Gewinner des dsj-Zukunftspreises 2017

06.12.2017

SV Viktoria 1908 Koslar

Wenn Kinder die Kita nach der Kindergartenzeit verlassen und zu Schulkindern werden, so ist das für sie ein besonderes und bedeutsames Ereignis. Der Lebensalltag verändert sich, Vertrautes wird durch Unbekanntes ersetzt und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Für den Übergang der Kinder vom Kindergarten zur Grundschule ist es darum förderlich, wenn sie in „Bewegung, Spiel und Sport“ Halt finden. „Für diesen Halt müssen in erster Linie Kitas und Grundschulen sorgen. Sportvereine können hier allerdings wirksame Unterstützung leisten. Sie können einerseits die pädagogische Arbeit in den Einrichtungen unterstützen und andererseits mit eigenen Angeboten den Übergang der Kinder zur Grundschule fördern. Unter Mitwirkung der Sportvereine können aus bewegungsfreundlichen Bildungspartnerschaften zwischen Kitas und Grundschulen bewegungsfreundliche Bildungsdreiecke entstehen“, so Jurymitglied des dsj-Zukunftspreises 2017, Dr. Rolf-Peter Pack.

In den kommenden Wochen wird die Deutsche Sportjugend die besten zehn Bewerber/innen um den diesjährigen dsj-Zukunftspreisvorstellen. Die zehn prämierten Sportvereine haben sich in besonderer Weise als Mitgestalter des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule in Bildungsnetzwerke eingebracht. Anderen Vereinen können die Ideen und Praxisbeispiele als Orientierung dienen und dabei helfen, die eigene Rolle als Akteur im lokalen Netzwerk zu finden.

Der Sportverein SV Viktoria 1908 Koslar hat sein Netzwerk über verschiedene Institutionen gespannt und mit seinem Engagement den ersten Platz des dsj-Zukunftspreises 2017 gewonnen. Er unterstützt die bewegungspädagogische Arbeit in mehreren Kitas, in einer Grundschule und in einem Gymnasium und hat hierfür eigens einen Kooperationsbeauftragten aus den eigenen Reihen benannt. Der Verein macht Angebote im Übergangsbereich zwischen Kitas und Grundschule, und er betreibt eine zukunftsorientierte Vereinsentwicklung. Eine Besonderheit sind die gemeinsamen Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten von Hort- und Kitakindern auf der Fußballwiese der Grundschule. Das Gesamtprojekt läuft seit sieben Jahren und ist aus einer Elterninitiative heraus entstanden.

Ziel des Sportvereins ist es, Bewegung und Sport in allen Institutionen zu verankern und eine bewegungsfreundliche Kommune zu schaffen. Zentrale Handlungsstränge sind dabei, Bewegung und Sport in den Kitas und der Grundschule zu etablieren, gemeinsam mit den Institutionen deren Profile im Bereich Sport und Bewegung zu entwickeln und Sportkapazitäten zu schaffen sowie Aktivitäten im Verbund in Angriff zu nehmen.

Inhaltlich stützt sich der SV Viktoria 1908 Koslar bei seinem Engagement als Bildungsakteur und Bildungspartner auf das Potenzial der Sportarten Fußball, Turnen und Tanzen. Dabei bricht er gezielt die geschlechtsspezifische Aufteilung Tanzen für die Mädchen und Fußball für die Jungen auf. Die unterschiedlichen Sportarten Tanzen und Fußball, die - so vermittelt - das Potenzial haben, Geschlechterrollen aufzubrechen, können Kinder in ihrer Identität und ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Persönlichkeitsentwicklung stärken. So fördert der Verein vor allem auch den Mädchenfußball. Dabei greift er auf verschiedene partizipative Ansätze zurück, wie zum Beispiel den von den Kindern mitorganisierten Tag des Mädchenfußballs, zu dem die Mädchen der Fußball AG  aus dem Vorschulbereich zu sich einladen.

Fußball spielt an der Grundschule mit eigener Fußballwiese insgesamt eine große Rolle. Die Wiese wird unter anderem von Hort- und Kitakindern für gemeinsame Projekte genutzt sowie in den Ferien für Fußball-Tage. Darüber hinaus richtet der Verein das Kibaz - das Kinderbewegungsabzeichen der Sportjugend NRW – aus, welches von Kita- und Schulkindern gemeinsam abgelegt wird. Auch ein jährliches Fußballturnier für Kitas gehört zum Repertoire des Sportvereins.

Der Sportverein SV Viktoria 1908 Koslar hat sich als ehrenamtlich geführter Mittelverein maßvoll und Schritt für Schritt zu einem wichtigen Akteur und Partner im lokalen Bildungsnetzwerk entwickelt. Damit dies gelingt, ist es wesentlich, gegenüber Impulsen und Initiativen aus den eigenen Reihen offen zu sein, Bedarfe und Gestaltungsmöglichkeiten der Kitas und Schulen zu berücksichtigen sowie programmatischer Ansätze aus Fachverband,  Kreissportbund sowie Landessportbund und –jugend aufzugreifen. Das Beispiel des Vereins Viktoria 1908 Koslar zeigt, wie Einzelinitiativen zu einem schlüssigen Ganzen verknüpft werden können, um  Kindern den Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule mit Unterstützung des Sportvereins zu erleichtern.


Die Gewinner des dsj-Zukunftspreises mit dsj-Vorstandsmitglied Tobias Dollase und Laudatoren Julia Schneider und Dr. Rolf-Peter Pack / Foto: dsj

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