Junge Menschen verfügen heute über viel Wissen zu Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltfragen. Doch gleichzeitig wächst bei vielen das Gefühl, dass politische und gesellschaftliche Akteure nicht konsequent genug handeln. Genau dieses Spannungsfeld zeigt die Greenpeace-Jugendstudie „Nachhaltigkeitsbarometer 2025“, die aktuellen Erwartungen und Einstellungen der Generation Z untersucht.
Demnach gehören Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz für junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren weiterhin zu den wichtigsten gesellschaftlichen Themen. Allerdings hat sich der Blick geweitet: Fragen wie steigende Lebenshaltungskosten, politische Unsicherheiten oder die Stabilität demokratischer Strukturen werden zunehmend mit Nachhaltigkeit zusammengedacht. Besonders kritisch sehen viele Jugendliche die ungleiche Verteilung von Verantwortung: Einkommensstarke Bevölkerungsgruppen verursachen überdurchschnittlich viele CO₂-Emissionen, während vor allem jüngere Generationen die langfristigen Folgen tragen müssen.
Zwei Drittel der Befragten äußern daher große Sorgen um das Klima – verbunden mit deutlicher Frustration. Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik nicht ausreichend gehört und nehmen politische Akteure als wenig veränderungsbereit wahr.
Mehr als Wissen: Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die Studie zeigt zugleich, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Schulen und Hochschulen inzwischen deutlich präsenter ist als noch vor einigen Jahren. Nachhaltigkeit ist vielerorts Teil des Unterrichts geworden. Dennoch fühlen sich viele Jugendliche nicht ausreichend auf die Zukunft vorbereitet. Aus ihrer Sicht bleibt Nachhaltigkeit im Bildungssystem häufig theoretisch: Fächerübergreifende Ansätze, langfristige Projektarbeit und echte Beteiligungsmöglichkeiten kommen noch zu selten vor.
Dabei geht es bei BNE längst nicht mehr nur um Faktenwissen. Junge Menschen wünschen sich vor allem die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und Zukunft mitzugestalten. Es geht um Gestaltungskompetenz – also darum, eigene Ideen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen praktisch umzusetzen.
Sportvereine als Orte der Selbstwirksamkeit
Und genau hier stellt sich die Frage: Was hat das alles mit Sport zu tun?
Eine ganze Menge. Sportvereine sind für viele junge Menschen Orte, an denen genau diese Erfahrungen möglich werden. Hier können sie Verantwortung übernehmen, Projekte entwickeln und gemeinsam Veränderungen anstoßen. Ob als Trainer*innen im Nachwuchsbereich, bei Kooperationen mit Kitas und Schulen, in der Organisation von Vereinsprojekten oder bei Initiativen für mehr Nachhaltigkeit im Vereinsalltag – Jugendliche erleben unmittelbar, dass ihr Engagement Wirkung hat.
Auch kleine Schritte können dabei große Bedeutung haben: nachhaltige Mobilität zum Training, ressourcenschonende Veranstaltungen, soziale Projekte im Verein oder Engagement gegen Diskriminierung. Solche Erfahrungen stärken nicht nur das Verantwortungsgefühl, sondern zeigen jungen Menschen ganz konkret, dass gesellschaftliche Veränderung möglich ist.
Sport stärkt Zukunftskompetenzen und mentale Gesundheit
Diese Erfahrungen sind besonders wichtig, weil viele Jugendliche aktuell von Zukunftssorgen und Unsicherheit geprägt sind. Studien wie die JuCo-Studien oder das Forschungsprojekt MOVE zeigen, dass sich gesellschaftliche Krisen zunehmend auf das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit junger Menschen auswirken.
Sport und Bewegung können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Regelmäßige körperliche Aktivität hilft, Stress abzubauen und stärkt die Resilienz. Gleichzeitig schaffen Sportvereine soziale Räume, in denen Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Teamgeist erlebt werden. Gerade diese sozialen Erfahrungen können dazu beitragen, Ohnmachtsgefühle zu verringern und Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken.
Hinzu kommt: Vereine bieten echte Beteiligungsmöglichkeiten. Junge Menschen können Projekte für mehr Gleichberechtigung entwickeln, interkulturelle Begegnungen organisieren oder sich in kommunale Initiativen einbringen. Sie lernen dabei ganz praktisch, wie nachhaltige Entwicklung im Alltag umgesetzt werden kann.
Den Sportverein als Lern- und Erfahrungsraum stärken
Die Ergebnisse der Jugendstudie machen deutlich: Wissen über Nachhaltigkeit ist vorhanden. Was vielen jungen Menschen fehlt, sind konkrete Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Beteiligung.
Sportvereine können genau solche Räume bieten. Sie ermöglichen jungen Menschen, Verantwortung zu übernehmen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und gesellschaftliche Veränderung aktiv mitzugestalten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung – und stärken gleichzeitig Gesundheit, Gemeinschaft und demokratische Teilhabe.
Umso wichtiger ist es, den Sportverein weiterhin als Lern-, Erfahrungs- und Gestaltungsraum für junge Menschen zu stärken.