Drei Männer stehen in einem Raum und halten ein Dokument in den Händen. Im Hintergrund sind Banner mit Informationen über die Deutsche Schulsportstiftung und das Projekt "Jugend trainiert". Die Männer wirken erfreut und engagiert.

Quelle: sampics016

Booster für den Kinder- und Jugendsport in Deutschland

Landessportbünde Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen fordern nationale Initiative für den Kinder- und Jugendsport

Zehn Tage vor der Entscheidung über die deutsche Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 setzen die Landessportbünde der drei Bewerberstädte und -regionen ein gemeinsames Zeichen für die Zukunft des Sports in Deutschland. Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbands, Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin, und Stefan Klett, Präsident des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen, haben am Mittwoch in der Hessischen Landesvertretung in Berlin eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Darin fordern sie, die in den drei Bewerbungskonzepten vorgesehenen Maßnahmen für den Kinder- und Jugendsport unabhängig vom Ausgang der Entscheidung am 26. September für Berlin, München oder KölnRheinRuhr bundesweit aufzugreifen und umzusetzen.

Die Deutsche Sportjugend begrüßt gemeinsame Erklärung
"Von der Olympia- und Paralympics-Bewerbung muss ein Booster für den Kinder- und Jugendsport in ganz Deutschland ausgehen“, lautet der zentrale Anspruch der Erklärung. Die drei Landessportbünde wollen damit aus dem Wettbewerb um die deutsche Bewerbung eine langfristige Kooperation für die Sportentwicklung in Deutschland machen.

„Die Deutsche Sportjugend unterstützt diese Erklärung ausdrücklich, weil von einer Bewerbung für olympische und paralympische Spiele ein nachhaltiger Impuls für alle jungen Menschen im Sport ausgehen muss – in Schule, Verein und Gesellschaft. Entscheidend ist, dass die Förderung des Kinder- und Jugendsports nicht vom Ausgang einzelner Bewerbungen abhängt, sondern bundesweit verbindlich, chancengerecht und gemeinsam mit Sport, Jugend und Bildung vorangebracht wird.“, so Stefan Raid, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend.

„Um bei den Olympischen und Paralympischen Spielen im eigenen Land goldene Momente mit großer Strahlkraft und Begeisterung der Menschen zu bekommen, beginnen wir bereits heute, unsere Jugend – also die Kindergarten- und Grundschulkinder – mit den bestmöglichen Strategien und Strukturen zu fördern“, erklärt Jörg Ammon. Der Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbands verweist dabei auf die Rückkehr zur dritten Sportstunde in allen ersten Klassen in Bayern ab dem Schuljahr 2027/28 und auf die Bedeutung gezielter Talentsichtung und Talententwicklung. 

Thomas Härtel betont die Wirkung, die eine Olympia- und Paralympics-Bewerbung bereits lange vor einer möglichen Austragung entfalten kann: „Olympia und die Paralympics wirken vor Ort – in ganz Deutschland.“ In Berlin habe die Bewerbung bereits Prozesse angestoßen, die Bewegung in der Schule, die Zusammenarbeit von Schulen und Vereinen und die Schwimmfähigkeit von Kindern stärken sollen. Härtel: „Wenn Kinder und Jugendliche beste Voraussetzungen vorfinden, sportlich aktiv zu werden, verbessern sich die Möglichkeiten für alle Menschen.“

Auch Stefan Klett sieht in der Bewerbung vor allem eine Chance für nachhaltige Veränderungen: „Olympische und Paralympische Spiele können dann ihre größte Kraft entfalten, wenn sie langfristig etwas bewegen. Für uns steht deshalb im Mittelpunkt, dass die Impulse der deutschen Bewerbung zu einem echten Gewinn für den Kinder- und Jugendsport werden.“ Mehr Bewegung im Alltag, eine stärkere Verankerung von Sport in Schule und Ganztag, engere Partnerschaften zwischen Schulen und Sportvereinen sowie eine bessere Förderung junger Talente seien Aufgaben, die weit über die Entscheidung über den Austragungsort hinausreichten.

Gemeinsam für Bewegung, Talente und Chancengerechtigkeit
Die drei Landessportbünde erklären in ihrer Vereinbarung, die Maßnahmen ihrer jeweiligen Bewerbungskonzepte unabhängig vom Ausgang der Abstimmung aktiv zu unterstützen. Dazu gehören insbesondere die Förderung des Kinder- und Jugendsports, die Einführung einer täglichen Bewegungsstunde, ein besonderer Fokus auf den Nachwuchsleistungssport sowie eine chancengerechte Talenterkennung und -entwicklung in Schule und Verein. 

Ausdrücklich gestärkt werden sollen dabei auch verlässliche Wettbewerbe wie Jugend trainiert für Olympia & Paralympics und die Bundesjugendspiele, die von der Kooperation zwischen Schule und Verein getragen werden. Zudem wollen die drei Landessportbünde die bundesweite Kooperationsplattform unterstützen, die im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Kinder- und Jugendsport die Voraussetzungen für eine bessere Talenterkennung und -förderung zusammenführen soll. 

Die Erklärung findet breite Unterstützung im Sport. Gemeinsam ist den Statements der Athletinnen und Athleten, Sportjugend- und Behindertensportverantwortlichen sowie der Deutschen Schulsportstiftung und Wissenschaft vor allem die Überzeugung, dass die Bewerbung schnellstmöglich Wirkung entfalten muss. Sie soll bereits heute bessere Bedingungen für Bewegung, Sport und Talententwicklung schaffen – und zwar für Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland und unabhängig vom Ausgang des Bewerbungsverfahrens.

Olympiasiegerin Svenja Brunckhorst begrüßt deshalb ausdrücklich, dass sich die Landessportbünde der drei Bewerberstädte bzw. -regionen auf eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit verständigt haben. Beachvolleyballerin und Vizeweltmeisterin Karla Borger verbindet damit die Forderung nach einer „Bewegungsgarantie“ für jedes Kind und besseren Zugängen zum Sport. Alexandra Burghardt, Medaillengewinnerin bei Olympischen Sommer- und Winterspielen, mahnt, es brauche moderne Trainingsbedingungen und eine zeitgemäße Sportinfrastruktur, damit die nächste Generation ihre Chancen bestmöglich nutzen könne. Mareike Miller, Paralympics-Siegerin im Rollstuhlbasketball, hebt insbesondere die Bedeutung inklusiver Bewegungs- und Sportangebote sowie der gleichberechtigten Stärkung von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics hervor. 

Politischer Rückenwind für den gemeinsamen Vorstoß
Die Initiative fügt sich ein in laufende Prozesse mit dem Ziel ein, Bewegung, Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche zu stärken. Bspw. ist es mit der Einrichtung der sog. Kooperationsplattform „Kinder- und Jugendsport“ im Jahr 2024 unter Beteiligung von Deutscher Sportjugend (dsj), Sportministerkonferenz (SMK), Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Bildungsministerkonferenz (BMK), kommunalen Spitzenverbänden gelungen, in  eine ressortübergreifende Zusammenarbeit politischen Rückenwind für ein gemeinsames Handeln von Sport, Jugendhilfe, Bildung, Gesundheit und Kommunen zu schaffen. Folgende Beschlüsse wurden in den Jahren 2025/2026 gefasst:

Quelle: Deutsche Schulsportstiftung (ergänzt durch die dsj)
 


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