SINUS-Jugendstudie 2020 - Wie ticken Jugendliche?

23.07.2020

Ein Leben ohne Sport ist für die meisten Jugendlichen unvorstellbar

Die SINUS-Jugendstudie 2020 „Wie ticken Jugendliche?“ untersucht alle vier Jahre die Lebenswelten 14- bis 17-jähriger Teenager in Deutschland. Die Fragestellungen der neuen Studie waren: Welche Themen sind der Jugendgeneration wichtig? Wie blicken die jungen Menschen in die Zukunft? Wie kommen die Jugendlichen in der Ausnahmesituation der Corona-Krise zurecht?  
Die Deutsche Sportjugend ist Partner der SINUS-Studie, dadurch konnten viele positive Ansatzpunkte und Chancen für die Zukunft des Sports ermittelt werden. 

Eine Chance für den Sport 

Die Unübersichtlichkeit der Verhältnisse in der Welt verstärkt den gesellschaftlichen Megatrend „Regrounding“ – die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Halt und Orientierung. Hier liegt eine Chance für den Sport, denn für die Jugendlichen zählen neben Spaß und Bewegung, Anschluss und Gemeinschaft zu den wichtigen Sportmotiven.  
Christina Gassner, Geschäftsführerin der Deutschen Sportjugend (dsj), zieht einen positiven Schluss aus den Ergebnissen der diesjährigen Jugendstudie: „Sport ist nach wie vor eine wichtige Alltagsbeschäftigung von Jugendlichen, die sie bevorzugt in Gemeinschaft ausüben. Dafür bietet der Sportverein noch immer die besten Voraussetzungen. Jugendliche haben vor allem Spaß an der Bewegung. Die Herausforderung für die Zukunft wird es sein, die Angebote für Jugendliche im Verein noch flexibler zu gestalten und zugleich mehr Raum für informelles Sporttreiben an verschiedenen Orten zu schaffen. Zudem gilt es, Jugendliche in ihrem Können zu bestärken und sie zu motivieren, ihre Erfahrungen auch weiterzugeben und sich im Verein zu engagieren.“ 

Ein Leben ohne Sport ist für die meisten Jugendlichen unvorstellbar: „Das Leben hätte weniger Sinn, man würde depressiv werden und sich körperlich nicht wohlfühlen.“ 
Dabei gehören positive und negative Sporterlebnisse dazu. Zu den positiven gehören vor allem Spaß im Team, Auspowern und Spaß an der Bewegung. Die Studie zeigt, „fast alle Jugendlichen verbinden mit sportlichen Negativmomenten auch Niederlagen, „Erfolgswahn“ und Leistungsdruck.“  Der Druck und die Verpflichtungen im Verein sind häufig der Grund aufzuhören oder Sport flexibel und unabhängig zu praktizieren. 

Zukunft von Sportvereinen: zum Sport gehört die Gemeinschaft, aber es bedarf mehr Flexibilität 

Orte, an denen sie am liebsten Sport treiben, werden von den befragten Jugendlichen viele genannt. Neben dem klassischen Sportplatz werden insbesondere Fun-Sportlocations, Schwimmbäder oder Fitnessstudios bevorzugt. Oftmals steht dabei die Natur im Fokus. 
Hier sieht die dsj großes Potential für die Zukunft von Sportvereinen. Durch mehr Raum für informelles Sporttreiben, mehr Angebote für Jugendliche, die ihnen einfach den Spaß an der Bewegung vermitteln und das „Ausprobieren“ ermöglichen – auch „noch“ im Jugendalter. Gleichzeitig steigt bei den Jugendlichen aber auch das Interesse an den Angeboten für Erwachsene und somit am Thema Gesundheit und Fitness. 

Es zeigt sich, „unabhängig davon, ob man selbst in einem Sportverein aktiv ist oder nicht, schätzen Jugendliche an Sportvereinen besonders die Möglichkeit zur Vergemeinschaftung. 
Man findet es toll, mit anderen Gleichaltrigen gemeinsam Sport zu treiben, sich aufeinander verlassen und neue Freund*innen gewinnen zu können.“ 
Ein wichtiger Punkt beim Sport ist für viele die Erschaffung einer familiären Gemeinschaft. Im Sportverein schätzen Jugendliche vor allem die integrative und soziale Dimension des Vereinssports, als negativ wird die Verbindlichkeit, wie regelmäßige Trainingsteilnahme, Turniere an den Wochenenden oder starre Trainingszeiten, die es in Vereinen meist braucht, wahrgenommen. Hier wird es zukünftig nötig sein, mehr Flexibilität bieten zu müssen.  

