Sportvereine als Lernorte: dsj bringt sich in Zivildienst-Debatte ein

Quelle: LSB NRW/Andrea Bowinkelmann

dsj setzt sich für einen Zivildienst nach Vorbild der Freiwilligendienste ein – mit Bildung, Engagement und starken Strukturen im Sport

Zum 1. Januar 2026 ist das Wehrdienstmodernisierungsgesetz in Kraft getreten. Zukünftig soll regelmäßig überprüft werden, ob sich ausreichend junge Männer freiwillig zu einem Wehrdienst verpflichten, oder ob der Bundestag über die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht beraten muss. Sollte die Wehrpflicht wiedereingeführt werden, würde auch ein neuer Zivildienst notwendig werden. Vor diesem Hintergrund wurden Verbände, die Freiwilligendienste anbieten oder früher zentrale Zivildienststellen waren, durch das Bundesfamilienministerium befragt. Ziel war es, einen Überblick über bestehende Infrastrukturen, Einsatzstellen und Kapazitäten zu gewinnen sowie Vorschläge zur Entbürokratisierung und Modernisierung eines künftigen Zivildienstes zu sammeln.  

Auch die Deutsche Sportjugend (dsj) hat Stellung bezogen. Sie macht deutlich, dass ein neuer Zivildienst nicht als bloßer Ersatz für den Grundwehrdienst verstanden werden darf, sondern einen eigenständigen Beitrag zu gesellschaftlicher Resilienz leisten kann. Diese entsteht vor allem durch soziale Netzwerke, demokratische Teilhabe, Solidarität und Verantwortungsübernahme im Alltag. Entsprechend sollte der Zivildienst als zivilgesellschaftliches Lern- und Bildungsjahr ausgestaltet werden, in dem junge Menschen demokratische Erfahrungen sammeln, soziale Kompetenzen entwickeln und Verantwortung übernehmen. Die Freiwilligendienste im Sport zeigen seit Langem, wie wirksam solche Formate sind: Engagement in Sportvereinen, Schulen oder sozialen Einrichtungen stärkt Integration, Inklusion, Gesundheitsprävention und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Strukturell sollte sich ein neuer Zivildienst eng an den bestehenden Freiwilligendiensten orientieren. Gemeinsame Einsatzstellen und verzahnte Strukturen vermeiden den Aufbau neuer Parallelstrukturen und Bürokratien, erhöhen die Planungssicherheit und ermöglichen die Weiterverwendung bewährter pädagogischer und organisatorischer Konzepte. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Trägern der Freiwilligendienste zu. Ihre langjährige Erfahrung in pädagogischer Begleitung, Qualitätssicherung und Organisation ist für die Akzeptanz und erfolgreiche Umsetzung eines neuen Zivildienstes unverzichtbar. Angesichts veränderter Lebensrealitäten junger Menschen und zunehmender psychischer Belastungen ist zudem eine kontinuierliche, niedrigschwellige pädagogische Begleitung durch qualifizierte Fachkräfte – über reine Seminarangebote hinaus – von zentraler Bedeutung. 

Die Position der dsj basiert dabei auf den Leitgedanken, die in der Resolution „Für eine resiliente Gesellschaft: Freiwilligendienste im Sport stärken!“ verabschiedet wurden: Orientierung an den Bedarfen junger Menschen, Verständnis des Zivildienstes als Lern- und Orientierungsdienst, Einsatzfelder analog zu den Freiwilligendiensten – insbesondere im Sport –, vollständige Kostenübernahme durch den Bund, Integration in das bewährte Trägerprinzip, Wahlfreiheit, Bürokratiearmut und eine angemessene Dienstdauer. Unter diesen Voraussetzungen kann ein neuer Zivildienst zu einem wichtigen Baustein einer starken, demokratischen und resilienten Zivilgesellschaft werden. 


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