Zukunft des Jugendsports in der DOSB-Ausbildungsreform neu denken

Quelle: Ernestin Lauber

Befragung der dsj und ihrer Mitgliedsorganisationen gibt Aufschluss über die zukünftige Ausrichtung der aktuellen Jugendleiter*innen-Lizenz im Sport

Der DOSB, die dsj sowie ihre Mitgliedsorganisationen sind sich einig: Es braucht eine Reform des DOSB-Ausbildungssystems. Es braucht attraktive Qualifizierungsmöglichkeiten, einheitliche Qualitätsstandards und Qualifizierungsangebote, die ganz nah an den Bedürfnissen der Engagierten, den zahlreichen Trainer*innen, Übungsleiter*innen und Jugendleiter*innen ausgerichtet sind. Das wurde im Rahmen der dsj- und DOSB-Tagungen am 29. und 30. April 2026 in Hannover deutlich, in der Jugendbildungsreferent*innnen, Vertretungen aus Leistungssport und Wissenschaft oder Sportentwicklung zusammenkamen, um das Ausbildungssystem der Zukunft zu entwickeln. Dass das keine leichte Aufgabe ist, haben unterschiedliche Perspektiven im Rahmen von Workshops gezeigt. Umso wichtiger war es der dsj und ihren Mitgliedorganisationen die Engagierten selbst zu befragen und zu ermitteln, was genau sie eigentlich tun und in Qualifizierungen brauchen.

„Wir müssen attraktive Lizenzen für die vielen Engagierten im Sport schaffen und stärker darauf schauen, welche Kompetenzen Trainer*innen oder Jugendleiter*innen im Alltag wirklich brauchen, damit wir die Qualität des Kinder- und Jugendsports sichern und zeigen können: Hey, Eltern und Politik, bei uns im Sportverein wird jedes einzelne Kind bewegt und lernt sogar etwas für den weiteren Lebensweg!"

Bei den Tagungen wurden erste Arbeitsgruppen und Schwerpunkte gesetzt, nun geht es bis Ende 2028 darum, möglichst partizipativ neue Rahmenrichtlinien mit Wissenschaft und Sportsystem auf die Beine zu stellen. Die dsj ist Teil des Projektteams und trägt insbesondere die Verantwortung für die Jugendleiter*innen – sowie in Teilen die ÜL C-Lizenz mit dem Profil Kinder und Jugendliche.

Jugendleiter*innen als Schlüsselpersonen im Verein
Die dsj hat sich bereits 2025 mit ihren Jugendorganisationen auf den Weg gemacht und die Jugendleiter*innen-Lizenz kritisch beleuchtet. Wie können Sportvereine Jugendliche besser binden, junge Menschen für Engagement gewinnen und die Jugendarbeit im Sport nachhaltig stärken? Eine mögliche Antwort lautet: indem die Jugendverantwortlichen, Jugendvorstände und -warte im Sportverein im Rahmen einer Jugendleiter*innen-Lizenz – als wichtiger Baustein für zukunftsfähige Jugendarbeit im Sport – genau dafür qualifiziert werden.

Eine bundesweite Befragung von fast 800 Jugendverantwortlichen in Sportvereinen, durchgeführt von Januar bis März 2026 durch die dsj und ihre Mitgliedsorganisationen, zeigt deutlich: Jugendverantwortliche im Sportverein übernehmen heute weit mehr als klassische Organisationsaufgaben. Sie begleiten junge Menschen sportpädagogisch (bspw. auch Juniorteams) im Vereinsalltag, fördern Spaß am Sport, vertreten Jugendinteressen im Vorstand und schaffen sichere Räume für Entwicklung.

Gleichzeitig wird sichtbar: Die Anforderungen steigen – die Zahl der ausgestellten Jugendleiter*innen-Lizenzen sinkt jedoch seit Jahren (3,4% aller Engagierten, Sportentwicklungsbericht). Besonders bemerkenswert: Rund acht von zehn Jugendverantwortlichen sind eng an Vereinsvorstände angebunden oder selbst Teil davon. Damit übernehmen sie eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Jugend und Vereinsstruktur. Sie sind also wichtige Engagierte, die Jugendinteressen verstehen und vertreten!

Neue Herausforderungen brauchen neue Qualifizierung
Die Befragung zeigt aber auch, wo Unterstützungsbedarf besteht. Viele Jugendverantwortliche wünschen sich künftig mehr Kompetenzen in den Bereichen:

  • Kommunikation und Konfliktlösung
  • Jugendbeteiligung und Demokratieförderung
  • Schutzkonzepte und Aufsichtspflicht
  • Drop-out-Prävention im Jugendalter
  • Zusammenarbeit mit Eltern, Schulen und Partnern
  • moderne Vereinsentwicklung und digitale Tools

Gleichzeitig bevorzugen viele Engagierte flexible Ausbildungsformate mit einem hohen Praxisbezug – etwa in Form von Wochenendmodulen mit ergänzenden hybriden Elementen.

Ein neues Ausbildungskonzept entsteht
Auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse entwickelt die Deutsche Sportjugend gemeinsam mit ihren Mitgliedsorganisationen ein neues Qualifizierungsmodell. Diskutiert wird ein modularer Aufbau mit einem verpflichtenden Teil und frei wählbaren Modulen. Dadurch könnte die Ausbildung künftig stärker an die unterschiedlichen Realitäten der Jugendverantwortlichen im Sport angepasst werden.

Die Ergebnisse der Befragung unterstreichen: Wer Jugendliche im Sport halten will, muss diejenigen stärken, die Jugendarbeit im Verein möglich machen. Jugendleiter*innen oder, wie sich knapp die Hälfte der Jugendverantwortlichen selbst wünscht, in Zukunft: „JugendsportCoaches“ sind dabei nicht nur Organisator*innen – sie sind Begleiter*innen, Interessenvertretung junger Menschen und Zukunftsgestalter*innen zugleich.

Die Weiterentwicklung der Jugendleiter*innen-Lizenz ist deshalb mehr als eine Reform der Ausbildung: Sie ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft des Kinder- und Jugendsports in Deutschland.


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