Vor wenigen Wochen noch bei den Olympischen Spielen, inzwischen wieder mitten im Alltag. Der Kontrast, den die 16- bis 19-jährigen Teilnehmenden des Deutschen Olympischen Jugendlagers zuletzt erlebten, ist beachtlich. Statt persönlichem Austausch mit Frank-Walter Steinmeier, Fachsimpeln mit Athlet*innen von Team D und spannenden Wettkämpfen hieß es für viele wieder: Schule, Ausbildung oder Studium. Da kam das Nachbereitungstreffen bestens gelegen, um den Kopf frei zu bekommen, in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen und den nächsten Lebensabschnitt im Sport zu planen.
Freitag: Von Milano Cortina 2026 bis „Jugend trainiert“
Der erste Abend stand im Zeichen des Rückblicks. In der Bildungsstätte der Sportjugend Berlin im Olympiapark, dem Ort des Wiedersehens, bastelten die Jugendlichen aus mitgebrachten Bildern ein Fotomosaik, das ihre vielfältigen Erfahrungen von Mailand bis Cortina d’Ampezzo zu einem kreativen Gesamtkunstwerk verband.
Noch weiter in die Vergangenheit tauchten die Teilnehmenden bei der Abschlussveranstaltung des Frühjahrsfinals von „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ ein, die sie anschließend besuchten. Viele von ihnen waren früher selbst beim Schulsportwettbewerb gestartet – ob auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene. In der Max-Schmeling-Halle wohnten sie nun den diesjährigen Siegerehrungen der Schüler*innen von Bayern bis Schleswig-Holstein bei, die in sechs olympischen und drei paralympischen Disziplinen um die Medaillen gerungen hatten.
Samstag: Karrierepläne im Sport – und darüber hinaus
Der nächste Morgen startete wie so oft während der Olympischen Spiele: mit frühem Aufstehen. In den Räumlichkeiten des Landessportbundes (LSB) Berlin erwarteten die Jugendlichen vier Gesprächsrunden zu möglichen (Karriere-)Wegen im Sport.
Gideon Metzger, der selbst am DOJL Rio 2016 teilgenommen hatte und nun beim LSB Berlin als pädagogischer Mitarbeiter für Freiwilligendienste angestellt ist, brachte eine bunte Auswahl an Lego-Steinen mit. Mithilfe der Bausteine visualisierten die Jugendlichen ihre vielfältigen Erfahrungen, die sie in ihrem ehrenamtlichen Engagement gesammelt haben.
Außerdem berichtete Rosa Skrzydlo, stellvertretende Vorsitzende der Sportjugend Berlin, von ihrem Studium der Sportwissenschaften an der Universität Leipzig. Studien- und Berufsberaterin Nike Tewald stellte den Jugendlichen weitere Karrierewege vor, die sie nach dem Schulabschluss einschlagen können. Und Marcel Göllnitz-Lichtenstein lieferte als Marketingexperte spannende Einblicke in die Arbeit einer Agentur für Sport und Entertainment.
Ein Highlight war die Führung durch das Olympiastadion. Der Rundgang bot eindrucksvolle Blicke hinter die Kulissen und lud ein, über die (dunkle) Geschichte der für die Olympischen Spiele 1936 erweiterten Sportstätte nachzudenken. Zudem wurde die Brücke zur aktuellen Berliner Bewerbungsinitiative um Olympische und Paralympische Spiele gebaut.
Sonntag: Austausch mit einer Weltmeisterin
Am letzten Tag des Nachbereitungstreffens – und damit der krönende Abschluss des DOJL – besuchte Eiskunstläuferin Minerva Hase die Jugendlichen. Die frisch gekürte Weltmeisterin, die mit ihrem Partner Nikita Wolodin außerdem bei den Olympischen Spielen 2026 Bronze gewann, nahm sich viel Zeit für die Fragen der Teilnehmenden und hatte wertvolle Tipps dabei.
Hase sprach sich als große Verfechterin der Sportpsychologie aus: „Ich finde es entscheidend, sich als Mensch nicht ausschließlich über den Sport zu definieren. Deswegen war es mir immer wichtig, dass ich die Schule zu Ende bringe, dass ich mein Abitur mache. Und jetzt studiere ich Psychologie und habe noch ein zweites Standbein. Das hilft mir, am Boden zu bleiben und zu wissen – es gibt noch etwas neben dem Sport."
Im Gesprächskreis erzählte die gebürtige Berlinerin, die bei den nächsten Winterspielen eine Goldmedaille anstreben möchte, dass sie sich eine anschließende Laufbahn als TV-Expertin vorstellen kann. „Deshalb ist für mich der heutige Austausch mit euch wichtig. Denn ich kann unmittelbar testen, wie ich meine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben kann, wie ich als Expertin und Gesprächspartnerin wirke.“
Den Jugendlichen empfahl Hase, sich „frühzeitig Gedanken darüber zu machen, was nach der Karriere kommt.“ Damit schloss sich der Bogen zum Vortag – und ließ die 16- bis 19-Jährigen nicht nur mit vielen Erinnerungen, sondern mit neuen Visionen im Gepäck abreisen.
Was bleibt? Gemeinsame Erfahrungen und neue Impulse
Das Gefühl von Zugehörigkeit, eine Bestätigung für das eigene ehrenamtliche Engagement und die persönliche Weiterentwicklung. Drei Ergebnisse, die von den Jugendlichen mit Blick auf ihre Zeit bei den Olympischen Spielen Milano Cortina 2026 immer wieder genannt wurden – und den großen Wert des Deutschen Olympischen Jugendlagers zusammenfassen.
Bereits jetzt richten sich die Augen auf die nächste Ausgabe, auf die nächsten Engagierten aus dem Nachwuchsleistungssport und Ehrenamt, die mit zu den Olympischen Spielen 2028 nach Los Angeles reisen möchten. Die Ausschreibungen für die Teilnehmenden und das Leitungsteam werden voraussichtlich im Frühjahr 2027 veröffentlicht. Alle Informationen finden sich auf der offiziellen Website und dem Instagram-Kanal des DOJL.