Jugendliche sind für Engagement im Sportverein offen  

Die Jugendlichen bekunden durchaus ihr Interesse am Engagement als Trainer*in oder Übungsleiter*in. Viele geben aber auch an, sich hierzu einfach noch keine Gedanken gemacht zu haben. Die, die dabei sind, haben Spaß. Allerdings gaben viele Zweifel an, ob sie überhaupt gut genug dafür seien oder das schaffen können. Hier will die dsj weiter ansetzen, junge Menschen für Engagement als Trainer*in/Übungsleiter*in oder ähnliches zu begeistern. Die Konzepte dazu werden ständig weiterentwickelt. Motivation und Bestärkung müssen hier noch stärker als wichtigste Faktoren integriert werden.  

Videospiele kein richtiger Sport 

Auch zum Thema Sportvideospiele wurden die Jugendlichen im Rahmen der Studie befragt. Hierbei hat sich eindeutig gezeigt, dass sie klar zwischen Sportvideospielen einerseits und in ihrem Verständnis „richtigem Sport“ andererseits unterscheiden. Erwartungsgemäß haben Jungen dabei eine größere Affinität zu Sportvideospielen als Mädchen. Es mangele an Bewegung und das „positive Gefühl“, das sie beim Sport mögen, trete bei Videospielen nicht auf, so die Antworten. 

Grundtenor der Ergebnisse „Die Jugend fühlt sich zu wenig gehört und nicht ernst genommen“ 

Zusammenfassend lässt sich sagen, die junge Generation ist ernster geworden – ernsthafter einerseits, besorgter andererseits. Das betrifft den Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie und mehr noch die für sie offensichtliche Bedrohung durch die globale Klimakrise. Sowohl bei diesen beiden Themen als auch im Allgemeinen fühlt sich die junge Generation nicht ernst genommen und repräsentiert. Der Zukunftsoptimismus der Jugendlichen ist gedämpft, insbesondere in den bildungsfernen Lebenswelten.  

Solidarität mit anderen spielt auch in der Corona-Krise eine zentrale Rolle. Denn die befragten Jugendlichen haben zwar wenig Angst davor, sich selbst mit dem Virus zu infizieren, befürchten aber, andere Menschen anzustecken (Ältere, Großeltern etc.). Die meisten sehen es als ihre soziale und gesundheitliche Verantwortung, die Krise ernst zu nehmen und sich um ihre Mitmenschen zu sorgen.  

Viele Befragte beklagen eine „Jeder-für-sich“-Mentalität und den fehlenden Zusammenhalt in der Gesellschaft. Sie haben Angst vor zunehmender Polarisierung, Hass und Aggression – die insbesondere bildungsferne Jugendliche in ihren Lebenswelten oft erleben. In der Mehrzahl der jugendlichen Lebenswelten sind heute gute, abgesicherte Lebensverhältnisse wichtiger als Status, Erfolg und Aufstieg. Ein dominanter Zukunftswunsch vieler Jugendlicher ist es, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, materielle Wünsche und Ziele werden relativiert. In ihrer aktuellen Situation empfinden sie die Schule dabei als „ganz okay“, sehen aber kaum Chancen zur Mitgestaltung, sondern nehmen sie als gegeben hin.  

Weitere Informationen zur Sinus-Studie 2020 

„Wie ticken Jugendliche?“ ist eine im Auftrag von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, der BARMER, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, dem Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der Deutschen Sportjugend und der DFL Stiftung durchgeführte Studie des SINUS-Instituts, Heidelberg/Berlin. 

Die Studie ist als gedrucktes Buch in der Schriftenreihe (Band-Nr. 10531, Bereitstellungspauschale 4,50 €) der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erschienen. Sie steht auch als ePub kostenfrei zum Download bereit. 

Die Deutsche Sportjugend wird die Studie allgemein und das Kapitel Sport noch im Detail auswerten und die Ergebnisse im Anschluss kommunizieren. 



Foto: Adobe/Rawpixel.com

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