Freiwilligensurvey 2024

Quelle: LSB NRW/Andrea Bowinkelmann

Junges Engagement im Sport bleibt stark – doch der Druck auf das Ehrenamt wächst

Der neue Deutsche Freiwilligensurvey, der am 14. November in einer Kurzfassung veröffentlicht wurde, zeigt eindrucksvoll: Sportvereine bleiben der beliebteste Ort für freiwilliges Engagement in Deutschland. Seit 1999 befragt der Survey alle fünf Jahre über 27.000 Menschen ab 14 Jahren zu ihrem Engagement. Die aktuelle Ausgabe bestätigt bekannte Trends, macht aber auch neue Handlungsbedarfe sichtbar.

Engagement auf hohem Niveau – aber sinkend
2024 engagieren sich 36,7 % der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig, bei den 14-29-Jährigen sind es fast 40 %. Damit bleibt das Engagementniveau hoch, auch wenn sich langfristig ein leichter Rückgang fortsetzt, der sich bereits vor der Pandemie abzeichnete und durch sie noch beschleunigt wurde.

Gleichzeitig zeigt sich: Die Menschen, die engagiert sind, investieren tendenziell mehr Zeit. Sowohl die Häufigkeit als auch der Stundenumfang pro Woche sind leicht gestiegen; der Anteil jener, die sich mehrmals pro Woche für mindestens drei Stunden engagieren, liegt über dem Wert von 2019. Das kann sowohl gestiegenes Commitment zeigen – aber auch darauf hinweisen, dass Engagierte fehlen, so dass sich die Arbeit auf weniger Schultern verteilt.

Sport bleibt Spitzenreiter - über 9 Millionen Engagierte
Der Sport behauptet seine führende Rolle: 13 % aller Personen ab 14 Jahren engagieren sich im Sport, hochgerechnet mehr als 9 Millionen Menschen. Das Engagement im Sport bietet (jungen) Menschen die Möglichkeit, etwas zu bewegen, soziale Kontakte zu pflegen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Damit liegt der Sport weiterhin deutlich vor anderen Bereichen. Vereine bleiben dabei die etablierte Struktur für freiwilliges Engagement. Fast die Hälfte (49 Prozent) der freiwillig Engagierten übt ihre Tätigkeit in einem Verein aus – im Sport sind es noch deutlich mehr. Für den organisierten Sport ist das eine starke Bestätigung seiner gesellschaftlichen Bedeutung und zugleich ein Auftrag, die Rahmenbedingungen für Engagement kontinuierlich zu stärken.

Junge Menschen wollen sich engagieren – große Chance für Vereine
Besonders erfreulich: Unter den Menschen, die sich derzeit nicht engagieren, herrscht eine hohe Bereitschaft, aktiv zu werden. Von den 14- bis 29-jährigen Nicht-Engagierten sind sogar zwei Drittel (66 Prozent) bereit, eine freiwillige Tätigkeit zu übernehmen.

Für Sportvereine bedeutet das: Wer junge Menschen gewinnen möchte, sollte aktiv auf sie zugehen und flexible, zeitlich begrenzte Engagementformate anbieten. Denn viele Jüngere stehen kurz vor Berufseinstieg oder Familiengründung und suchen überschaubare, gut planbare Aufgaben mit erkennbarem Sinn. Ganze 80 Prozent der jungen Menschen zählen die Anforderungen von Schule und Ausbildung zu den häufigsten Gründen, aus denen sie ihre freiwillige Tätigkeit einschränken oder beenden wollen.

Gleichzeitig ist die Kombination aus hoher Engagementquote und sehr hoher Bereitschaft der Nicht-Engagierten, ehrenamtlich tätig zu werden, bei den Menschen unter 30 ein klares Signal an politische Entscheidungsträger*innen, die Hürden für gesellschaftliches Engagement und auch für das Ableisten eines freiwilligen Gesellschaftsdienstes abzusenken, damit sich vorhandene Potentiale gut entfalten können.

Fazit: Sport braucht starke Rahmenbedingungen
Junge Menschen benötigen Engagementformate, die zeitlich planbar sind und Qualifizierungsmöglichkeiten beinhalten, etwa den Erwerb einer Lizenz des organisierten Sports. Eine materielle Anerkennung ist ebenso wichtig wie die Entlastung bei Aufgaben, die nicht direkt zu Sport und Bewegung gehören – etwa bei der Bürokratie.

Der Deutsche Freiwilligensurvey 2024 bestätigt: Sportvereine sind und bleiben ein zentraler Motor für junges Engagement, Gemeinschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit sie dieses Potenzial auch künftig voll ausschöpfen können, brauchen sie Planungssicherheit, schlanke Strukturen und ausreichende Ressourcen.


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