Für einen inklusiven Kinder- und Jugendsport braucht es:
- Zugänglichkeit und Barrierefreiheit als Grundvoraussetzungen für die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten.
- Eine bedarfsgerechte und dynamisierte Finanzierung der Strukturen der inklusiven Kinder- und Jugendarbeit im Sport.
- Inklusive Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote als festen Bestandteil im Ganztag.
- Die Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes durch partizipative Entwicklung inklusiver Schutzkonzepte.
- Gleichberechtigte Teilhabe an jungem freiwilligem Engagement im Sport für Kinder- und Jugendliche mit Behinderungen.
Die Deutsche Sportjugend, die Deutsche Behindertensportjugend, die Deutsche Gehörlosensportjugend und die Special Olympics Deutschland Jugend setzen sich gemeinsam dafür ein, Behinderung als wichtigen Teil der Vielfalt im Kinder- und Jugendsport anzuerkennen und Barrieren abzubauen. Sportvereine und Sportangebote sollen für alle jungen Menschen offen sein, denn gerade der Sport bietet besondere Möglichkeiten, Inklusion zu leben und Teilhabe zu fördern. Diese Positionierung baut auf bestehenden politischen Forderungen für Inklusion im Sport auf und fokussiert die Belange für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen1. Für die gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention sowie der UN-Behindertenrechtskonvention muss es politische Rahmenbedingungen geben, die diese vollumfänglich ermöglichen.
1. Teilhabe im Kinder- und Jugendsport durch Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Das Recht auf Bewegung und Sport ist für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen keine Wahlleistung, sondern zwingend umzusetzen (Art. 31 UN-Kinderrechtskonvention). Zugänglichkeit und Barrierefreiheit betreffen die Wege in die Sportstätten, die bauliche Barrierefreiheit, barrierefreie Kommunikation und digitale Barrierefreiheit. Dies sind Grundvoraussetzungen für die Teilhabe am inklusiven Kinder- und Jugendsport.
- Für die gleichberechtigte Teilhabe am Kinder- und Jugendsport braucht es eine ganzheitliche Barrierefreiheit: sozial, räumlich, baulich, kommunikativ sowie technologisch.
- Für die Teilhabe an Sportangeboten braucht es eine umfassend barrierefreie Infrastruktur. Dazu gehören barrierefreie Mobilitätskonzepte, die Erreichbarkeit über den ÖPNV sowie der barrierefreie Aus- und Umbau von Sportstätten, Sporträumen und Begegnungsorten für alle.
- Für inklusive Sportangebote braucht es barrierefreie Kommunikationsstrukturen. Dazu gehören Dolmetschen in Gebärdensprache, Übersetzungen in Leichte Sprache sowie Audiodeskriptionen und Untertitelung.
- Für Teilhabe im Kinder- und Jugendsport braucht es konsequent digitale barrierefreie Lösungen. Dazu gehören bspw. digitale Trainingsmethoden, visuelle Hilfen und unterstützende Software.
- Für die gleichberechtigte Teilhabe junger Menschen im Sport braucht es die Stärkung sozialer Barrierefreiheit durch Förderung von Sensibilisierungsmaßnahmen in Bildungs- und Beratungsstrukturen.
2. Nachhaltige Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit im Behindertensport für einen inklusiven Sport sicherstellen
- Zur Sicherstellung einer auskömmlichen Förderung inklusiver Maßnahmen ist eine dynamische Erhöhung der Mittel im Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) erforderlich.
- Mit der Einführung eines „Sportjugend-Euro“ in Höhe von einem Euro pro U27-Mitglied können die Jugendverbandsstrukturen gezielt gestärkt werden.
- Es braucht eine auskömmliche Finanzierung hauptamtlicher Stellen für die inklusive Kinder- und Jugendarbeit im Sport.
- Für eine gleichberechtigte Teilhabe ist es notwendig, kommunikative Barrierefreiheit als antragsfähige Sachkosten in allen Förderprogrammen des Bundes für die Kinder- und Jugendarbeit zu ermöglichen.
- Mit der Einrichtung eines bundesweiten Förderprogramms sollen barrierefreie und inklusive Vereinsangebote im Kinder- und Jugendsport gezielt gefördert werden.
- Um jungen Menschen mit Behinderungen Sport und Bewegung zu ermöglichen, ist eine angemessene Versorgung mit Hilfsmitteln und eine unbürokratische Vermittlung sowie Kostenübernahme von Assistenzleistungen entsprechend ihren Bedürfnissen sicherzustellen. Dies muss mit einer verlässlichen finanziellen Förderung sowie dem Ausbau kind- und jugendgerechter Beratungsstellen einhergehen.
