Persönlichkeits- und Teamentwicklung im Sport

31.03.2021

Drittes Schwerpunktthema: Konzentrationsfähigkeit

Bewegung, Spiel und Sport können zur Persönlichkeits- und Teamentwicklung im Sport  von Kindern und Jugendlichen beitragen. Um dies zu erreichen, spielt die Gestaltung der Angebote durch die Trainer*innen und Übungsleiter*innen eine zentrale Rolle. Die Arbeitshilfe „Persönlichkeits- und Teamentwicklung im Sport“ der Deutschen Sportjugend gibt einen Überblick über Ziele für die Persönlichkeits- und Teamentwicklung im Sport und bietet konkrete Methoden an, mit denen diese Ziele im Training und Wettkampf angesteuert werden können. 

Im letzten Monat ging es um den Aufgabenzusammenhalt. Diesmal steht die Förderung der Konzentrationsfähigkeit im Sport im Vordergrund. Die Sportler*innen nutzen Konzentrationsfähigkeit zum Lösen individueller Aufgaben im Training und Wettkampf! Konzentrationsfähigkeit beinhaltet einerseits die bewusste Lenkung der eigenen Aufmerksamkeit auf innere und äußere Reize sowie das Umschalten zwischen diesen inneren und äußeren Reizen. Andererseits beinhaltet sie auch die Abschirmung der Konzentration gegen Ablenkungen. 

Um die Konzentrationsfähigkeit gezielt anzusteuern, bieten Training und Wettkampf zahlreiche Situationen, in denen die Sportler*innen üben können, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst lenken. Diese Situationen reichen von selbst erlebten Störungen und damit verbundenen Misserfolgen über die Beschreibung eigener Bewegungen bis zur Anwendung bewusster oder unbewusster Konzentrationsstrategien. 

Beispiel: Aus (Miss-)Erfolgserfahrungen Strategien entwickeln 
Im Sport entscheiden oft Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg: bspw. wenn eine Turnerin vom Schwebebalken absteigt und danach nicht mehr in die Übung findet oder wenn ein Torhüter nach einer ruhigen Phase im Spiel einen plötzlichen Treffer kassiert. Entscheidend ist zu identifizieren, was der Auslöser war. Eine Möglichkeit ist, dass mit dem Absteiger bzw. in der ruhigen Spielphase die Konzentration verloren gegangen ist. Genau diese Situationen bieten den Anlass, die eigene Konzentration bewusst zu machen und zu lenken. 

Darüber hinaus gibt es Übungen, die besonders gut geeignet sind, um Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit herauszuarbeiten. 

Beispiel: Aktionsform Ebene M „Aktion – Reaktion“ 
Es wird eine Übung bzw. Technik ausgewählt, die für die Sportler*innen eine mittlere bis schwere technische Anforderung stellen (z.B. Reißen, Frontkniebeuge, Kippe, Sprung am Balken, Distanzwurf usw.). Die Sportler*innen bekommen die Aufgabe, sich auf die Übung bzw. Technik vorzubereiten. Vor der Ausführung der Übung bzw. Technik bekommen die Sportler*innen eine Aufgabe (Rechenaufgaben, Allgemeinwissensaufgaben, Fragen nach wichtigen Technikmerkmalen einer anderen Übung) gestellt. Unmittelbar nach Beantwortung der Frage muss die Wiederholung ausgeführt werden.

Insgesamt sollten je nach Konzentrationsfähigkeit zwischen 10 und 20 solcher Wiederholungen ausgeführt werden. 
Reflexionsfragen: Wann konntest du die Übung gut umsetzen, wann ist es dir schwergefallen? Was kannst du tun, damit du dich beim nächsten Versuch besser auf die Ausführung konzentrieren kannst? 

Neben dem Aufgreifen und Inszenieren von Lernsituationen bietet die Gestaltung lern- und leistungsförderlicher Trainer-Sportler und Sportler-Sportler-Beziehungen die Möglichkeit, auf die Persönlichkeits- und Teamentwicklung Einfluss zu nehmen. 

Beispiel: Prinzipien der methodischen Gestaltung 
Bei der Gestaltung der Trainer-Sportler-Beziehung können Trainer*innen Konzentrationsfähigkeit fördern, indem sie bei Rückmeldungen zu motorischen Leistungen auch nach der Eigenwahrnehmung der Bewegung durch die Sportler*innen fragen. Damit ermöglichen sie den Sportler*innen einen Abgleich zwischen der Eigen- und Fremdwahrnehmung. 

Bei der Sportler-Sportler-Beziehung beeinflusst insbesondere das angstfreie Lernklima die Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit. In einem angstfreien Lernklima können die Sportler*innen ihre Technik auch mal schlechter ausführen, während sie versuchen ihre Aufmerksamkeit zu lenken. Langfristig muss jedoch die Verbesserung der Technik das Ziel sein. 

Weitere Methoden zur Förderung der Kooperationsfähigkeit gibt es in der Arbeitshilfe  „Persönlichkeits- und Teamentwicklung im Sport“



Foto: DTB/Dedicated Sports

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