Mädchen und Frauen gehören selbstverständlich in den Sport – auf den Platz, in die Halle, an die Geräte und in Führungspositionen. Und doch sind die Voraussetzungen noch immer nicht überall gleich. Mädchen erleben im Sport andere Herausforderungen als Jungen: von fehlenden Angeboten und Rollenbildern über geringere Sichtbarkeit bis hin zu Strukturen, die sich lange Zeit vor allem an männlichen Athleten orientiert haben.
Mit ICOACHGIRLS+ setzt sich die Deutsche Sportjugend dafür ein, Mädchen und junge Frauen im Sport zu stärken und ihnen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, als Sportlerinnen und Trainerinnen. Denn wer Mädchen für Sport begeistern und langfristig dabei halten möchte, muss ihre Lebensrealitäten kennen und ernst nehmen.
Mädchen sind nicht einfach „kleinere Jungen“
Trainingskonzepte, Vereinsstrukturen und Leistungsanforderungen sind häufig über Jahre hinweg entstanden, ohne geschlechtsspezifische Unterschiede ausreichend zu berücksichtigen. Dabei unterscheiden sich beispielsweise körperliche Entwicklung, Pubertät und hormonelle Veränderungen.
Gerade die Pubertät kann für Mädchen eine entscheidende Phase sein: Der Körper verändert sich, die Menstruation setzt ein und gleichzeitig können Unsicherheiten hinsichtlich des eigenen Körpers oder auch in der Beziehung mit anderen entstehen. Für manche Mädchen wird Sport in dieser Zeit schwieriger – und genau dann besteht die Gefahr, dass sie den Sport verlassen.
Das zeigt: Gleichbehandlung bedeutet nicht immer, alle genau gleich zu behandeln. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Voraussetzungen wahrzunehmen und passende Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der Zyklus als Teil der Trainingsrealität
Ein Aspekt, der dabei zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, ist der Menstruationszyklus. Zyklusbasiertes Training verfolgt den Ansatz, Training und Regeneration stärker an individuellen Zyklusphasen und dem jeweiligen körperlichen Empfinden auszurichten.
Dabei gilt: Es gibt nicht den einen perfekten Trainingsplan für jede Phase des Zyklus. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu pauschalen Leistungsunterschieden zwischen den einzelnen Zyklusphasen sind bislang begrenzt und teilweise widersprüchlich. Umso wichtiger ist es, nicht mit starren Vorgaben zu arbeiten, sondern die individuellen Erfahrungen der Sportlerinnen in den Mittelpunkt zu stellen.
Trainer*innen können beispielsweise Verständnis zeigen und dazu beitragen, dass Mädchen und junge Frauen offen über Menstruation und zyklusbedingte Beschwerden sprechen. Ein flexibler Umgang mit Belastung, ausreichend Möglichkeiten zur Regeneration und ein wertschätzendes Trainingsklima können dabei wichtige Bausteine sein.
Von Wissen zu einer neuen Trainingskultur
Zyklusbasiertes Training sollte deshalb nicht als zusätzlicher Leistungsdruck verstanden werden. Es geht nicht darum, Mädchen vorzuschreiben, wann sie „leistungsfähig“ sind und wann nicht. Es geht vielmehr darum, Körperwissen zu vermitteln, Selbstbestimmung zu stärken und Training individuell zu gestalten.
Das beginnt mit kleinen Veränderungen: Menstruationsprodukte gehören genau wie Verbandsmaterial und Kühlpacks selbstverständlich in die Sporttasche oder Vereinsausstattung. Toiletten- und Umkleidemöglichkeiten sollten ausreichend vorhanden sein. Trainer*innen brauchen Wissen und Sicherheit im Umgang mit dem Thema. Und Mädchen sollten wissen: Menstruation ist kein Grund, sich für den eigenen Körper zu schämen oder aus dem Sport zurückzuziehen.
Denn Mädchen brauchen im Sport nicht weniger Aufmerksamkeit, sondern mehr passende Unterstützung. Wenn wir wollen, dass sie bleiben, sich entwickeln und den Sport selbstbewusst mitgestalten, müssen wir ihre Bedürfnisse kennen – und ihnen Raum geben.