3. Ganztag inklusiv gestalten – Bewegung, Spiel und Sport als festen Bestandteil verankern
- Für inklusive Kinder- und Jugendsportangebote im Ganztag braucht es verbindliche Qualitätskriterien.
- Sportvereinskooperationen im Ganztag – insbesondere für inklusive Sport- und Bewegungsangebote – brauchen eine Strukturförderung.
- Für Teilhabe im Ganztag braucht es barrierefreie Sport- und Bewegungsräume und eine Grundausstattung an Hilfsmitteln für inklusive Sport- und Bewegungsangebote.
- Zur Sicherung der Teilhabe an inklusiven Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten im Ganztag braucht es die Qualifizierung und auskömmliche Finanzierung von Übungsleitenden, Trainer*innen, Sportlehrpersonal, ehrenamtlichem Betreuungspersonal und persönlichen Assistenzen.
- Die Forschungslücke zur Teilhabe an Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten im Ganztag für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen muss geschlossen werden, um die Angebote bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
4. Kinder- und Jugendschutz im Sport konsequent gewährleisten
- Mit der Einrichtung eines Bundesprogramms „Safe Sport inklusiv“ können inklusive Schutzstrukturen weiterentwickelt und damit der Schutz vor Gewalt aller Kinder und Jugendlichen im organisierten Sport gestärkt werden.
- Es braucht eine bundesweite Finanzierungs- und Qualifizierungsoffensive von Fachkräften für Prävention, Intervention und Aufarbeitung interpersonaler Gewalt – auch und insbesondere, wenn Kinder und Jugendliche mit Behinderungen betroffen sind.
- Die Forschungslücke zu Gewalterfahrungen und Ableismus im Sport von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen muss geschlossen werden.
- Für inklusive Schutzkonzeptentwicklungen braucht es eine wissenschaftliche Evaluation der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor interpersonaler Gewalt und Ableismus im Sport.
- Ein umfassender Kinder- und Jugendschutz braucht den Auf- und Ausbau barrierefreier und kind- und jugendgerechter spezialisierter Beratungsangebote bei (sexualisierter) Gewalt und Diskriminierungen.
- Eine barrierefreie Infrastruktur aller unabhängigen Beratungsstellen für Betroffene von Gewalt (im Sport) ist sicherzustellen.
- Beim Aufbau des Zentrums für Safe Sport ist auf eine barrierefreie Infrastruktur in Verfahren der Intervention sowie bei allen weiteren Angeboten des Zentrums Sorge zu tragen.
5. Junges freiwilliges Engagement im Sport fördern
- Junges Engagement kann durch eine verbindliche strukturelle Partizipation und Selbstvertretung junger Menschen mit Behinderungen in bundespolitischen Gremien gestärkt werden. Dies ermöglicht den Kompetenzerwerb junger Menschen mit Behinderungen. Beispielsweise durch die Berufung einer U27-Jugendvertretung der Behindertensportjugendverbände in den Inklusionsbeirat des Bundes.
- Der gleichberechtigte Zugang zu Engagement und Ehrenamt für junge Menschen mit Behinderungen ist herzustellen: durch eine bundeseinheitliche Absicherung von Unterstützungsleistungen, durch die Klärung von Zuständigkeiten und die Sicherstellung der Finanzierung für Assistenz, Mobilität und weitere Unterstützungsbedarfe sowie den Abbau von Schnittstellenproblemen zwischen Sozialleistungssystemen und Engagementstrukturen.
- Ergänzend gilt es durch die Förderung von Modellprojekten zur inklusiven Engagementförderung gute Praxis zu entwickeln und diese bundesweit übertragbar zu machen.
- Die inklusive Öffnung der Freiwilligendienste im Sport benötigt den Ausbau von Fördermechanismen zur Deckung zusätzlicher Kosten bei Einsatzstellen, bspw. bei der Anleitung von Freiwilligen oder für persönliche Assistenz – unabhängig vom Unterstützungsbedarf. Dabei müssen insbesondere Freiwillige mit hohem Unterstützungsbedarf, etwa bei notwendiger 1:1-Begleitung, angemessen berücksichtigt werden, um zu verhindern, dass finanzielle und strukturelle Mehrbelastungen der Einsatzstellen einer vollumfänglichen Teilhabe entgegenstehen.
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