Qualität in der Kindertagesbetreuung weiterentwickeln

22.12.2016

Kommentar zum Zwischenbericht der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für diesen Prozess einberufenen Arbeitsgruppe

Zahlreiche Expertinnen und Experten beschäftigen sich vor allem in den letzten Jahren mit der Frage, welche Rahmenbedingungen die Kindertageseinrichtungen in Deutschland benötigen, um eine optimale kindliche Entwicklung zu gewährleisten. Ein notwendiger Diskurs. Wie in keinem anderen Lebensabschnitt werden in der frühen Kindheit entscheidende Grundlagen für die motorische, kognitive und auch sozio-emotionale Entwicklung gelegt. Hinzu kommt: Kinder verbringen zunehmend mehr und früher im Leben Zeit in Institutionen der Betreuung, Bildung und Erziehung. Bund, Länder und Kommunen haben deshalb offensichtlich vereinbart, stärker in die frühe Bildung zu investieren. Nach dem quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung soll nun die Qualität der Betreuung weiterentwickelt werden. Das ist gut so.

Nun liegt ein erster Zwischenbericht der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für diesen Prozess einberufenen Arbeitsgruppe vor. Aus Sicht des gemeinnützig organisierten Sports ist das ein „Schritt in die richtige Richtung“. Viele aus unserer Perspektive heraus wichtige und immer wieder angemerkte Punkte haben Aufnahme gefunden. Erfreulich, dass die Bewegungsförderung als eines von vier Zielen im Handlungsfeld „Bildung, Entwicklungsförderung und Gesundheit“ benannt wird. Sie wird dabei nicht einseitig als Möglichkeit zur motorischen Stärkung gesehen, sondern unserem Bild entsprechend als Chance für vielseitige Lernprozesse – und damit als Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Bewegung wird explizit als Querschnittsaufgabe formuliert, die in den gesamten pädagogischen Alltag integriert werden soll. Auch die Räume und das Außengelände sollen bewegungsanregend und erfahrungsfreundlich gestaltet werden – partizipativ mit den Kindern.

Weitere Handlungsziele sind die stärkere Nutzung des Sozialraums sowie die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Kooperationspartner/innen im Bereich Bildung und Gesundheit. Es bleibt allerdings offen, ob damit auch Kooperationen mit ansässigen Sportvereinen gemeint sind und empfohlen werden. Eine konkrete Benennung der Zusammenarbeit mit Sportvereinen sowie der damit verbundenen Potenziale – beispielsweise gegenseitiger Wissensaustausch oder Nutzung gemeinsamer Ressourcen – wäre eine wichtige Orientierungshilfe für die lokalen Akteure.

Aus der Sicht der Deutschen Sportjugend fällt das Resümee zum ersten Zwischenbericht dennoch positiv aus. Es bleibt zu hoffen, dass Bund, Länder und Kommunen die eingeschlagene Richtung weiter verfolgen und auch die notwendige Finanzierung der beschriebenen Ziele sicherstellen. Bewegung muss auch in der Praxis den beschriebenen Stellenwert in der Kindertagesbetreuung genießen,  Kitas ohne Außengelände zum Beispiel sollten möglichst bald der Vergangenheit angehören und Räumlichkeiten grundsätzlich bewegungsfreundlich gestaltet werden. Sportvereine müssen als Bildungspartner und als Kooperationspartner, die  Bewegungsräume eröffnen können, noch stärker in den Fokus gerückt und explizit als Partner im Sozialraum benannt werden. Vom Potenzial des gemeinnützig organisierten Sports können Kitas, Schulen, Kommunen, aber vor allem Kinder noch stärker profitieren. Gerne bringen wir uns als Bewegungsexpert/innen in die weitere Diskussion mit ein.

Weiter Informationen: www.bmfsfj.de


Foto: fotolia.com/Shmel

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