Das Bild zeigt das Reichstagsgebäude in Berlin an einem sonnigen Tag. Die beeindruckende Fassade mit der Glaskuppel ist sichtbar, umgeben von einer grünen Wiese. Einige Menschen sind im Vordergrund zu sehen, und die deutschen Flaggen wehen an den Dächern.

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Bundeshaushalt 2027

Spitzensport gestärkt – Jugendsport und Demokratie brauchen mehr Verlässlichkeit

Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 setzt im Spitzensport wichtige Signale. Gleichzeitig bleiben zentrale Programme für die Jugend und hier den Kinder- und Jugendsport, Freiwilligendienste und Demokratieförderung z. T. hinter den Erwartungen zurück oder werden gekürzt. Für die Deutsche Sportjugend (dsj) – auch wenn zuletzt insbesondere aus dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) Sportverbände und -vereine als wichtige Struktur explizit herausgestellt werden – ist klar: Wer Sport als Ort von Teilhabe, Bildung und Zusammenhalt stärken will, muss den Kinder- und Jugendsport ausdrücklich mitdenken und die jugend- und demokratiepolitischen Grundlagen dafür verlässlich finanzieren.

Das Bundeskabinett hat den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 Anfang Juli 2026 beschlossen und leitet diesen dem Bundestag zu, der wiederum im Herbst dazu weiter beraten wird. Aus Sicht der dsj ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Der Sporthaushalt, d. h. der Haushalt der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt, erreicht mit 361,7 Millionen Euro ein neues Rekordniveau. Der DOSB bewertet dies als starkes Signal in schwierigen Haushaltszeiten und verweist auf zusätzliche Mittel für die Olympiavorbereitung, das Leistungssportpersonal und die zentralen Maßnahmen der Verbände (Artikel: DOSB begrüßt Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027).

Die dsj wird allerdings maßgeblich aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) finanziert, daher reicht der Blick auf den Sporthaushalt allein nicht aus. Gerade dort, wo Bundesmittel junge Menschen im Sport für Beteiligung, Engagement, internationale Begegnung, Freiwilligendienste und demokratische Bildung unterstützen könnten, bleibt der Entwurf hinter dem Bedarf zurück. Grund dafür ist eine sehr angespannte Haushaltslage mit einer Neuverschuldung des Bundes, die auf knapp 111 Milliarden Euro steigt. Umso wichtiger ist die politische Frage, welche Bereiche trotz dieser Lage gestärkt werden – und welche nicht. Und konkreter: investieren wir heute genug in das gesunde Aufwachsen, die Förderung von Leistungsbereitschaft und Demokratieerleben, um Morgen die Schulden zu begleichen?

Kinder- und Jugendplan: echter Aufwuchs und Dynamisierung fehlt
Der zentrale Titel des Kinder- und Jugendplans des Bundes steigt nur minimal von 261,1 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 261,9 Millionen Euro im Jahr 2027. Das entspricht einem Plus von rund 0,3 Prozent. Für die dsj ist das eine Fortschreibung auf nahezu gleichem Niveau. Angesichts steigender Kosten und wachsender Anforderungen an die Kinder- und Jugendverbandsarbeit im Sport bleibt der Entwurf damit hinter dem zurück, was im Koalitionsvertrag mit einem Aufwuchs und einer Dynamisierung angekündigt wurde. Diese 10 Prozent Steigerung im Programm wäre dringend gebraucht. Wichtig ist das Programm, weil es ein zentrales Instrument der Engagementförderung durch Beteiligung, Selbstorganisation und demokratische Bildung junger Menschen in Verbänden ist. Einzige Aufstockung von Mitteln in der Kinder- und Jugendarbeit bzw. internationalen Jugendarbeit findet man beim Ansatz für das Deutsch-Israelische Jugendwerk.

Freiwilligendienste: Stabilität ist noch keine Stärkung
Auch die Freiwilligendienste bleiben 2027 zwar nominell stabil, werden damit aber noch nicht gestärkt. Im Kabinettsentwurf zum Bundeshaushalt 2027, der am 6. Juli 2026 vorgestellt wurde, sind für die Freiwilligendienste insgesamt 364,9 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 211,2 Millionen Euro auf den Bundesfreiwilligendienst und 153,7 Millionen Euro auf die Jugendfreiwilligendienste. Beide Ansätze entsprechen damit der Höhe des Jahres 2026. Im Vergleich zu anderen Titeln des BMBFSFJ ist positiv festzuhalten, dass für die Freiwilligendienste im kommenden Jahr keine Kürzungen vorgesehen sind. Zugleich zeigen die geringeren Verpflichtungsermächtigungen ab 2028, dass die finanzielle Perspektive weiterhin unsicher bleibt. Vor diesem Hintergrund bleibt eine Nachbesserung im parlamentarischen Verfahren dringend erforderlich. Im Entschließungsantrag des Deutschen Bundestages vom 5. Dezember 2025 wurde eine Mittelerhöhung um 50 Millionen Euro für 2026 sowie um zusätzliche 80 Millionen Euro in den Folgejahren noch ausdrücklich begrüßt. Diese zusätzlichen 80 Millionen Euro finden sich im Kabinettsbeschluss für 2027 jedoch nicht wieder. Damit wird zwar der Status quo abgesichert, das politische Ziel eines deutlichen Ausbaus der Freiwilligendienste aber nicht finanziell unterlegt.

