Starke Partner für die Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport

12.03.2020

Deutsche Sportjugend im DOSB verstärkt eigene Bemühungen und fordert mehr Unterstützung der Bundesregierung und der Länder

Kommentar auf die Antwort der Bundesregierung zur Kleinen Anfrage der FDP 
(http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/174/1917487.pdf)
 
Die FDP-Fraktion im Bundestag hat unter dem Titel „Sexueller Missbrauch im Sport – Schutz von Kindern und Jugendlichen“ am 14. Februar 2020 eine Kleine Anfrage gestellt. Bei der Beantwortung der Kleinen Anfrage durch die Bundesregierung wird deutlich, dass großes Unterstützungspotenzial bei den Aktivitäten des organisierten Sports besteht. 
Sportdeutschland, mit dsj und DOSB, ihren Mitgliedsorganisationen sowie Sportvereinen und ehrenamtlich Engagierten, wie z.B. Trainer*innen und Jugendleiter*innen, ist auf externe Expertise angewiesen. Die fachliche Bearbeitung des Themas „sexualisierte Gewalt“ ist keine sporteigene oder jugendverbandsspezifische Aufgabe. 

Selbstverpflichtung zur Umsetzung einheitlicher Standards 
Die dsj hat gemeinsam mit ihren Mitgliedsorganisationen mit dem sog. Stufenmodell einheitliche Mindeststandards der Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Sport entwickelt. 
Die Verbände haben auf der Mitgliederversammlung beschlossen, dieses Modell bis 2021 umzusetzen und dies als Voraussetzung für die Weiterleitung von Fördermitteln durch die dsj festzulegen. Das Stufenmodell soll jetzt auf der Grundlage eines Beschlusses der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2019 für die Mitgliedsorganisationen des DOSB weiterentwickelt werden. 

Publikationen und Fortbildungen für Information und Qualifizierung
Gleichzeitig entwickelt die dsj Materialien, um Sportverbände und -vereine bestmöglich bei der Umsetzung der Präventions- und Interventionskonzepte zu unterstützen. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.dsj.de/kinderschutz. Fortbildungsangebote für neue wie auch langjährige PSG-Ansprechpartner*innen aus den Verbänden werden jährlich im Rahmen des Forums Safe Sport durchgeführt. Um umfassende Beratungsleistung für unsere Mitgliedsorganisationen anbieten zu können, fehlen jedoch die finanziellen Ressourcen. 

Beteiligung an Forschungsprojekten
Auch bei Forschungsprojekten ist die dsj aktiv, aktuell unter anderem bei dem EU-Projekt CASES, bei dem von 2019-2022 in sechs verschiedenen europäischen Ländern quantitative Befragungen durchgeführt werden, um die Häufigkeit von emotionaler, physischer und sexualisierter Gewalt im Sport gegen Kinder und Jugendliche zu untersuchen.

Verstärkung personeller Ressourcen in der Geschäftsstelle von dsj und DOSB
Um diese Arbeit leisten zu können, wurden zuletzt in der Geschäftsstelle des DOSB und der dsj die personellen Ressourcen verstärkt. 

Was gebraucht wird: Fachberatungsstellen und wissenschaftliche Studien 
Jan Holze, 1. Vorsitzender der dsj, betont: „Der organisierte Sport hat eine hohe Verantwortung für das Wohlergehen aller Engagierten und Aktiven. Wir fordern und fördern eine Kultur der Aufmerksamkeit und des Hinsehens. Wir beraten, wir qualifizieren und informieren. Jedoch kommen wir täglich an unsere Grenzen. Sportverbände und -vereine, die in ganz vielen Fällen von Ehrenamtlichen organisiert werden, sind keine Ermittlungsbehörden, keine psychotherapeutischen Praxen, keine Fachberatungsstellen für sexualisierte Gewalt – und werden es auch nicht werden. Aber genau diese unterstützenden Einrichtungen werden dringend benötigt, um vor Ort konkrete Unterstützungsangebote schaffen zu können.  Hierfür brauchen wir noch mehr als bisher die Unterstützung der Bundesregierung und der Länder.“ 

Um bessere Kenntnisse im Bereich sexualisierter Gewalt im Sport zu erlangen, Betroffene unterstützen und erfolgreiche Präventionsarbeit leisten zu können, ist es wichtig, wissenschaftliche Studien durchzuführen und verlässliche Daten zu erheben. 

Damit die dsj, der DOSB und alle Mitgliedsorganisationen unter ihrem Dach die Prävention von sexualisierter Gewalt in Sportverbänden und -vereinen auch in Zukunft aktiv mitgestalten können, bitten wir bundes- und landespolitische Entscheidungsträger*innen in der Kinder- und Jugendhilfe sowie des Sports dringend, unsere Aktivitäten im Themenfeld zielgerichtet zu unterstützen. 

  1. Die Vereine und Verbände brauchen eine stärkere finanzielle Förderung, um Unterstützungs- und Beratungsangebote umsetzen zu können. Für die Unterstützung der Millionen ehrenamtlich Engagierten in Sportvereinen und -verbänden ist die Verstetigung der Arbeitsstruktur und Absicherung der Personalstellen für Ansprechpersonen für Prävention sexualisierter Gewalt bzw. Kinderschutz in den Sportverbänden entscheidend für erfolgreiche Arbeit.
  2. Spezialisierte Fachberatungsstellen sollten ausgebaut und langfristig aufgestellt werden und für den Sport zugänglich gemacht werden.
  3. Nur durch wissenschaftlich erhobene Daten kann die Expertise ausgebaut und neue Erkenntnisse für erfolgreiche Präventionsarbeit gewonnen werden. Wir brauchen mehr Mittel für wissenschaftliche Aufarbeitung und Analyse mit Fokus auf Sportvereinen und -verbänden. 

Das dsj-Positionspapier aus dem Jahr 2018 “Starke Partner für die Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport” hat die o.g. Forderungen bereits aufgegriffen.  
 



Foto: Adobe/WavebreakMediaMicro

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