Von 6. bis 8. Mai 2026 organisierte die Deutsche Sportjugend (dsj) eine Erinnerungsfahrt in die Jugendherberge Sudelfeld – an den Ort, an dem sie 1950 gegründet wurde. Ziel der Fahrt war es, die historische Bedeutung dieses Ortes aufzuarbeiten, der in der Zeit des Nationalsozialismus als Außenlager des KZ Dachau sowie mit dem Berghaus als SS-Erholungsheim fungierte. Insgesamt nahmen 16 Teilnehmende an der Erinnerungsfahrt teil. Die dsj kooperierte bei der Organisation und Umsetzung der Erinnerungsfahrt mit dem Max Mannheimer Studienzentrum, das als erfahrene außerschulische Bildungseinrichtung das Programm, beispielsweise mit Fachinputs, Workshops und Austauschformaten pädagogisch begleitete.
Mit einem speziell auf den organisierten Sport ausgerichteten Programm bot diese Erinnerungsfahrt eine besondere Chance, sich an einem historischen Ort mit dem wichtigen Thema Erinnerungsarbeit persönlich auseinanderzusetzen, Häftlingsbiografien kennenzulernen und Einblicke in digitale Zeitzeugnisse zu erhalten. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, die Gründung der dsj näher zu beleuchten.
Neben einer vertieften Recherche zum Berghaus, das während des Nationalsozialismus errichtet und ab 1938 als SS-Erholungsheim genutzt wurde, wurden auch das umgebende Gelände, wie z. B. weitere von den Nationalsozialisten genutzte Flächen, in den Blick genommen. Bis zu 150 Häftlinge aus dem KZ Dachau wurden im Sudelfeld für Sanierungsarbeiten und zum Betrieb der Anlage eingesetzt. Neben dem von der SS als Erholungs- und Skiheim genutzten Berghaus (der heutigen Jugendherberge) wurde bspw. eine angrenzende Alm für die Landwirtschaft genutzt und die Häftlinge in den nahebei gelegenen Garagen auf engem Raum untergebracht. Zudem entstand ein SS-Luftwaffenstützpunkt mit Parabolspiegel, der für Hochfrequenztests genutzt wurde. Im nahegelegenen Ort Bayrischzell wurde das Hotel Alpenrose (das heute noch besteht) zum Lazarett umfunktioniert. Nach der Befreiung durch die US-Armee im Jahr 1945 wurde das Berghaus 1948 dem Freistaat Bayern überlassen und zur Nutzung als Jugendberghaus an den Bayrischen Jugendring übergeben. Im April 1950 fand schließlich die Gründungsversammlung der dsj im Jugendberghaus am Sudelfeld statt. Ab dem Jahr 1981 wurde es dem Deutschen Jugendherbergswerk zur Verfügung gestellt.
Erinnerungsarbeit im organisierten Sport ist durch nachdrückliches Wirken engagierter Menschen in den letzten Jahren ein stärker etabliertes Themenfeld geworden. Im Fußball, insbesondere im Kontext der Fansozialarbeit, finden seit einigen Jahren regelmäßig Gedenkstättenfahrten und Auseinandersetzungen mit den Vereinsgeschichten statt. Auch die dsj und dsj-Mitgliedsorganisationen haben bereits Gedenkstättenfahrten umgesetzt (z. B.: dsj-Gedenkstättenfahrt 2022 nach Dachau). Die dsj will für dieses Thema sensibilisieren, Hemmungen abbauen und einen aktiven Umgang damit fördern. Die Fahrt ins Sudelfeld stellt einen weiteren wichtigen Baustein in die dsj-Erinnerungsarbeit dar, die weitere Aktivitäten anstoßen und die Verflechtung des Sports mit Aufarbeitung grundsätzlich vorantreiben soll.
Einen interessanten Einblick in die Rolle des Sports im KZ-Dachau bietet der Film „Fußball auf dem Appellplatz“, der als Teil des Projekts „Demokratieförderung im Sport“ entstanden ist.