Klare Haltung für einen offenen und vielfältigen Sport in unserer demokratischen Gesellschaft

Quelle: PM Hoffmann

Positionierung von DOSB und dsj zum Umgang mit antidemokratischen und menschenfeindlichen Parteien, Gruppierungen und Akteur*innen

Der gemeinnützige, organisierte Sport steht für ein respektvolles, faires und offenes Miteinander.

Sportvereine sind Orte der Begegnung und des gelebten gesellschaftlichen Zusammenhalts, der inklusiv ist.

Gleichzeitig steigen die Zustimmungswerte für extremistische, insbesondere rechtsextreme, sowie antisemitische und menschenfeindliche Positionen bedenklich – antidemokratische Handlungen und Haltungen (1) erfahren mehr Akzeptanz. Diese Entwicklungen finden Bestätigung in verschiedenen Untersuchungen und validen Analysen (2). Unsere Sorge um die Verfasstheit unserer Gesellschaft und über die Zunahme antidemokratischer und menschenfeindlicher Einstellungen und Verhaltens weisen, die den freiheitlichen Grundwerten widersprechen, ist bei uns aus diesen Gründen in den letzten Monaten deutlich gewachsen.

Wir erkennen zunehmende Verunsicherungen in unserer Gesellschaft, die eben auch in Sportvereinen in Konflikten, anderen Formen der Auseinandersetzung oder Rückzug sichtbar werden.

Wir bemerken Sprachlosigkeit bei der Bearbeitung dieser Konflikte und Ratlosigkeit im Umgang mit Parteifunktionär*innen, die die Prinzipien der liberalen Demokratie in Frage stellen oder gar unterminieren.

Wir sehen, dass gesellschaftliche Errungenschaften rückgebaut werden und stellen fest, dass Radikalisierung vermehrt auch online stattfindet, aber die Auswirkungen vor Ort zu spüren sind.

Wir stellen uns selbst Fragen und sind auf der Suche nach den passenden Antworten – eine davon ist diese Positionierung.

Konkret wissen wir um die Häufung von rechtsextremen Interventionen und antidemokratischen Vorfällen im organisierten (Jugend-) Sport. Diese Einstellungsmuster schaden Sportvereinen und -verbänden, weil sie Sportler*innen ausgrenzen oder diskriminieren, sich Ehrenamtliche und Engagierte zurückziehen und ein offenes und positives Vereinsklima beschädigt wird. Beispielsweise widerspricht die Idee eines Leistungssports, der die Inszenierung von völkischer Überlegenheit als Propaganda nutzt, fundamental unserer Haltung für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft.

Auch Antisemitismus tritt im Sport verstärkt durch rechtsextreme Ideologie, verschiedene Formen von religiösem Extremismus und autoritär-linker bzw. antiimperialistischer Einstellungen und Handlungen auf – insbesondere seit dem 7. Oktober 2023.

Umso mehr stehen wir hinter den Zielen und Grundprinzipien, dass der wertebasierte Sport

  • gemeinsam Vereinssport treiben und Gemeinschaft erleben ist, aber auch mehr als nur Bewegung,
  • für eine starke und lebendige Gemeinschaft steht,
  • ein verantwortungsvolles Miteinander bedeutet,
  • Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts gleichermaßen ein sicheres, gesundes Umfeld bieten soll,
  • ein solidarischer Platz für Begegnung und Bewegung für alle Menschen sein soll,
  • sowohl Grundlage wie auch Teil einer offenen Gesellschaft ist,
  • den Schutz vor jeder Form von Gewalt als originäre Aufgabe sieht,
  • nur in einem pluralen Staat mit demokratischen Spielregeln und Grundrechten bestehen kann,
  • zwar in Vereinen und Verbänden unterschiedliche, an die unterschiedlichen Realitäten angepasste Antworten findet, aber im Kern eine gemeinsame Haltung vertritt.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) haben sich bereits im Jahr 2020 entschieden für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft positioniert. Diese klare Haltung erneuern und stärken wir nun mit dieser überarbeiteten Version des Positionspapiers.
Denn viele Sportvereine bis hin zu ihren Bundesverbänden übernehmen Verantwortung und finden vielfältige Antworten – so vielfältig, wie der Sport selbst ist.

Sportvereine demonstrieren verstärkt seit 2024 für ein demokratisches Miteinander, gegen Rassismus und Antisemitismus; Sportverbände positionieren sich klar; (junge) Engagierte vor Ort setzen sich ein für einen Sport für alle. Insbesondere die Ehrenamtlichen in den Dörfern und Städten halten die Fahnen für den wertebasierten Sport hoch und gehen mit den großen, gesellschaftspolitischen Konfliktlinien um. Sie zeigen Haltung für einen gewaltfreien, menschenfreundlichen und vielfältigen Sport und bleiben standhaft. Das machen sie, weil sie wissen, dass Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Kern sportfeindlich sind (3). Denn wie würden Vereine ausschauen, wenn sie nach völkischen, antisemitischen und rassistischen Ideologien funktionieren würden?

All denjenigen, die sich für den demokratischen (Jugend-) Sport, für Kinder- und Menschenrechte und für die Werte des Sports engagieren, versprechen wir:
Wir stehen an eurer Seite.

Und auch über den Sport hinaus sind wir solidarisch mit denjenigen, die unsere Werte teilen und vermehrt unter Druck stehen, und engagieren uns in entsprechenden Netzwerken.

Der organisierte Sport ist zwar parteipolitisch neutral, aber nicht gesellschaftspolitisch neutral.

