeinsame Jugendpolitik für Beteiligung und Jugendgerechtigkeit sorgen. Wer wählt, kann mitbestimmen.

Wir fragen Coline und Julien, Mitarbeitende im Bereich deutsch-französischer Jugendaustausch bei der Deutschen Sportjugend. Coline Porée, 23 Jahre alt, ist Mitarbeiterin bei der dsj im Rahmen eines Programms des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Julien Staskiewicz, 27 Jahre alt, ist Referent für Internationale Jugendarbeit im deutsch-französischen Bereich.

dsj: Geht ihr wählen, warum und wo?

Coline: Am Tag der Wahl werde ich an einer Fortbildung in einer anderen Stadt teilnehmen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht wählen werde. In Frankreich kann man einer Person eine „procuration“ erteilen, die dann an unserer Stelle abstimmt. Das habe ich also gemacht, damit eine Vertrauensperson für die Liste meiner Wahl stimmen kann. Wählen ist für mich sehr wichtig, weil wenn man nicht wählen geht, lässt man dann andere entscheiden, die manchmal nicht so europafreundlich sind.

Julien: Ja, ich gehe auf jeden Fall wählen! Ich werde in meinem Heimatdorf in Frankreich wählen. Für mich sind die Wahlen die Möglichkeit, einen kleinen Teil der europäischen Orientierungen mitzugestalten und hoffentlich in ein offeneres und integriertes Europa zu steuern. Wenn ich meine Stimme nicht abgebe, mache ich den Weg frei für andere, nicht europafreundliche Parteien, die die Zukunft Europas in Gefahr bringen können.

dsj: Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam den Zusammenhalt in der EU wahren helfen, warum brauchen wir – eurer Meinung nach – ein starkes Europa?

Coline: Dank der Europäischen Union haben wir viele Freiheiten und Rechte erhalten. Diese können aber nur gewährleistet werden, wenn die EU gut funktioniert und stark ist. Auch in der internationalen Szene finde ich es wichtig, dass europäische Länder durch die EU einheitliche Positionen halten können. Zusammen sind wir auf jeden Fall stärker als jeder für sich selbst.

Julien: Ein starkes Europa ist wichtig, um die grundlegenden Rechte der europäischen Bürger zu schützen. Ohne ein starkes Europa wäre zum Beispiel unser Recht auf Freizügigkeit stark eingegrenzt. Ich kann es mir gar nicht mehr vorstellen, mich nicht frei in Europa bewegen zu können und für jeden Auslandsaufenthalt ein Visum beantragen zu müssen. Mit diesen Wahlen hoffe ich, dass Europa verstärkt herausgehen wird.

dsj: Die italienische Lega Nord will gemeinsam mit rechtspopulistischen Parteien anderer Länder eine neue Fraktion im europäischen Parlament bilden. In Mailand ist eine gemeinsame Demonstration mit Marine Le Pen geplant. Was haltet ihr davon? Was kann man tun?

Coline: Ich denke, dass noch zu viele europäische Bürgern keine Ahnung von den vielen Maßnahmen haben, die von der EU getroffen werden und unsere Leben positiv beeinflussen. Diese Unkenntnis führt zu Angst und zu Nationalismus. Meiner Meinung nach könnte man erstmal die Rolle der EU den Bürger*innen besser erklären, vor allem den Jugendlichen. Wenn jeder genau wissen würde, worum es geht, hätte man dann wahrscheinlich weniger Angst vor der EU und würde sicherlich besser zusammenleben.

Julien: Ich glaube, dass gerade der Jugendaustausch und die non-formale Bildung ein Schlüssel gegen den steigenden Nationalismus darstellen. Die beste Lösung, um der Angst vorm „anderen“ vorzubeugen, ist es, einfach den „anderen“ zu treffen, eine gemeinsame Woche zu verbringen, gemeinsam Sport zu treiben. Ohne diese unbegründete Angst gegenüber anderen würde es gar keinen Nationalismus geben.

dsj: Wenn ihr vor die Wahl gestellt wärt: Fridays for Future oder Europawahl am 26. Mai 2019? Wo geht ihr hin und warum?

Coline: Glücklicherweise schließt das eine das andere nicht aus. Am besten würde ich zu beiden gehen: ohne lebenswerte Umwelt wird die EU ja nutzlos. Wenn ich mich wirklich nur für eine entscheiden sollte, würde ich aber wählen gehen, in der Hoffnung, dass die gewählten Abgeordneten sich für die Umwelt aktiver engagieren werden, damit Fridays for Future nicht mehr existieren muss.

Julien: Ich hoffe, dass ich nicht zwischen beiden entscheiden muss: beide sind für die Zukunft Europas - und sogar der Welt – besonders wichtig. Wenn ich jedoch nur an einem teilnehmen könnte, würde ich wahrscheinlich den Fridays for Future bevorzugen. Ich finde es besonders interessant, dass ein solche Grassroot-Bewegung von der Jugend initiiert wurde und sich lautstark für eine bessere Zukunft einsetzt. Ich hoffe jedoch, dass ich an beiden Termine meiner Stimme Gehör verschaffen kann – sowohl mündlich, als auch schriftlich.


#wirwählen

Coline Porée und Julien Staskiewicz, Foto: dsj

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