Zur Stärkung aller Freiwilligendienstformate und zur tatsächlichen Verausgabung der vorhandenen Mittel ist es deshalb dringend geboten, die Pro-Platz-Förderung in den Jugendfreiwilligendiensten – also im FÖJ, FSJ und IJFD – ebenso wie im BFD anzuheben und den Katalog der zuwendungsfähigen Ausgaben zu erweitern. Nur so lässt sich das vom Bundestag ausdrücklich formulierte Ziel eines Platzausbaus auf bis zu 100.000 Freiwillige im Jahr realistisch erreichen. Für Träger, Einsatzstellen und junge Freiwillige braucht es verlässliche und auskömmliche Rahmenbedingungen, damit Plätze im Sport erhalten, qualitativ weiterentwickelt und zusätzliche Einsatzmöglichkeiten geschaffen werden können.

Zugleich zeigt sich, dass Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen zunehmend mit der Debatte um ein Bundesgesellschaftsdienstegesetz verknüpft werden, das künftig einen neuen Zivildienst und den Bundesfreiwilligendienst regeln und rechtlich zueinander in Beziehung setzen soll. Aus Sicht der verbandlich verfassten Zivilgesellschaft gilt unser besonderes Augenmerk den Jugendfreiwilligendiensten und ihrer eigenständigen Attraktivität. Deshalb wird die dsj zur Debatte in Kürze mit eigenen Forderungen an Bund und Länder beitragen.

Programme zur Demokratieförderung geraten ressortübergreifend unter Druck
Besonders kritisch ist das Signal bei der Demokratieförderung. In den Bereichen, in denen die dsj u. a. neben vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen projektbezogen gefördert wird, werden Einsparungen vorgenommen. Im Haushalt des BMBFSFJ sinkt der Titel für Maßnahmen zur Stärkung von Demokratiebildung und Extremismusprävention von 204 Millionen Euro auf 170 Millionen Euro. Auch im BMI wird gekürzt: Das Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ sinkt von 17 Millionen Euro auf 10,5 Millionen Euro. Im Sporthaushalt wird zudem das Präventions-/Bundesprogramm gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport von 1 Million Euro auf 750.000 Euro reduziert.

Damit zeigt sich über mehrere Ressorts hinweg ein Muster: Demokratieförderung wird nicht konsequent gestärkt, sondern an verschiedenen Stellen zurückgefahren. Gleichzeitig sollen Demokratieprojekte stärker in Regelstrukturen wie bspw. Schule oder Sportverein stattfinden. Die dsj ist überzeugt: Sportvereine und Sportjugendverbände sind Orte, an denen Projekte zur Demokratiebildung, Extremismusprävention und für Zusammenhalt und Teilhabe Wirkung entfalten. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen brauchen aber auch sie Rückenwind statt Unsicherheit.

Sporthaushalt mit starkem Signal – aber nicht die ganze Geschichte
Der Sporthaushalt im Bundeskanzleramt steigt auf 361,7 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 10,4 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Gestärkt werden unter anderem die zentralen Maßnahmen der Verbände, die Olympiavorbereitung und das Leistungssportpersonal. Auch die Mittel für die deutsche Olympiabewerbung werden auf 6 Millionen Euro erhöht. Diese Entscheidungen sind für den organisierten Sport wichtig und zeigen, dass der Sport politisch Gewicht hat.
Gleichzeitig bleibt die angekündigte weitere Tranche für die Sportstättenförderung im Entwurf aus. Dabei entscheidet die Sportinfrastruktur darüber, ob Kinder und Jugendliche vor Ort überhaupt gute Bedingungen für Bewegung, Teilhabe und Engagement finden. Ein Rekordetat für den Sport ist deshalb wichtig, aber er ersetzt nicht die notwendige Verlässlichkeit bei Sportstätten, Jugendförderung und Demokratiearbeit.

dsj: Parlamentarische Beratungen müssen nachbessern
Der Regierungsentwurf ist noch nicht das letzte Wort. In den parlamentarischen Beratungen im Herbst muss deutlich werden: Kinder- und Jugendverbandsarbeit, Freiwilligendienste, internationale Jugendarbeit, Demokratieförderung und der Kinder- und Jugendsport gehören zusammen. Wer junge Menschen stärken will, unsere Demokratie zukunftssicher aufstellen möchte und erfolgreiche Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sehen möchte, muss in den Kinder- und Jugendsport investieren bzw. darf diese Bereiche nicht gegeneinander ausspielen.
Die dsj wird sich deshalb gezielt in die Haushaltsberatungen einbringen. Unser Ziel bleibt ein Bundeshaushalt, der im Blick hat, dass der Kinder- und Jugendsport in der Breite erst Spitzenleistung möglich macht und dafür Raum für Bildung, Beteiligung, Engagement und demokratischen Zusammenhalt notwendig ist. Dafür braucht es mehr als stabile Zahlen. Und es braucht eine politische Priorität für junge Menschen.


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