Die „Influencerinnen“ des organisierten Sports

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Mädchen und junge Frauen gehören ins Zentrum des Sports, nicht an den Rand

Ob Franziska Preuß im Biathlon, Eileen Gu im Ski Freestyle oder Anna Elendt im Schwimmen – sie stehen für Leistungsstärke, Disziplin und Leidenschaft. Sie inspirieren junge Mädchen, an sich zu glauben, dranzubleiben und ihren eigenen Weg zu gehen.  

Auch Gesa Krause, die Spitzensport und Muttersein verbindet, zeigt: Weibliche Lebensrealitäten und sportliche Exzellenz schließen sich nicht aus. Giulia Gwinn und Laura Freigang stehen für eine neue, selbstbewusste und sichtbare Generation im Fußball. Legenden wie Steffi Graf haben Maßstäbe gesetzt, Pionierinnen wie Bibiana Steinhaus-Webb haben Strukturen verändert – als erste Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga. 

Sie alle sind Vorbilder. Oder anders gesagt: die „Influencerinnen“ des organisierten Sports. Und wir brauchen mehr von ihnen – für starke Mädchen von morgen. 

Frauen im Sport: Viel Potenzial, viele Hürden 
Gleichzeitig zeigt die Realität: Mit Beginn der Pubertät steigen die Drop-out-Zahlen von Mädchen im Sport deutlich. Leistungsdruck, fehlende weibliche Vorbilder oder Angebote, die nicht zu ihren Bedürfnissen passen, führen dazu, dass viele dem Vereinssport den Rücken kehren. Zudem sind jugendliche Mädchen häufiger von Stress, geringem Wohlbefinden oder depressiven Verstimmungen betroffen als Jungen. Aktuelle Studien wie MOVE (2023–2025) belegen jedoch, dass gerade Mädchen stark von regelmäßiger Bewegung und vom Sport im Verein profitieren. Aktive Jugendliche fühlen sich ausgeglichener, selbstbewusster und mental stabiler als ihre inaktiven Gleichaltrigen. Vorbilder spielen dabei eine zentrale Rolle. Mädchen orientieren sich häufig an gleichgeschlechtlichen Bezugspersonen, mit denen sie sich identifizieren können – in unterschiedlichen Körpern, Biografien und Lebensentwürfen. Wenn sie Trainerinnen, Schiedsrichterinnen oder weibliche Führungskräfte erleben, wird sichtbar, was möglich ist. Das stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und fördert Selbstwirksamkeit nach dem Motto: „Wenn sie das kann, kann ich das auch.“ Gleichzeitig zeigen solche „Influencerinnen“, dass Rückschläge zum Weg dazugehören und nicht sein Ende sind. Sie wirken damit weit über die Leistungsebene hinaus und vermitteln Werte wie Respekt, Fairness, Teamgeist und mentale Stärke.  

Es ist Zeit, für „WECOACHGIRLS“ 
Erkenntnisse aus europäischen Projekten wie ICOACHGIRLS (2023-2025) oder MOVE machen deutlich: Mädchen bleiben vor allem dann im Sport, wenn sie sich gesehen und ernst genommen fühlen, wenn Beziehungen wichtiger sind als Ergebnisse und wenn Vielfalt selbstverständlich ist. Trainerinnen können hier einen entscheidenden Unterschied machen, weil sie Erfahrungen teilen und geschlechtsspezifische Hürden und sensible Themen wie Körperbild, Perfektionsdruck, soziale Erwartungen besser nachvollziehen. Ein positives, empowerndes Umfeld ist der Schlüssel. 

Wenn Mädchen früh aus dem Sport aussteigen, geht mehr verloren als nur Mitgliedschaft. Es fehlen Bewegungsräume, Selbstwirksamkeit, soziale Teilhabe – und langfristig auch weibliche Führungspersönlichkeiten im Sport. Sportvereine sind Bildungsorte und wichtige Räume für Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne weibliche Vorbilder im Ehrenamt und in Führungspositionen bleibt Sport strukturell einseitig und nutzt nicht die Potentiale von Mädchen und Frauen. Die Botschaft ist klar: Mädchen brauchen sichtbare weibliche „Influencerinnen“, Vereine mehr Trainerinnen und Mentorinnen sowie Strukturen, die sich konsequent an den Interessen von Mädchen und jungen Frauen orientieren. Wo Mädchen sich willkommen fühlen und starke Vorbilder erleben, wachsen sie über sich hinaus – und stärken damit den Sport insgesamt. 


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