Deshalb sagen wir unmissverständlich:
Wir stehen mit eindeutiger Haltung für unseren Sport in der demokratischen Gesellschaft und stellen uns gegen Extremismus, völkische Nationalismen, Geschichtsrevisionismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung – auch wenn aus strategischen Gründen versucht wird, uns (teilweise gewaltvoll) einzuschüchtern, mundtot zu machen, zu unterwandern oder rechts- extreme Ideologien in unseren Strukturen zu verbreiten.

Als in diesem Zusammenhang relevante antidemokratische und menschenfeindliche Gruppierungen und Akteur*innen gelten für uns unter anderem

  • die (in Teilen) rechtsextremen Parteien Alternative für Deutschland, Die Heimat (ehemals NPD), der III. Weg, Die Rechte sowie Gruppierungen wie die Identitäre Bewegung, sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter, Völkische Siedler*innen und Jugendorganisationen wie Generation Deutschland.
  • ultranationalistische und rechtsextreme Organisationen wie die türkische Ülkücü-Bewegung (sogenannte Graue Wölfe) oder die kroatische Ustaša-Bewegung,
  • politisch- bzw. dschihadistisch-salafistische und islamistische Gruppierungen oder christliche Fundamentalist*innen (religiös-begründeter Extremismus),
  • autoritäre und/oder antiimperialistische linke Akteur*innen (4),
  • die (in Teilen) rechtsextremen oder antidemokratischen Denkfabriken, Netzwerke und „alternative“ Medien, die auch ideologisiert Sportberichterstattung machen bzw. zum Sport arbeiten, wie beispielsweise die Zeitung COMPACT oder das Netzwerk EinProzent.

Die aufgeführten Parteien, Gruppierungen und Akteur*innen sind dabei als exemplarisch zu verstehen.

Die Programmatik antidemokratischer und rechtsextremer Parteien, Personen oder Organisationen steht im eindeutigen Widerspruch zu den Werten des organisierten Vereins- und Verbandssports, die unter anderem in der DOSB-Satzung und in der dsj-Jugendordnung rechtssicher verankert sind (5). Wer zu unseren Werten steht, kann diese menschenverachtenden Ideologien und ihre Vertretungen nicht ernsthaft unterstützen. Wir haben aus unserer Geschichte gelernt und nehmen das „Nie wieder“ als Mahnung und als unseren Kompass.

Wir werden menschenverachtenden, rechtsextremen, antisemitischen, diskriminierenden und antidemokratischen Haltungen und Handlungen daher weiterhin deutlich widersprechen und ihnen keinen Raum im Sport geben.

Gemeinsam treten wir für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft ein!

Hintergrund

Die vorliegende Positionierung basiert auf dem Positionspapier von dsj und DOSB aus dem Jahr 2020. Zur Verbesserung der Lesbarkeit wurde der Text in zwei Dokumente aufgeteilt. Die hier vorliegende Kern-Positionierung sowie ein Maßnahmenkatalog mit Handlungsprinzipien für dsj- und DOSB-Geschäftsstelle, Vorstände und Präsidium, der die Positionierung konkretisiert. Weiterhin wurde der Begriff „Antidemokratisch“ bzw. „Antidemokratische Haltungen und Handlungen“ definiert und ausgeführt.

Das Positionspapier wurde durch die geschäftsbereichsübergreifende DOSB-Kompetenzgruppe „Sport und Demokratie“ entworfen und in einem Prozess mit Expert*innen von dsj, DOSB und Expert*innen aus Gremien von dsj und DOSB weiterentwickelt. Verabschiedet wurde die Position Anfang Mai 2026 durch die Vorstände von dsj und DOSB sowie durch das DOSB-Präsidium.

In einem weiteren Prozess und im Sinne der Idee von Organisationsweiterentwicklung wird eine Handlungsmatrix entstehen, die die Kolleg*innen von dsj und DOSB in ihrer täglichen Arbeit unterstützen soll.

Anhänge:

Download des Positionspapiers
Anhang 1: Maßnahmenkatalog mit Handlungsprinzipien
Anhang 2: Begriffserläuterung „Antidemokratische Haltungen und Handlungen“

 

(1) Definition und Erläuterung zum Begriff des Antidemokratischen aus Sicht von dsj und DOSB mit konkreten Beispielen sind hier zusammengefasst.
(2) Auswahl: Mitte-Studien der Universität Bielefeld, insbesondere die Ausgaben aus den Jahren 2020/21 und 2022/23 mit Untersuchungen zu Einstellungen von Vereinsmitgliedern; die Autoritarismus-Studien der Universität Leipzig, insbesondere die Untersuchungen zu Einstellungen im Ehrenamt; die Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung „WAS UNS PRÄGT. WAS UNS EINT.“; Studie von Lasse Müller, MAKKABI Deutschland, „ZWISCHEN AKZEPTANZ UND ANFEINDUNG – Antisemitismuserfahrungen jüdischer Sportvereine in Deutschland“ 2021; Studie der Bergischen Universität Wuppertal „Rassismus und Rassismuskritik im Vereinssport. Ein Bericht über die Omnipräsenz von Rassismus im Sport und über das weiße Privileg, ihn übersehen zu können“ 2025.
(3) Studie „Rechtsextremismus im Sport“, Claus/Behn.
(4) In Bezug auf Antisemitismus im Sport.
(5) Gutachten „Die umkämpften Werte des Sports“, Gebhardt.


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