Wie passen Sexualstrafrecht und Sportrecht zusammen?

22.05.2018

Expert/innen-Hearing „Sportgerichtliche Verfahren bei sexualisierter Gewalt im Sport“

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich am 17. Mai in Frankfurt über die aktuellen Paragraphen im Sexualstrafrecht und diskutierten die Möglichkeiten von sportrechtlichen Verfahren bei Fällen sexualisierter Gewalt im Sport. In der Erklärung der DOSB-Mitgliederversammlung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport vom 4. Dezember 2010 (sog. „Münchner Erklärung“) haben sich die DOSB-Mitgliedsorganisationen u.a. dazu verpflichtet, „auf der Grundlage der Rahmenrichtlinien in eigener Zuständigkeit die Bedingungen für den Entzug von Übungs-, Jugendleiter- und Trainerlizenzen zu regeln“. Die Deutsche Sportjugend (dsj) hatte 2011 die erste Auflage der Broschüre „Gegen sexualisierte Gewalt - Orientierungshilfe für rechtliche Fragen“ veröffentlicht (aktualisiert 2013). Darin findet sich Basiswissen zum Sexualstrafrecht und rechtliche Grundlagen für Sportverbände, um Sanktionen bei Fällen sexualisierter Gewalt aussprechen zu können. In den vergangenen Jahren haben sich Gesetzeslagen verändert – z.B. durch das Bundeskinderschutzgesetz, im Sexualstrafrecht oder durch Rechtsprechungen – und Sportverbände haben Erfahrungen im Themenfeld gesammelt.

Durch das Expert/innen-Hearing sollten nun Herausforderungen im Umgang mit sportgerichtlichen Verfahren bei sexualisierter Gewalt im Sport herausgearbeitet und aktuelle Fragestellungen in den Blick genommen werden.

Hierzu präsentierte die Rechtswissenschaftlerin Jun.-Prof.'in Dr. Elisa Hoven (Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln) wichtige Paragraphen des Sexualstrafrechts und gab Einblicke zu aktuellen Entwicklungen und Reformansätzen.  Basierend darauf stellte Prof. Dr. Jan F. Orth (Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, Vorsitzender Richter des Landgerichts Köln)  seine Empfehlungen zum Umgang mit sportgerichtlichen Verfahren bei (Verdachts-)Fällen von sexualisierter Gewalt im Sport vor.  Als Beispiel aus der Praxis präsentierte Constanze Winter (Justitiarin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V.) die Erfahrungen und Herausforderungen des Bundesverbands mit dem Entzug von Lizenzen bei Fällen sexualisierter Gewalt.

„Wir sind sehr dankbar, dass die Expertinnen und Experten ihr Wissen und ihre Perspektiven mit uns geteilt haben. Mit ihnen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten wir die Herausforderungen in der Sportgerichtsbarkeit im Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt herausarbeiten. Hier werden wir als dsj ansetzen und mit Expertinnen und Experten unsere Empfehlungen aktualisieren und präzisieren, sodass wir den Sportverbänden Handlungssicherheit geben können“, berichtet Jan Holze, dsj-Vorsitzender, der am Expert/-innen Hearing persönlich teilnahm.

Eingeladen waren die Justitiare und Rechtsberater/innen, die Ansprechpartner/innen für Prävention sexualisierter Gewalt im Sport und die Bildungsreferent/innen der DOSB/dsj-Mitgliedsorganisationen.


Jan Holze begrüßt die Teilnehmenden des Expert/innen-Hearings/ Foto: dsj

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