Ein Kind springt mit Freude in einen Sandgrube beim Weitsprung. Im Hintergrund stehen zwei Erwachsene, die den Sprung beobachten. Der Himmel ist blau und die Umgebung ist eine Sportanlage.

Quelle: LSB NRW/Andrea Bowinkelmann

Die Bundesjugendspiele: Mehr als Wettkampf oder Wettbewerb

Ein Kommentar von Stefan Raid

Am vergangenen Donnerstag wurde entschieden, den Schulen künftig die Möglichkeit einzuräumen, die Bundesjugendspiele in der Grundschule entweder als Wettbewerb oder wieder als Wettkampf durchzuführen. Damit wird eine Regelung angepasst, die in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert wurde. Die Entscheidung hat seitdem erneut eine breite öffentliche Debatte ausgelöst – immer verbunden mit der grundsätzlichen Frage, welchen Stellenwert Leistung, Vergleich und Wettbewerb im Schulsport haben sollen.

Ich halte diese Diskussion jedoch für verkürzt. Aus meiner Sicht geht es bei den Bundesjugendspielen nicht in erster Linie um die Frage, ob sie als Wettkampf oder Wettbewerb stattfinden. Viel wichtiger ist, ob wir Kindern und Jugendlichen überhaupt die Voraussetzungen bieten, regelmäßig Sport zu treiben, Freude an Bewegung zu entwickeln und vielfältige sportliche Erfahrungen zu sammeln.

Ich befürworte weiterhin die Durchführung der Bundesjugendspiele in der Grundschule als Wettbewerb. Diese Form ermöglicht aus meiner Sicht mehr Bewegungszeit für die Kinder und setzt stärkere Anreize zur aktiven Teilnahme. Gerade im Grundschulalter sollte es darum gehen, möglichst viele Kinder für Sport und Bewegung zu begeistern. Wer früh positive Erfahrungen macht, entwickelt eher langfristiges Interesse an sportlicher Aktivität – und genau das sollte unser gemeinsames Ziel sein.

Dabei lohnt sich ein Blick auf andere Bereiche des schulischen Lernens. Kinder lernen in der Schule lesen. Sie üben über Jahre hinweg, werden begleitet und gefördert. Wer besondere Freude daran entwickelt oder besonders gut liest, kann sich beim Vorlesewettbewerb messen. Ähnlich verhält es sich in Mathematik: Grundlagen werden vermittelt, Fähigkeiten werden aufgebaut, und wer möchte oder besondere Talente zeigt, kann an Wettbewerben teilnehmen.

Im Sport ist die Situation oft eine andere. Bei den Bundesjugendspielen treten alle Kinder an – unabhängig davon, ob ihnen die entsprechenden Bewegungsformen ausreichend vermittelt wurden, ob sie diese bereits regelmäßig geübt haben, ob sie sportlich besonders aktiv sind oder ob sie überhaupt einen Zugang zum Sport gefunden haben. Von ihnen wird erwartet, Leistungen in Disziplinen zu zeigen, auf die sie nicht überall gleichermaßen vorbereitet werden. Deshalb müssen wir zuerst über die Voraussetzungen sprechen und nicht über die Form der Leistungsbewertung.

Viele Schulen kämpfen mit fehlenden Hallenzeiten, sanierungsbedürftigen Sportstätten, mangelnden Schwimmbadkapazitäten oder personellen Engpässen. Noch immer fällt Sportunterricht aus, wird viel zu oft, gerade im Grundschulbereich, fachfremd unterrichtet oder kann nicht im vorgesehenen Umfang stattfinden. Gleichzeitig erleben wir, dass sich Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen zunehmend bemerkbar macht. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir wenig zielführend, die Debatte vor allem auf die Frage Wettkampf oder Wettbewerb zu verengen.

Deshalb erwarte ich nach der Entscheidung der Bildungsministerkonferenz vor allem eines: dass nun die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Bundesjugendspiele an allen Schulen stattfinden können und jedes Kind die Möglichkeit erhält, erfolgreich daran teilzunehmen. Dazu gehören ausreichend qualifizierte Lehrkräfte, funktionierende und erreichbare Sportstätten, genügend Zeit für Sport und Bewegung im Schulalltag sowie eine pädagogische Vorbereitung und Begleitung der Veranstaltung.

Die Bundesjugendspiele sind mehr als eine einzelne Schulveranstaltung. Sie sind für viele Kinder eine der ersten Gelegenheiten, sich in unterschiedlichen Disziplinen auszuprobieren, eigene Fortschritte zu erleben und Sport als Gemeinschaftserlebnis wahrzunehmen. Deshalb sollte am Ende nicht die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Organisationsform gewählt wird. Entscheidend ist, dass die Spiele wieder flächendeckend durchgeführt werden, dass alle Kinder daran teilnehmen können und dass sie mit einem positiven Erlebnis nach Hause gehen.

Wenn wir erreichen wollen, dass junge Menschen dauerhaft Freude an Bewegung entwickeln, den Weg in den organisierten Sport und dann vielleicht in den Leistungssport finden, dann müssen wir den Fokus auf die Rahmenbedingungen richten. Die Debatte über Wettkampf oder Wettbewerb ist legitim. Sie darf aber nicht davon ablenken, dass die eigentliche Notwendigkeit darin besteht, Bewegung, Sport und körperliche Aktivität wieder stärker im schulischen Alltag und in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zu verankern.


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