Kinder und Jugendliche wachsen in einer Lebenswelt auf, die ihren Bedürfnissen selten gerecht wird: Fehlende Sporthallen, geschlossene Schwimmbäder, unsichere Wege und wenig bewegungsfreundliche öffentliche Räume erschweren es, Bewegung selbstverständlich in den Alltag zu integrieren. Die Interessen von Kindern und Jugendlichen spielen bei Entscheidungen über Schulen, Verkehrswege, öffentliche Räume oder Sportstätten zu selten eine entscheidende Rolle. Bewegung wird dadurch nicht erleichtert, sondern immer häufiger verhindert.
Zum Weltkindertag fordert die Deutsche Sportjugend (dsj) deshalb, den Alltag konsequenter aus der Perspektive junger Menschen zu gestalten. Kinder brauchen sichere Wege, bewegungsfreundliche Schulen und Ganztagsangebote, zugängliche Grünflächen sowie nutzbare Sporthallen und Schwimmbäder. Bewegung darf kein Termin sein, der einmal pro Woche im Kalender steht. Sie muss selbstverständlicher Bestandteil des Alltags sein.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen aktuelle Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Nur 32 Prozent der Sechs- bis 17-Jährigen erreichen durchschnittlich mindestens 60 Minuten Bewegung am Tag. Bei den 14- bis 17-Jährigen sind es sogar nur knapp 14 Prozent. Gleichzeitig verbringen Jugendliche laut JIM-Studie täglich durchschnittlich fast vier Stunden am Smartphone. Digitale Medien gehören zum Leben junger Menschen. Aber während digitale Angebote jederzeit verfügbar sind, fehlen vielerorts sichere und attraktive Räume für Bewegung.
Auch die neuen PISA-Ergebnisse sind ein Warnsignal. Rund ein Drittel der 15-Jährigen erreicht in Mathematik und beim Lesen nicht das grundlegende Kompetenzniveau. Gleichzeitig sagen 73 Prozent, dass sie gerne Neues lernen. „Nach dem zweiten PISA-Schock dürfen wir nicht einfach auf den nächsten Schock warten. Wenn wir den Alltag junger Menschen nicht verändern, folgt auf den Bildungsschock der Bewegungsschock – und darauf der Gesundheitsschock. Kinder wollen lernen, sich bewegen und ihre Fähigkeiten entdecken. Nicht die jungen Menschen versagen, sondern zu oft die Bedingungen, die wir Erwachsenen für sie geschaffen haben“, sagt Stefan Raid, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend.
Dass Kinder und Jugendliche Lust auf Bewegung, Sport und auch Leistung haben, zeigen die Vereinszahlen: Jedes zweite Kind und jeder zweite Jugendliche in Deutschland ist Mitglied in einem Sportverein. „Wir erleben eine riesige Nachfrage. Gleichzeitig fehlen Hallenzeiten, Schwimmkurse haben lange Wartelisten und Ehrenamtliche müssen immer häufiger um Räume und verlässliche Bedingungen kämpfen“, sagt Kiki Hasenpusch, 2. Vorsitzende der dsj. „Sportvereine leisten enorm viel. Aber sie können nicht allein reparieren, was ein bewegungsarmer Alltag an anderer Stelle verursacht.“
Zum Weltkindertag fordert die dsj deshalb, die Interessen und Rechte von Kindern und Jugendlichen stärker zum Maßstab politischer Entscheidungen zu machen. Kinder und Jugendliche müssen überall dort einbezogen werden, wo über ihre Bewegungsmöglichkeiten entschieden wird – vom Schulhof über den Fahrradweg bis zur Sporthalle. Und es braucht verlässliche Investitionen: Mit dem Sportjugend-Euro fordert die dsj vom Bund einen Euro für jedes U27-Mitglied im Sportverein. Denn wer heute in Bewegung und Jugendsport investiert, verhindert den Gesundheitsschock von morgen.