Freiwilligendienste stärken

Die Debatte um Wehrpflicht, Wehrdienst und mögliche zivile Ersatzdienste hat in den vergangenen Monaten deutlich an Dynamik gewonnen. Seit dem 1. Januar 2026 ist das Wehrdienstmodernisierungsgesetz in Kraft. Gleichzeitig wird politisch darüber diskutiert, wie ein möglicher neuer Zivildienst künftig ausgestaltet werden könnte. Die Regierung plant aktuell die Einführung eines Gesellschaftsdienstes, der Zivildienst und Bundesfreiwilligendienst (BFD) unter einem Dach zusammenführen könnte und dem Zivil- und Katastrophenschutz mehr Raum geben würde.

All dies hätte Auswirkungen auf die bestehenden Freiwilligendienste, sowohl auf den BFD wie auch auf die Jugendfreiwilligendienste, insbesondere auf das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Damit ist diese Diskussion auch für die Freiwilligendienste im Sport von großer Bedeutung.

Der Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr (BAK FSJ) hat u. a. deshalb ein Forderungspapier für ein Freiwilligendienste-Stärkungsgesetz vorgelegt. Die zivilgesellschaftlichen Verbände fordern in dem Papier, insbesondere die Jugendfreiwilligendienste wie das FSJ politisch, strukturell und finanziell nachhaltig zu stärken. Die Forderungen zielen darauf ab Planungssicherheit, Chancengerechtigkeit, Anerkennung und vereinfachte Zugänge zu schaffen und stärken. Dazu gehören unter anderem:

  • Dauerhafte Sicherung der Finanzierung der Freiwilligendienste,
  • ein staatlich bezuschusstes höheres Taschengeld,
  • ein steuer- und sozialversicherungsfreies Stipendium für junge Menschen aus finanziell schwächeren Familien
  • die Anrechnung eines Freiwilligendienstes auf einen möglichen Wehr- oder Zivildienst
  • die Anrechnung auf Ausbildungszeiten, Pflichtpraktika und doppelte Wartesemester
  • der Freiwilligenausweis als Deutschlandticket
  • die Befreiung vom Rundfunkbeitrag

Wer selbst ein FSJ oder einen BFD absolviert hat, weiß: Freiwilligendienste sind mehr als die Mitarbeit in einer Einsatzstelle. Sie sind als Bildungs- und Orientierungsjahr konzipiert. Im Mittelpunkt stehen die Freiwilligen, ihre persönliche Entwicklung und die pädagogische Begleitung durch die Träger. Genau diese Bildungsorientierung unterscheidet die heutigen Freiwilligendienste grundlegend vom früheren Zivildienst, sie sollte auch im Fokus eines neuen Gesellschaftsdienstes stehen.

Gerade das FSJ lebt von seinem besonderen Charakter als freiwilliges Bildungs- und Orientierungsjahr. Es bietet jungen Menschen Räume, sich auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Damit das auch künftig möglich bleibt, fordern der BAK FSJ und die dsj, das FSJ in seiner Eigenständigkeit zu schützen und stärken.

Die aktuelle Debatte bietet die Chance, die Bedeutung von Freiwilligendiensten stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Forderungen des BAK FSJ und die Position der Deutschen Sportjugend (dsj) machen deutlich: Wer gesellschaftliches Engagement stärken will, sollte Freiwilligkeit sowie zivilgesellschaftliche Strukturen in den Mittelpunkt stellen. Deshalb laden wir euch ein, einen Blick in das Forderungspapier des BAK FSJ zu werfen und die Inhalte in euren Netzwerken zu teilen. Denn wenn über die Zukunft gesellschaftlicher Dienste diskutiert wird, dürfen die Stimmen ehemaliger und aktueller Freiwilliger nicht fehlen.


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