Verband: Hamburger Sportbund
Standort: Hamburg
Start: seit Januar 2024
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Wie bist du zu dieser Stelle gekommen? Was war deine Motivation: Während meines Sportstudium in Marburg und Hamburg habe ich mich viel mit dem Thema Rassismus und Sport beschäftigt. Dabei war und ist mir immer die Betroffenenperspektive wichtig gewesen, die in der Sportwissenschaft bis dato viel zu kurz gekommen ist, wenn es überhaupt ein Thema war. Dabei habe mich nicht nur mit zwischenmenschlichen Rassismen beschäftigt,
sondern auch Strukturen des Sports hinterfragt und mir selbst Fragen gestellt? Wieso fahren fast alle meine Studienfreunde jeden Winter Ski und Snowboard und ich hatte noch nie einen Berührungspunkt damit? Wieso sind alle meine Trainer*innen und Dozierende weiß? Wieso habe ich nie Tennis, Hockey oder Rudern gemacht, wo Schwarze Menschen, Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte oder Menschen of Color unterrepräsentiert sind? Dass ich diese Sportarten nicht mehr ausführen und erlernen werde ist mir bewusst, aber ich will was für die nachkommenden Generationen schaffen, die die Wahl haben ob sie Fußball, Basketball, Tennis, Hockey, Rudern oder Boxen machen wollen ohne auf Barrieren und Ausschlusskriterien zu stoßen.
Als mir ein Freund die Stellenausschreibung beim Hamburger Sportbund gezeigt hat, habe ich bis auf den letzten Tag gewartet, um mich da zu bewerben. Ich habe mir Fragen gestellt, ob ich dafür überhaupt geeignet bin, ob meine Qualifikationen dafür ausreichen, ob ich rein passe beim Hamburger Sportbund. Letzten Endes bin ich froh, mich beworben und die Stelle bekommen zu haben.
Was ist der aktuelle Stand in deinem Verband?/Was ist die Motivation deines Verbandes, in der Antirassismusarbeit tätig zu werden: Hamburg als zweitgrößte Stadt Deutschlands lebt von seiner Vielfalt. Dies soll auch unter den über 500.000 sporttreibenden Menschen im organisierten Sport gelebt werden. Mit dem Programm „Integration durch Sport“ des DOSB setzt der Hamburger Sportbund sich seit Jahrzehnten für Menschen mit Migrationsgeschichte ein, um den Weg in den organsierten Sport zu erleichtern. Im Programm geht es nicht nur um Förderungen von einzelnen Vereinsprojekten, sondern auch um die interkulturelle Öffnung der Vereine und darum eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen zu ermöglichen. Dabei ist auch Rassismus und Diskriminierung immer wieder ein Thema. Der Themenkomplex wird im Kontext von Beratungsangeboten und Qualifizierungsmaßnahmen vereinzelt aufgenommen und näher beleuchtet. Mit der Stelle „Schutz vor Gewalt“ ist bereits eine Anlaufstelle für zwischenmenschliche Gewaltformen (sei es sexualisierte, physische, psychische/emotionale oder verbale Gewalt) geschaffen.
Mit der Stelle der*s Antirassismusbeauftragten will der Hamburger Sportbund eine systematische, pointierte und in die Tiefe gehende Auseinandersetzung mit den eigenen Verbandsstrukturen und den Strukturen der Mitgliedorganisation forcieren. Integrationsfördende Strukturen aufzubauen bedeutet eben auch diskriminierende, ausgrenzende Strukturen abzubauen. Dazu gehört es, rassistische und diskriminierende Denkmuster, Verhaltensweisen und Strukturen zu erkennen, sie zu benennen und zu überwinden - auch im Vereinssport. Neben der Bewusstseinsmachung zum Themenkomplex sind insbesondere gezielte Vorhaben gegen bestehende Diskriminierungsformen und die Entwicklung einer klaren Positionierung zentral, die durch rassismuskritische Reflexion und Veränderung angestrebt werden soll.