Junge Menschen sind nicht nur die Zukunft, sie gestalten schon heute unsere Gesellschaft. Das zeigt sich auch im Sport: Rund jede*r zweite Jugendliche ist Mitglied in einem Sportverein. Vereine sind damit nicht nur Orte für Bewegung und Gemeinschaft, sondern auch wichtige Räume, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, sich engagieren und ihre Perspektiven einbringen können.
Nach der DOSB-Bestandserhebung sind rund 1,74 Millionen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Mitglied in einem Sportverein. Dabei sind 65 Prozent der Jungen und 45 Prozent der Mädchen in dieser Altersgruppe im Sportverein aktiv. Viele junge Menschen bleiben dabei nicht bei der sportlichen Teilnahme, sondern übernehmen selbst Verantwortung – als Trainer*innen, Schiedsrichter*innen, Jugendsprecher*innen oder bei der Organisation von Angeboten und Veranstaltungen. Die SROI-Analyse der Deutschen Sportjugend (dsj) zeigt: Rund zwei Millionen junge Menschen engagieren sich regelmäßig im Sport. Der monetäre Gegenwert dieser freiwilligen Arbeit wird auf rund 4,8 Milliarden Euro jährlich geschätzt.
„Wir sind nicht nur die Zukunft. Wir sind auch die Gegenwart.“
Was ein Engagement im Sportverein bedeutet, erlebt Lena Noske aus eigener Erfahrung. Die 18-Jährige aus Berlin spielt Eishockey und engagiert sich seit 2022 als Trainerin in ihrem Verein. Inzwischen hat sie auch erste Erfahrungen als Schiedsrichterin gesammelt.
„Wir sind nicht nur die Zukunft. Wir sind auch die Gegenwart“, sagt Lena. „Wir leben heute in dieser Gesellschaft, gehen heute zur Schule, machen heute eine Ausbildung, treiben heute Sport und engagieren uns heute. Deshalb sollten wir auch heute die Möglichkeit haben, unsere Meinung einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.“
Ihr Verein hat Lena bei ihrer Trainerausbildung unterstützt und ihr ermöglicht, Verantwortung für jüngere Spieler*innen zu übernehmen. Für sie zeigt sich daran, wie viel möglich wird, wenn junge Menschen Vertrauen und entsprechende Möglichkeiten bekommen.
„Ich habe selbst erlebt, wie viel möglich wird, wenn Erwachsene einem Vertrauen schenken“, erzählt sie. „Wenn junge Menschen früh Verantwortung übernehmen dürfen, lernen sie nicht nur etwas für ihr späteres Berufsleben. Sie lernen auch, für andere da zu sein, Entscheidungen zu treffen, mit Fehlern umzugehen und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.“
Gleichzeitig braucht Engagement passende Rahmenbedingungen. Schule, Ausbildung, Sport und Ehrenamt miteinander zu verbinden, sei gerade für junge Menschen häufig eine Herausforderung. „Ich glaube, genau an diesem Punkt verlieren wir viele junge Menschen, die eigentlich Lust hätten, sich einzubringen“, sagt Lena. „Nicht, weil sie kein Interesse haben. Nicht, weil sie keine Ideen haben. Sondern weil es schwierig ist, Engagement mit Schule, Ausbildung oder Studium zu vereinbaren.“
Verantwortung übernehmen und etwas bewegen
Für Jannik Kiesel, von der Deutschen Schachjugend, steht fest: „Junge Menschen sind von den Entscheidungen von heute am längsten betroffen. Deshalb ist es wichtig, dass sie schon heute mitentscheiden können. Ihre Beteiligung führt zu besseren Entscheidungen und stärkt unsere Demokratie.“
Auch Emma Karopka, Taekwondo-Athletin, erlebt in ihrem Engagement, wie viel junge Menschen bewirken können. Für sie ist klar: „Junge Menschen müssen gehört werden, weil sie nicht nur am stärksten von Entscheidungen über ihre Zukunft betroffen sein werden, sondern auch besonders viel zu ihrer Gestaltung beitragen können. Sie bringen neue Perspektiven ein, sorgen für Veränderungen und zeigen, welche Themen für die junge Generation wirklich relevant sind.“
Beide ziehen ihre Motivation vor allem aus der unmittelbaren Wirkung ihres Engagements. „Wenn ich zum Beispiel daran denke, wie ich meine jungen Sportlerinnen und Sportler trainiere und sie dabei nicht nur sportlich, sondern auch persönlich begleite, wird mir bewusst, welchen Einfluss mein Engagement und das von jedem anderen auf die Zukunft von Kindern und Jugendlichen haben kann.“, so Emma. Für Jannik steht das Miteinander im Fokus: „Mich motiviert vor allem die Gemeinschaft, die durch Engagement entsteht. Gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen, Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, macht für mich den besonderen Wert des Ehrenamts aus.“
Die Wünsche, die sie für junge Menschen dabei haben sind klar: „Jeder sollte die Möglichkeit haben, so zu leben, wie er oder sie möchte, die eigenen Interessen und Ziele zu verfolgen und alle Chancen im Leben zu bekommen – unabhängig davon, woher man kommt oder welche Voraussetzungen man mitbringt.“ Das sieht Jannik ganz genauso: „Ich wünsche mir, dass junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren Voraussetzungen die gleichen Möglichkeiten haben, sich einzubringen und ihre Potenziale zu entfalten.“
Tag der Jugend am 12. August
Der Tag der Jugend am 12. August lenkt den Blick auf die Perspektiven junger Menschen. Für die dsj gilt: Junge Menschen sind nicht nur Zielgruppe des Sports. Sie sind aktive Gestalter*innen des Sports und unserer Gesellschaft. Ihre Stimmen müssen dort gehört werden, wo Entscheidungen getroffen werden. Dafür braucht es echte Beteiligungsmöglichkeiten, Vertrauen und Strukturen, die Engagement auch neben Schule, Ausbildung oder Studium ermöglichen.