Gedenken an Prof. Dr. Gerhard Treutlein

07.04.2022

Eine Zusammenfassung bewegender Worte zu seiner Gedenkfeier

In der Pädagogischen Hochschule zu Heidelberg (PH) haben sich am 1. April 2022 über 150 Mitstreiter*innen, Kolleg*innen und Freund*innen von Gerhard Treutlein eingefunden, um seiner Person zu gedenken. Die auf Initiative engster Freunde ins Leben gerufene Gedenkfeier, würdigte Treutlein als einen gestaltenden, kämpfenden, aber auch empathischen Menschen. 

Prof. Dr. Wolfgang Knörzer, PH Heidelberg, betonte den Paradigmenwechsel den Treutlein als Hochschullehrer mit der Einführung eines schüler*innenzentrierten und körpererfahrungsorientierten Ansatzes vorgenommen hatte. Dies habe schon früh einen roten Faden für sein Handeln gelegt, das sich immer an den Potenzialen der ihm anvertrauten, jungen Menschen orientiert habe. Der Wissenschaftler Treutlein habe mit seiner Hinwendung zu einer stärkeren handlungsorientierten Forschung einen weiteren Paradigmenwechsel vorgenommen. Heute würde dies wohl als Hinwendung zum Forschungs-Praxisdialog interpretiert werden. 

Der Disziplinchef Gerhard Treutlein und sein Wirken wurden vom adh-Vorstandsmitglied Dirk Kilian gewürdigt. Im Rahmen des Hochschulsportverbands fand er die Möglichkeit, die Leichtathletik in seinem Sinne mitzugestalten. Dabei standen für ihn seine Sportler*innen, die er sowohl in ihrer Leistung als auch ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern gedachte, ebenso im Vordergrund, wie das vertrauensvolle Miteinander im adh-Team. Auch wenn er sich mit seiner Konsequenz im Aufdecken von Missständen nicht nur Freund*innen gemacht hatte, wofür Kilian schöne Beispiele nannte. In seiner Tätigkeit als Disziplinchef wurde deutlich, dass er nicht nur dem Sport und den Sportler*innen zugewandt war, sondern in seinem Handeln auch immer die internationale Dimension gesehen hat. 

Brigitte Berendonk, ehemalige Leichtathletin und „große Pionierin des Antidopingkamps“ beleuchte neben seinem Kampf gegen Doping auch seine Rolle als besonderen Trainer und Mensch, dabei bescheiden geblieben und mit einem trockenen Humor ausgestattet. „Er war immer freundschaftlich zugewandt, er war immer da“, beschrieb sie ihn.  Zu den Dopingpraktiken hatten Treutlein und sie eine Meinung: „Wir fanden das widerlich!“. Prof. Dr. Werner Franke, Molekularbiologe aus Heidelberg, ergänzte, dass Treutlein mit seinem unermüdlichen Kampf gegen Doping dazu beigetragen habe, dass es nun nicht nur ein Antidopinggesetz in Deutschland gebe, sondern es endlich auch zu Verurteilungen gekommen sei. 

In einem sehr bewegenden Vortrag ging die ehemalige dsj-Juniorbotschafterin Dopingprävention Dr. Katja Klemm, KIT Karlsruhe, auf das Wirken von Treutlein in der Deutschen Sportjugend ein. Er habe hier an vorderster Stelle aus dem Kontext der Anti-Dopingcamps des Deutsch-Französischen Jugendwerks nicht nur ein System von Juniorbotschafter*innen aufgebaut, sondern wegweisende Publikationen zur Dopingprävention entwickelt. Das dsj-Juniorbotschafter*innensystem machte junge Menschen zu Botschafter*innen und Gestalter*innen nicht nur im Kampf gegen Doping. Er setzte dabei auf den Peer-to-Peer Ansatz, der junge Menschen befähigen soll, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen und ihre Altersgenossen bei der Entwicklung einer Haltung gegen das Entstehen von Dopingmentalität mitzunehmen. Auch hier war der Pädagoge und Förderer des Jugendsports immer auch als „Kümmerer“ tätig, der den Blick auf die jungen Sportler*innen hatte, mit denen er zusammengearbeitet hat. Sie verdeutlichte, dass er einen eigenen, an pädagogischen Prinzipien orientierten Ansatz im Antidopingkampf entwickelt und umgesetzt habe, der in seinen Ansprüchen und Wirkungen weit über die reine Information zu Antidopingregeln hinaus ging.  

Der ehemalige Ressortleiter der dsj, Dr. h.c. Peter W. Lautenbach, der die Gedenkfeier eröffnet und moderiert hat, stellte fest, dass Gerhard Treutlein in seinem Handeln immer an den Bedürfnissen junger Sportler*innen orientiert war und sie zum Reflektieren und Argumentieren anregen wollte, um so eine intrinsisch motivierte Haltung zur Einhaltung von Regeln bei ihnen zu fördern. 

Zum Abschied ging Walter Breier, der frühere Technische Leiter der PH noch einmal auf Gerhard und die Umstände seines Todes ein. Er machte deutlich, dass ihm ein ehrendes Andenken bewahrt werde. 



Foto: dsj

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