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Sportinternate im Nachwuchsleistungssport in Deutschland

Sportinternate im Nachwuchsleistungssport in Deutschland sind hinsichtlich ihrer strukturellen Voraussetzungen – z.B. Größe, Trägerschaft und finanzielle Ressourcen – sehr vielfältig. Dies wird unter anderem an den historisch gewachsenen Unterschieden zwischen den Internaten, die im Rahmen der Sportförderung in der DDR entstanden sind und den Internaten in den alten Bundesländern sichtbar. Gemeinsam ist aber allen Sportinternaten, dass sie sich an Kinder und Jugendliche wenden, die für eine besondere Eliteförderung in ihrer Sportart ausgewählt wurden und die stark leistungsorientiert Sport treiben. Sportinternate arbeiten mit Schulen, Stützpunkten, Sportverbänden und -vereinen zusammen.

Bisher fehlte es an einer Beschreibung eines übergreifenden gemeinsamen Handlungsverständnisses von Sportinternaten hinsichtlich der pädagogischen Betreuung und Begleitung der dort lebenden Kinder und Jugendlichen. Zwar gab es in den 1990er Jahren erste Bemühungen des Deutschen Sportbundes e.V., Sportinternate in ganz Deutschland zu vernetzen, jedoch konnte dieser Prozess nicht verstetigt werden.

Im Rahmen der Aktivitäten „Gegen sexualisierte Gewalt im Sport“ der Deutschen Sportjugend (dsj) im DOSB e.V., ist dieser Prozess nun wieder in den Fokus gerückt. Auf Basis der aktuellen Vereinbarung (2016-2019) des DOSB mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBKSM) unterstützt die dsj die Entwicklung von Schutzkonzepten in Sportinternaten, die in der Trägerschaft der DOSB-Mitgliedsorganisationen sind und/oder die im Verbund mit den Eliteschulen des Sports agieren und/oder einem Olympiastützpunkt angeschlossen sind.

Bei der ersten Tagung für Sportinternatspädagog*innen der dsj am 22. März 2016 in Hannover ist deutlich geworden, dass ein gemeinsames pädagogisches Handlungsverständnis der Sportinternate als Grundlage für den Schutz der Internatsbewohner*innen benötigt wird. Es wurde eine dsj-Projektgruppe „Sportinternatspädagogik“ gebildet, die basierend auf bestehenden (Sport-) Internatskonzepten und in Diskussion mit anderen Sportinternatsleitungen, Leitungen der Olympiastützpunkte und weiteren Partner*innen aus der Wissenschaft sowie der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe den Orientierungsrahmen entwickelt hat.

Mit Hilfe des Orientierungsrahmens soll das gemeinsame Verständnis von pädagogischen Aufgaben der Sportinternate und der Rolle von Sportinternatspädagog*innen für den Schutz der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden. Er beschreibt einen gemeinsamen Anspruch an und gemeinsame Ziele für die pädagogische Arbeit, die in den Sportinternaten geleistet wird. Zudem ist er auf die jeweilige Situation der Einrichtung vor Ort anzupassen.

So können über ein gemeinsames Handlungsverständnis hinaus Kriterien entstehen, mit deren Hilfe sich die pädagogische Qualität des eigenen Internats beschreiben und weiterentwickeln lässt. Die Entscheidung über die konkrete Umsetzung liegt bei den jeweiligen Trägern der Sportinternate.

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