Geschlechtliche Vielfalt im Hochschulsport

28.01.2021

In einem Online-Workshop des adh nahmen Teilnehmende die gesellschaftlichen Entwicklungen im Bereich Geschlechtervielfalt in den Blick

„Stell dich kurz mit deinem Namen und deinem Pronomen vor“, so könnte die Aufforderung zur persönlichen Vorstellung in einem Sportkurs lauten, welcher geschlechtliche Vielfalt berücksichtigt. Denn wenn es um geschlechtliche Vielfalt geht, ist im Kontext Sport vieles gleich und einiges neu. Einen ersten Auftakt zum Thema „Geschlechtliche Vielfalt im Hochschulsport“ gab es im allgemeinen deutschen hochschulverband im Dezember 2020 in Form eines eintägigen Workshops für Mitarbeiter*innen. 

Struktur und Geschlecht durchschauen 

Die Gleichheit der Geschlechter in der Gesellschaft hängt von einer ganzen Reihe bisher nicht vervollständigter rechtlicher, struktureller und sprachlicher Prozesse ab. Der Kontext Sport ist dabei keine Ausnahme, sondern im Gegenteil, er bestätigt die „Regeln“. Denn hier steht Körperlichkeit besonders im Fokus und wird zudem mit Leistung verknüpft. Die Kategorie Geschlecht dient seit jeher als strukturschaffende Säule: es gibt Herrenligen oder Frauenligen und Mixed-Ligen, wo Männer und Frauen gemeinsam spielen, wobei die „Fairness“ in Bezug auf das Geschlechterverhältnis zwischen den Teams qua Regelwerk gewährleistet wird. Es gibt Leistungskataloge, die in „Mädchen“/ „Frauen“ oder „Jungen“/ „Männer“ und weiterführend noch in Altersstufen eingeteilt sind. Es gibt geschlechtsspezifische Umkleiden und WCs respektive, es gibt die Anreden „Herr“ oder „Frau“ auf Formularen. Kurzum die Aufteilung nach zwei Geschlechtern ist im Sport überall vorzufinden und basiert auf einem „Entweder-oder-Prinzip“. 

Die Strukturen, die zwei Geschlechter vorgeben, lassen trans* und inter* Personen oft außen vor oder machen sie unsichtbar. Die Frage nach „darf ich mich zugehörig fühlen?“ beantwortet sich für trans* und inter* Personen häufig bei dem Blick auf das Anmeldeformular oder spätestens bei der Entscheidung „in welche der zwei Umkleiden darf bzw. kann ich sicher gehen?“.  

Aufklärung anbieten, Achtsamkeit einfordern, Kulturwandel einleiten 

Spätestens das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, mit „divers“ einen zusätzlichen positiven Geschlechtseintrag für manche zu ermöglichen, stellt den gesamten organisierten Sport vor die Aufgabe, auch die gelebte Erfahrung von trans* und inter* Personen auf allen Ebenen des Sports sichtbar und lebbar zu machen. Bei der Inklusion geschlechtlicher Vielfalt im Hochschulsport geht es in unterschiedlichen Schritten darum, sich als Institution im Leitbild zu Diversität zu positionieren, Aufklärung anzubieten, Ansprechmöglichkeiten zu schaffen und einen Kulturwandel einzuleiten. Im Zuge von Lehrgängen und Fortbildungen entstehen niedrigschwellige Möglichkeiten, Wissen zu vermitteln und die eigenen Vorstellungen von Geschlecht und Geschlechterstereotypen zu hinterfragen und zu verändern. Ein Ehrenkodex kann auf struktureller Ebene helfen, die Vereinskultur und die daran geknüpften Erwartungen an einen wertschätzenden Umgang untereinander klarzustellen.  

Weitere Informationen zum Workshop gibt es auf der Website des adh



Die Trans Pride Flag. Die blauen Streifen stehen für Männlichkeit, die rosanen für Weiblichkeit und der weiße Streifen steht für nicht-binäre, intergeschlechtliche und transitionierende Menschen.

Die Intersex Pride Flag. Die Farben, lila und gelb, sind absichtlich nicht als geschlechtsspezifische Farben, wie pink oder blau gewählt. Der Kreis symbolisiert das Ungebrochene, die Ganzheit und die Potentiale von Inter*-Personen

Zur News-Übersicht