Mit dem Vereinspreis „Sport mit Haltung“ haben die Deutsche Sportjugend (dsj) und das Bundeskanzleramt am Dienstagabend, 19. Mai, in Berlin Sportvereine ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für demokratische Werte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Menschenwürde engagieren. Der Preis wurde im Rahmen der Veranstaltung „Sport mit starker Stimme!“ zum zweiten Mal verliehen.
Der mit insgesamt 18.000 Euro dotierte Preis würdigt Vereine, die Haltung zeigen und sich aktiv gegen Extremismus, Antisemitismus, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit engagieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Sportvereine, die demokratische Werte wie Fairness, Respekt, Vielfalt und Teilhabe sichtbar und nachhaltig in ihrem Vereinsalltag verankern und leben.
Dr. Christiane Schenderlein (CDU), Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, die die Preise übergab, erklärte: „Die Bereitschaft, Haltung zu zeigen, ist bei unseren Sportlerinnen und Sportlern riesengroß. Doch sie braucht Sichtbarkeit, finanzielle Unterstützung und politische Rückendeckung. Seit 2023 stellen wir pro Jahr eine Million Euro für das Bundesprogramm zur Verfügung und konnten bisher mehr als 150 Vorhaben fördern. Wir unterstützen alle, die Haltung zeigen wollen. Sport ist kein isolierter Raum. Ich setze mich deshalb für eine Verstetigung des Programms auch über die aktuelle Legislatur hinaus ein. Die drei Vereine, die wir heute mit dem Vereinspreis „Sport mit Haltung“ auszeichnen, haben diese Werte bereits jetzt in besonderer Weise vorgelebt. Ich möchte mich bei den Verantwortlichen stellvertretend für alle Engagierten in diesem Land für Ihren Einsatz für die Demokratie bedanken.“
Mit dem ersten Preis und einem Preisgeld von 10.000 Euro wurde der ESV Olympia Köln e.V. – Abteilung Fußball ausgezeichnet. Unter dem Slogan „Willkommen im Gleisdreieck“ engagiert sich die Fußballabteilung des ESV Olympia Köln seit mehreren Jahren klar für demokratische Werte und gegen Menschenfeindlichkeit. Der Verein überzeugte die Jury insbesondere, weil er den Sport nicht nur als Ort der Begegnung, sondern als Raum gesellschaftlicher Verantwortung sieht. Das Engagement ist strukturell verankert und langfristig angelegt: Ein Kinder- und Jugendschutzkonzept, ein Antidiskriminierungs-Leitfaden sowie benannte Ansprechpersonen schaffen Orientierung und Handlungssicherheit. Regelmäßige Schulungen für Spieler*innen, Trainer*innen und Schiedsrichter*innen, niedrigschwellige Meldewege sowie sichtbare Zeichen im Stadion und in der Öffentlichkeitsarbeit machen die Haltung des Vereins nach innen und außen deutlich.
Tobias Thomas, Geschäftsführer Fußball vom ESV Olympia Köln e.V., freute sich: „Mit dem Preisgeld sind unser weiteres Engagement und zukünftige Projekte abgesichert. Wir können vor allem dringend benötigte personelle Ressourcen oder externe Expertise bezahlen. Vor allem freut uns aber die Auszeichnung als Anerkennung unserer Vereinskultur. Fußball ist für uns mehr als nur ein Spiel und kann uns dabei helfen, einen positiven und nachhaltigen Handabdruck in der Gesellschaft zu hinterlassen.”
Der zweite Preis, dotiert mit 5.000 Euro, ging an Cheer & Dance e.V. Waldheim. Ausgezeichnet wurde der Verein für sein Projekt „Act2Impact – Sport prägt Haltung“, das seit 2025 demokratische Werte im Trainingsalltag integriert. Überzeugt hat vor allem der gelebte Ansatz „von jungen Menschen für junge Menschen“. Mit dem dritten Preis und 3.000 Euro wurde SV Blau Weiss Berolina Mitte 49 e.V. geehrt. Die Jury würdigte, dass es trotz überwiegend ehrenamtlicher Strukturen gelingt, den Sportplatz im Herzen Berlins als offenen Begegnungsort zu gestalten, an dem demokratische Werte gelebt und Konflikte aktiv aufgegriffen werden.
„Sich als Sportverein heute sichtbar für Demokratie und Menschenwürde einzusetzen, erfordert zunehmend Mut, weil Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit wieder lauter werden und auch vor dem Sport nicht Halt machen. Mit dem Vereinspreis geben wir Vereinen Rückenwind, die aktiv werden, widersprechen und zeigen: Respekt und Menschenwürde sind nicht verhandelbar“, sagt Benny Folkmann, Vorstandsmitglied der Deutschen Sportjugend.
Der Vereinspreis „Sport mit Haltung“ ist Teil des „Bundes-/Präventionsprogramms gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport“, das seit 2023 vom Bundeskanzleramt gefördert und von der Deutschen Sportjugend gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) umgesetzt wird. Über die Vergabe entschied eine interdisziplinäre Jury aus Vertreter*innen aus Sport, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Im Fokus des diesjährigen Wettbewerbs standen insbesondere Vereine, die auch unter schwierigen Bedingungen konsequent Haltung zeigen und demokratische Werte aktiv verteidigen. Mit dem Vereinspreis setzen die Deutsche Sportjugend und das Bundeskanzleramt ein deutliches Zeichen für einen Sport, der Verantwortung übernimmt und aktiv zu einer offenen, vielfältigen und demokratischen Gesellschaft beiträgt.