Gemeinsam für Safe Sport in Europa: Wie EU-Projekte dazu beitrugen den Schutz vor Gewalt im Sport in Deutschland voranzubringen

25.05.2022

Ein Kommentar von Elena Lamby

Die Europäische Union hat das Jahr 2022 zum „Europäischen Jahr der Jugend“ ausgerufen und will damit junge Menschen in Europa, die während der Covid-19 Pandemie aus Rücksicht für andere auf Vieles verzichtet haben, in den Fokus rücken. Europäische Jugend- und Sportpolitik darf die Bedürfnisse und Lebensumstände junger Menschen nicht aus dem Blick verlieren und jungen Menschen in Europa gute Chancen für ihr Leben bieten.  Mit einer Serie von Beiträgen nimmt die Deutsche Sportjugend das Europäische Jahr der Jugend 2022 zum Anlass, um über verschiedene europäische Zusammenhänge im Feld der Kinder und Jugendarbeit im Sport zu berichten.     

Dieses Mal blickt Elena Lamby, Ressortleiterin Gesellschaftspolitik bei der dsj, aus ihrer persönlichen Sicht auf die Entwicklung europäischer Projekte zum Schutz vor (sexualisierter) Gewalt im Sport. 

Sie mögen an vielen Stellen wuchtig und kompliziert wirken, ob im Antragswesen oder bei der Abrechnung. Oder einfach nur, wenn man versucht auf die kleine Trillerpfeife noch irgendwie das EU-Logo zu bekommen, damit der Fördernachweis erbracht ist. Aber schlussendlich haben europäische Projekte tatsächlich auch die Kraft etwas zu verändern, vom nationalen Sportverband bis hin zum Sportverein an der Basis.  

Als 2010 das Themenfeld Prävention von sexualisierter Gewalt in der Deutschen Sportjugend (dsj) verstärkt angegangen wurde, blickte man früh über den Tellerrand. Die dsj initiierte 2011 das erste europäisch geförderte Projekt im Themenfeld mit dem damals noch sehr sperrigen Titel: “Prevention of sexualized violence in Sports – Impulses for an open, secure and sound sporting environment in Europe”. Das Projekt trug maßgeblich dazu bei, dass erstmals internationale Expertisen und Kompetenzen aus Wissenschaft und Verbänden zur Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Sport zusammengetragen wurden. Es entstand eine erste Sammlung mit Good-Practice Beispielen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport aus verschiedensten europäischen sowie weiteren Ländern. Dies war der Startschuss zu einer Reihe von EU-Projekten und einem sich daraus entwickelnden Netzwerk aus europäischen Wissenschaftler*innen und Sportorganisationen. Bis heute sind sie geeint in einem gemeinsamen Ziel: Kinder und Jugendliche im Sport vor jeder Form von Gewalt zu schützen! 

Im Folgeprojekt „Sport respects your rights“ (2013-2015) – hinsichtlich eines prägnanten Projekttitels war dazu gelernt worden– fanden sich viele der Partner*innen dann wieder. Ziel war es, junge Menschen für den Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport zu sensibilisieren und mit ihnen Kampagnen für Kinder und Jugendliche in Sportvereinen zu entwickeln. Die dsj konnte durch ihre Projektbeteiligung wichtige Maßnahmen in drei Verbänden anstoßen: in der Badischen Sportjugend Freiburg, im Fußballverband Rheinland sowie in der Sportjugend Sachsen-Anhalt. Wider aller Vorurteile gegenüber Projektförderungen, konnte die Badische Sportjugend Freiburg ihr entwickeltes Erfolgsprojekt mit eben diesem Titel „Sport respects your rights“ sogar dauerhaft bis heute verstetigen. 

Ein weiteres Learning: EU-Projekte können auch dann weiterhelfen, wenn einem die nationalen Finanztöpfe verschlossen bleiben. Es gab verschiedene Anläufe der dsj die Finanzierung einer Studie zur Häufigkeit von Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt im Breitensport, als notwendige Ergänzung zu den Zahlen für den Leistungssport aus der nationalen Studie Safe Sport, durch Bundesministerien (BMBF und BMFSFJ) zu erreichen. Erfolglos. Da tat sich mit einem weiteren EU-Projekt eine neue Tür auf. Die von 2019-2021 europäisch geförderte Studie CASES (child abuse in sport : european statistics) konnte zuletzt Häufigkeiten von emotionaler, physischer, sexualisierter Gewalt und Vernachlässigung im organisierten Sport in sechs europäischen Ländern erheben, auch in Deutschland. Mit Hilfe dieser wichtigen Erkenntnisse entwickeln wir in der dsj nun unsere Strategie weiter und betrachten verstärkt den Schutz vor interpersonaler Gewalt im Sport. 

Ich persönlich bin sehr dankbar von 2015-2018 mit der dsj Teil des EU-Projekts VOICE gewesen sein zu können. Ein Projekt zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Sport, das die Betroffenen in den Mittelpunkt stellte. Neben den nationalen Hearings in den beteiligten Ländern, setzte eine große Abschlussveranstaltung für Betroffene aus ganz Europa, europäische Sportverbände und Politik einen wichtigen Meilenstein und machte wie kein anderes Projekt deutlich: Europas Sportorganisationen und die Politik müssen sich Gewalt und Missbrauch im Sport stellen und aus den Berichten der Betroffenen für die Zukunft lernen.  

In Deutschland geht die Regierung hierzu aktuell den Aufbau eines Zentrums für Safe Sport an. Mit dem von DOSB und dsj initiierten Dialogprozess „Schutz vor Gewalt im Sport“ soll dazu bis Ende Juli 2022 eine gemeinsame Haltung des organisierten Sports entwickelt werden, die die Leitplanken für ein solches Zentrum und darüber hinaus wichtige Bausteine eines Zukunftsplans für einen sicheren Sport auf allen Ebenen beschreibt. Gemeinsam für Safe Sport! 



Foto: Adobe / Patrick Daxenbichler

Zur News-Übersicht