Risikoanalyse und Qualifizierungskonzepte zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport

01.12.2020

Im diesjährigen Forum "Safe Sport“ richtete die dsj den Schwerpunkt auf das dsj-Stufenmodell zur Prävention im Sportverband/Verein

Am 25. November 2020 kamen digital rund 130 Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen der Deutschen Sportjugend (dsj) zusammen, um sich, wie in den vergangenen elf Jahren, zum Thema „Schutz vor sexualisierte Gewalt im Sport“ auszutauschen. Beim Forum Safe Sport stand, nachdem im vergangenen Jahr der Blick auf die Intervention geworfen wurde, in diesem Jahr die Prävention und das Thema Aufarbeitung im Fokus der Veranstaltung.   

Michael Leyendecker, 1. Vorsitzender der dsj, begrüßte gemeinsam mit Dr. Petra Tzschoppe, Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung im DOSB, die Gäste des diesjährigen Forums. Dabei betonten beide im Schulterschluss zwischen dsj und DOSB die Bedeutung des Themas für den gesamten organisierten Sport. „Wir als dsj und DOSB arbeiten weiterhin an einer Kultur des Hinsehens und der Aufmerksamkeit im Sport“, so Leyendecker. Die Kinderrechte seien dabei für ihn ein wichtiges Element. 

Zum Einstieg erhielten die Teilnehmenden von Mandy Owczarzak einen Einblick in die theoretischen Hintergründe einer Risikoanalyse und es wurde die Frage beantwortet, warum diese unbedingter Bestandteil eines guten Schutzkonzeptes ist. Erst durch eine Risikoanalyse würde deutlich werden, worauf es bei den Präventionsmaßnahmen ankommt und wie sie im Verband oder Sportverein installiert werden müssen. Im zweiten Vortag am Vormittag berichtete Dr. Jeannine Ohlert über erste Ergebnisse des Forschungsprojekts „TraiNah - Trainer*innen als zentrale Akteur*innen in der Prävention sexualisierter Gewalt“, in dem die dsj Projektunterstützerin ist.  

Ein weiteres wichtiges Thema war die Neuveröffentlichung des 2011 erstmalig aufgelegten Handlungsleitfaden für Sportvereine und Verbände, von den Autorinnen Fabienne Bartsch und Prof. Dr. Bettina Rulfos. Die unter dem neuen Titel „Safe Sport – Ein Handlungsleitfaden zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Grenzverletzungen, sexualisierter Belästigung und Gewalt im Sport“ überarbeitete 80-seitige Broschüre weißt hinsichtlich der Inhalte, der Struktur und der Optik grundlegende Neuerungen auf.  

Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf dem Thema Aufarbeitung. Prof. Dr. Rulfos stellte vor, was unter Aufarbeitung verstanden wird und aus welchen Perspektiven Aufarbeitung betrachtet und somit umgesetzt werden kann. Außerdem warf sie einen Blick auf die Aufarbeitung im Sport und stellte Fragen für die weitere Arbeit in den Raum. Anschließend nutzten Michael Leyendecker und Christina Gassner (dsj Geschäftsführerin) den Input von Bettina Rulofs, um gemeinsam auf das 4. Öffentliche Hearing der Bundesregierung „Sexueller Kindesmissbrauch im Sport“ zurückzublicken. Christina Gassner schilderte, dass durch die persönlichen Geschichten der Betroffenen noch viel deutlicher geworden sei, dass es neben einer Kultur des Hinsehens auch eine Kultur des Handels geben müsse. Zentrale Botschaft des organisierten Sports im Rahmen des Hearings sei die Bitte um Entschuldigung den Betroffenen gegenüber gewesen, die Petra Tzschoppe, DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, ausgesprochen habe. Des Weiteren habe sie angekündigt, dass der Sport nun erneut in das Ergänzende Hilfesystem einzahlen werde. Beim Blick in die Zukunft skizzierten Christina Gassner und Michael Leyendecker die weiteren Schritte im Themenfeld. Die dsj befinde sich derzeit in dem Prozess, das Thema Aufarbeitung systematisch aufzustellen, auch mit der konkreten Einbeziehung von Betroffenen als beratende Personen.    

In Workshops zu vier unterschiedlichen Themen hatten die Teilnehmenden zusätzlich die Gelegenheit, intensiver in den Austausch zu kommen. Alle Workshops orientierten sich am dsj-Stufenmodell und diskutierten die Umsetzung in der Praxis.  

Der erste Workshop knüpfte an das Thema „Risikoanalyse“ an und zeigte Möglichkeiten zur Umsetzung einer Risikoanalyse im Verband auf. Good-Practice Beispiele machten die unterschiedlichen Methoden der Durchführung deutlich. Die Gruppe stellte wesentliche Kernelemente heraus und diskutierte die Herausforderungen bei der Umsetzung im Verband.  

Im zweiten Workshop widmete sich die Kleingruppe Qualifizierungsangeboten für Verbandspersonal. Zunächst erhielt die Gruppe einen Input, indem zwei unterschiedliche Formate von Qualifizierungen von Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen vorgestellt wurden. Anschließend tauschte sich die Gruppe zu den Vor- und Nachteilen von Präsenz- im Vergleich zu Online-Formaten aus und diskutierte Rahmenbedingungen für eine gelungene Qualifizierung.  

Sexualisierte Gewalt im digitalen Raum war der Titel des dritten Workshops. Birgit Kimmel, Referentin von klicksafe, einer Sensibilisierungskampagne zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und neuen Medien im Auftrag der Europäischen Kommission, stellte Formen von und Möglichkeiten im Umgang mit sexualisierter Gewalt im digitalen Raum vor.  

Unterschiedliche Anlaufstellen, interne sowie externe wurden im vierten Workshop von Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen (Landessportjugend und Spitzenverband) sowie von Caroline Weyand, DOSB Ombudsfrau, vorgestellt. Außerdem wurde im Workshop der zweite Punkt der Stufe I des dsj-Stufenmodell, Evaluation von verbandseigenen Maßnahmen diskutiert.  



Foto: fotolia.com/Dusan Kostic

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