Am 10. September 2026 kamen in Frankfurt am Main über 100 Interessierte aus den Mitgliedsorganisationen, Gremien und Netzwerken der dsj sowie Expert*innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zum Fachforum „Sport mit Courage – Fach- und Vernetzungstagung für einen (Jugend-)Sport mit klarer Haltung“ zusammen.
Der Moderator Fuzael Ul-Hassan eröffnete die Tagung mit hoher Sensibilität für das schwierige Thema, woraufhin die Teilnehmenden von Benny Folkmann, Vorstandsmitglied der dsj und verantwortlich für das Handlungsfeld Sport mit Courage, begrüßt wurden. In seinem Grußwort kam er nicht umhin, die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt anzusprechen, und betonte: „Mit solch einem einschneidenden Ergebnis einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei wird unser Fachforum hier und heute wichtiger denn je. Wir bilden einen großen Teil des couragierten Sports, auch wenn er auf die Probe gestellt wird und vor Herausforderungen steht: Mut und Haltung sind die Worte, die mir als Erstes einfallen, wenn ich mich hier umsehe.“
Den fachspezifischen Auftakt setzte Robert Claus, Publizist und Experte für extreme Rechte und Kampfsport, mit seiner Keynote „Rechtsextremismus im Sport – Wissensstände, Leerstellen, Gefahrenlagen“. Hier wurde deutlich, wie wenig sich rechtsextreme Sportangebote tatsächlich um sportliche Leistung und Wettkampf drehen, sondern vielmehr um die Ideologisierung der (potenziellen) Teilnehmer*innen. Außerdem wurde der kommerzielle Bereich als blinder Fleck für den organisierten Sport sichtbar, in dem Radikalisierung unbeobachtet stattfinden kann und rechtsextreme Sportvereinigungen somit keinerlei Interesse an einer auf Regeln basierenden Mitgliedschaft in Sportverbänden etc. hätten.
Im Anschluss sprach die Politologin und Publizistin Saba-Nur Cheema unter dem Titel „Zwischen Empörung und Dialog: Wie wir wieder streiten lernen“ über den Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten. Ihre scharfe Gesellschaftsanalyse ließ für sie den Schluss zu, dass in der aktuellen Debattenkultur nicht die Kontroverse selbst problematisch sei, sondern eine zunehmend stark ausgeprägte gesellschaftliche Sensibilität, welche Unterschiede als Bedrohung wahrnähme. Dadurch sei ein offener Austausch und ein demokratisches Miteinander deutlich erschwert. Sie plädierte in ihrem Vortrag dafür, zu einer Gesprächskultur zu schaffen, die unterschiedliche Meinungen und Konflikte aushält, Widersprüche zulässt und das Gegenüber als gleichberechtigte und selbstbestimmte Person ernst nimmt.
In der Workshopphase am Mittag vertieften die Teilnehmenden die Themen der Keynotes und übertrugen sie auf die Praxis im Sport. Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene Erscheinungsformen von Rechtsextremismus und Ultranationalismus im Sportumfeld sowie phänomenübergreifende Fragestellungen, die in unterschiedlichen rechtsextremen Kontexten eine Rolle spielen. Thematisiert wurden unter anderem der Umgang mit antidemokratischen Haltungen in Sportstrukturen, Rechtsextremismus im Kampfsport sowie türkischer und kroatischer Ultranationalismus im Sportumfeld. Ergänzend ging es um übergreifende Themen wie die Wirkung von Männlichkeitsrollen im Jugendsport und deren Bedeutung für Radikalisierungsprozesse. Die abschließende Fishbowl-Diskussion wurde von den Teilnehmer*innen des Fachforums zum intensiven Nachwirken Lassen der Workshops und Keynotes genutzt. Sei es die Frage nach dem Umgang mit Empörung in der Gesellschaft oder die Frage, welche Rolle Social-Media aber auch kommerzielle Räume wie Fitnessstudios oder Kampfsportclubs bei der Radikalisierung junger Männer spielen. Nicht immer derselben Meinung, aber im wohlwollenden Austausch, waren sich die Teilnehmenden am Ende einig, dass der Sport seine positive Wirkung für ein stabiles demokratisches Miteinander weiterhin entfalten kann. Dabei gehe es insbesondere darum, Menschen, die durch die Sportstrukturen eigentlich gut erreicht werden, nicht zu verlieren. Der Dialog müsse offengehalten werden.
Den Abschluss des Fachforums bildete der Auftritt der Breakdance-Gruppe Mira Sol, deren Tänzer*innen aus Jung und Alt die Teilnehmenden begeisterten. Die Gruppe hatte sich immer wieder an Projekten der dsj beteiligt, insbesondere mit „Break Racism“, eine Beteiligungsformat, mit dem sie Kinder und Jugendliche, die von Rassismus betroffen sind, durch Breakdance empowern und zusammenbringen.
Mit einem Shout-out für Mut, Motivation und Zuversicht schloss Benny Folkmann die Veranstaltung zuvor offiziell. Wahlergebnisse und Vereinsaustritte sollen den organisierten Sport nicht davon abhalten, sich weiterhin für ein respektvolles Miteinander und ein demokratiestärkendes Wirken in der Gesellschaft einzusetzen.
Das Fachforum wurde im Kontext des Projektes "kontakt. - ultranationalistische und rechtsextreme Bewegungen im Sportumfeld" durchgeführt, das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert wird.